Oldenburg - Bildhauer Franz Anton Högl (1769-1859) hat Spuren in der Stadt hinterlassen, nachdem ihn Peter Friedrich Ludwig 1804 nach Oldenburg geholt hatte. Inspiriert durch seine Reisen begann der Herzog Oldenburg nach klassizistischem Vorbild umzugestalten. Högl baute das Schloss um, erledigte die Stuckarbeiten an der Decke des Mausoleums auf dem Gertrudenkirchhof und schuf nebenbei Kunstwerke wie die Point-de-vue-Vase (auch Högl’sche Vase), die am Rand des Schlossplatz steht. Auch das Grabmal der Kanzleiräte von Finckh und von Berger wurde von ihm erschaffen.
Zwölf Kinder
Die Högl'sche Vase auf dem Schlossplatz
Thomas Husmann
Franz Anton Högl Bild: alt-oldenburg.de
alt-oldenburg.de
Die Umrandung des Eingangs der Hirschapotheke stammt von Franz Anton Högl
Thomas Husmann
Vor der Grabstelle der Högl-Familie auf dem Gertrudenkirchhof (von links): Kurator Manfred Pohl, Steinmetz und Bildhauer Jan Wandscher sowie Sigrid Schlömer als Vertreterin der Schlömer-Stiftung.
Thomas Husmann
Die Grabstelle der Steinmetz- und Bildhauerfamilie Högl auf dem Getrudenkirchhof war fast komplett zugewachsen und von Pflanzen überwuchert.
Manfred PohlUnd nicht nur das: Aus der Ehe mit Anna Sophie Klüsener, die er 1805 heiratete, gingen zwölf Kinder hervor. Zwei ihrer Söhne, Eduard Demetrius (1805-1885) und Heinrich Konstantin (1813-1874) taten es ihrem Vater gleich und wurden Bildhauer. Enkel Bernhard (1843-1893) und Urenkel Ernst (1880-1914) erlernten ebenfalls das Bildhauerhandwerk. Bernhard Högl hatte das Kriegerdenkmal 1870/71 auf dem Gertrudenkirchhof sowie die Lutherstatue in St. Lamerti zum Jubiläum von 1883 geschaffen.
Eines seiner bekanntesten und frühesten Werke dürfte die Högl’sche Vase direkt neben dem Schloss sein, die 2011 restauriert worden war. Kaufmann Kurt Müller-Meinhard und die Oldenburgische Landesbank hatten sich der vernachlässigten Prunkvase angenommen und die 15000 Euro Restaurationskosten übernommen.
Fachleuten zeigt diese sogenannte Blickpunkt-Vase, zu welcher Pracht der Klassizismus durch Meister des Faches wie Högl in Oldenburg getrieben worden war. Etwa zwei Meter misst diese Vase, die mit eisernen Henkeln, reichen Weinlaub-, Akanthus- und Rankenornamenten verziert ist. Die Vase schuf Högl nach einem Entwurf von Joseph Bernhard Winck, und sie wurde um 1805 auf den 2,40 Meter hohen Sockel gestellt. Früher stand sie am Ende einer doppelreihigen Lindenallee am Übergang vom Casinoplatz (der sich damals noch mit „C“ schrieb) zum Schlossplatz und markierte den Übergang über die Hausbäke.
Franz Anton Högl gestaltete auch das Mausoleum auf dem Gertrudenkirchhof mit, das als erstes klassizistisches Gebäude Oldenburgs gilt. Weitere Werke, die in der Högls Werkstatt geschaffen wurden: die Skulptur Martin Luthers am Westturm der Lambertikirche und das Tympanon (Giebelrelief) an der alten Wache beim Schloss. Begraben liegt er auf dem Gertrudenkirchhof . Nach seinem Tod im Jahr 1859 ging die Werkstatt an seine Söhne über. Noch im Adressbuch von 1900 wirbt Bildhauer Bernhard Högl in einer Anzeige für „Grabdenkmäler“.
Franz Anton Högl hat eine eigene Grabstelle auf dem Gertrudenkirchhof bekommen. Seine Nachfahren wurden in einem Familiengrab an anderer Stelle beigesetzt, die zurzeit von Jan Wandscher und seinem Team saniert wird. Manfred Pohl aus Nordmoslesfehn, in dessen Auftrag schon mehrere Gräber auf dem Kirchhof restauriert worden sind, hat für die Finanzierung der Kosten in Höhe von 7000 Euro die Schlömer-Stiftung für Lebenshilfe gewonnen.
Umrandung verschoben
Das Grab war von Pflanzen völlig überwuchert, die Wurzeln hatten die Umrandung aus Sandstein aus der Form gehoben, Efeu hatte den Marmor des Denkmals überwuchert, ein Akroterion ( Architekturelement der Bekrönung des seitlichen Giebels) fehlte völlig und wird von Wandscher neu angefertigt. Die verwitterte Marmorfigur wird nicht gereinigt. Zu sehr haben die Witterungseinflüsse und der Saure Regen dem italienischen Marmor zugesetzt, er würde eine gründliche Reinigung nicht überstehen. Die Hände der Figur sind bereits abgefallen, sagt Wandscher.
Besonderer Auftrag
Für ihn ist das ein besonderer Auftrag. Er wohnt und arbeitet an der Nadorster Straße 10 und 12 in zwei Häusern, die 1897 von Högl-Nachfahren erbaut worden sind. Die Stein- und Bildhauerei war am 1. Dezember 1924 von Johann und Paul Wandscher in der Johannisstraße 27 gegründet worden. Das Unternehmen florierte, 1954 kam als zusätzliche Geschäftsstelle die ehemalige Bild- und Steinhauerei Bernhard Högl an der Nadorster Straße 10 durch Pacht hinzu. Familie Högl hatte seit 1914 keine Nachfahren. Nun saniert Jan Wandscher mit seinem Team deren Grabstelle.
Wenn man so will, schließt sich mit der Sanierung der Grabstelle durch den Steinmetz- und Bildhauerbetrieb Jan Wandscher der Kreis.
