Oldenburg - Die Internetseite sieht aus, als könnten Studenten zum nächsten Wintersemester direkt einziehen: Von voll möblierten Zimmern ist die Rede, großen Küchen, einem riesigen Essbereich und natürlich superschnellem Internet. Es gibt angeblich tolle Rabatte beim Mietpreis, wenn man sich jetzt sofort anmeldet. Dazu huschen Bilder von hellen kleinen Zimmern über den Bildschirm – die es in der Form aktuell gar nicht gibt. Denn das Studentenwohnheim Hermann-Ehlers-Haus (HEH) an der Eichenstraße steht schon lange leer. Und von der lange angekündigten Renovierung ist nichts zu sehen.
Keine Reaktion
Das alles mag Gründe haben. Doch die zu erfahren, ist schwierig, wenn der Betreiber „Prime Student Living“ nicht zu erreichen ist. Obwohl es ein öffentliches Interesse an zusätzlichem Wohnraum von Studenten gibt, laufen alles Versuche, Auskunft zu bekommen, ins Leere.
So ist die auf der deutschen Internetseite angezeigte Oldenburger Telefonnummer nicht gültig. E-Mails unserer Redaktion an die hinterlegte Kontaktadresse werden nicht beantwortet. Vor Ort ist das komplette Gebäude zwar eingezäunt und es hängt ein großes Werbebanner von Prime an der Fassade. Aber Menschen, die dort arbeiten, sind nicht zu finden.
„Prime Student Living“ betreibt mehrere Studentenwohnheime in Großbritannien – in Birmhingham, Portsmouth, Swansea, Cardiff, Coventry und Leeds. In den sozialen Netzwerken ist das Unternehmen dort aktiv. Es reagiert jedoch nicht auf Mails oder Anfragen über Facebook, Instragram und Twitter. Ansprechpartner oder Kontakttelefonnummern sind nicht zu finden.
Anruf in Luxemburg
Laut deutscher Internetseite ist der hiesige Ableger von Prime in Luxemburg registriert. Auf einer Seite, auf der Firmendaten gesammelt werden, ist dazu eine Telefonnummer zu finden. Der Anruf landet allerdings nicht bei Prime – sondern interessanterweise bei der Luxemburger Polizei. Es ist wieder eine Sackgasse.
Ein Blick auf das im Impressum angegebene Management führt nur zu der Erkenntnis, dass Prime offenbar Teil eines ziemlich umfangreichen Firmengeflechts ist. Ein Michael Sharples wird beispielsweise auf einer Sammelseite mit Unternehmensdaten aktiv in führenden Positionen mit 61 Firmen in Verbindung gebracht.
Überraschende Mail
Sehr überraschend ist dann, dass Anfragen per E-Mail von potenziellen Mietkunden offenbar bereitwillig beantwortet werden. Eine Reaktion von Prime, die wenige Tag nach Absenden des Anschreibens verschickt wurde, liegt unserer Reaktion vor. Es wird das Bedauern ausgedrückt, dass wegen Renovierungsarbeiten, die angeblich bereits begonnen hätten, derzeit leider keine Vermietung möglich sei.
„Nach der Fertigstellung der umfassenden Modernisierung wird das Gebäude die besten Studentenunterkünfte der Stadt bieten“, verspricht jedoch der Absender. Bis die „fantastische neue Einrichtung“ und die „großartigen Verbesserungen“ fertig sind, soll es allerdings noch bis 2025 dauern. Die Kontaktdaten, um rechtzeitig informiert zu werden, könne man gerne schon einmal hinterlassen.
Verfasst hat das Schreiben ein „Property Manager“. Rückfragen der Redaktion an seine persönliche Mailadresse bleiben unbeantwortet. Die in der Signatur angegebene Telefonnummer ist nicht vergeben.
