Hude/Oldenburg - Normalerweise ist Joann Zeylmans van Emmichoven in der Landwirtschaft aktiv. Als Angestellter der Baumhaus Werkstätten arbeitet er bei der Hofgemeinschaft Grummersort in der Gemeinde Hude. Allerdings fühlt er sich auch vor der Kamera ganz wohl. In der kommenden Woche ist er sogar auf der großen Kinoleinwand zu sehen.
„Die Heimreise“ lautet der Titel eines Dokumentarfilms, der am Montag im Casablanca gezeigt wird. Er dreht sich um Bernd Thiele. Er wäre so gern „normal“, doch seine Mutter trank in der Schwangerschaft Alkohol und schädigte so sein Gehirn. Schon als Säugling wurde er vom Berliner Jugendamt aus seiner Familie genommen. Er kennt seine Mutter nicht, seinen Vater nicht, und auch seine Schwester nicht – überhaupt weiß er so gut wie nichts über seine Vergangenheit und Herkunft, denn der 38-Jährige hat seine gesamte Kindheit und Jugend in Heimen und bei Pflegeeltern verbracht.
Suche in Berlin
Doch er will sich seine Identität zurückholen und begibt sich auf eine Spurensuche nach Berlin. Und dabei begleitet ihn Joann Zeylmans van Emmichoven. Die beiden kennen sich aus Kiel, wo sie zusammen auf einem Bauernhof gearbeitet haben und bereits für eine NDR-Dokumentation vor der Kamera standen. Für den Film „Die Heimreise“ gingen sie gemeinsam auf eine Reise. „Ein Kameramann und ein Tonmann waren immer dabei“, erzählt der Oldenburger. Gedreht worden sei über mehrere Wochen. Das bedeutete mitunter auch lange Drehtage für das Duo. „Das Team wollte immer weiter machen. Aber irgendwann habe ich gesagt: Schluss, jetzt gehen wir essen“, erinnert sich Zeylmans van Emmichoven. Immerhin, soviel sei verraten: Die Suche nach den Wurzeln von Bernd Thiele war ein Erfolg. „Wir sind fündig geworden.“
Die Oldenburg-Premiere des Films „Die Heimreise“ wird an diesem Montag, 25. Oktober, 18.30 Uhr, im Casablanca am Pferdemarkt gezeigt.
Zu Gast sind Bernd Thiele und Joann Zeylmans van Emmichoven sowie Regisseur Tim Boehme.
Karten gibt es an der Kinokasse oder unter
Endlich in Oldenburg
Den Film hat der Oldenburger selbst bereits mehrfach gesehen, auch schon auf der Kinoleinwand. Trotzdem freut er sich natürlich, das Werk nun auch in seiner jetzigen Heimatstadt vorstellen zu können, nachdem Corona die Oldenburger Kino-Premiere lange verhindert hat. Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen von Baumhaus werden ebenfalls im Saal sitzen. Auch aus Sicht von Baumhaus-Sprecher Marvin Neugebauer ist es wichtig, den Film einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. „Er zeigt, dass Menschen mit Behinderung ein ganz normales Leben mit ganz normalen Problemen führen.“
Auch für Joann Zeylmans van Emmichoven geht der Alltag mit der Arbeit in der Landwirtschaft weiter. Ob es für ihn noch einen weiteren Einsatz vor der Kamera geben wird? „Aktuell gibt es keine Pläne“, sagt er. Aber wer weiß, was das Leben noch so bringt.
