Ihre ersten Schritte in der Manege machte Roxana Küwen bei der Zirkusschule Seifenblase in Oldenburg. Heute jongliert sie auf den internationalen Bühnen der Zirkuswelt. Zum Winter-Varieté in der Kulturetage kommt sie zurück in ihre Heimat. Mit unserer Redaktion hat sie über das Leben als Zirkuskünstlerin gesprochen.
Das Winter-Varieté findet am 22., 23., 24. und 25. November in der Kulturetage in Oldenburg (Bahnhofstraße 11) statt. Dabei bekommen die Zuschauerinnen und Zuschauer eine Mischung aus Artistik, Jonglage, Akrobatik und Komik zu sehen.
Mit dabei sind neben Roxana Küwen diverse internationale Bekanntheiten der Zirkusbranche. Präsentiert wird das Programm vom Oldenburger Verein Kultur Perspektiven.
Die vier Shows sind allesamt ausverkauft.
Artistin ist kein herkömmlicher Beruf. Wie sind Sie dazu gekommen?
Roxana KüwenNach meinem Abitur 2009 war für mich klar, dass ich nicht in den konventionellen Studienbetrieb will. Mein damaliges Hobby, der Zirkus, war zu dieser Zeit schon sehr präsent in meinem Leben. Ich habe viel mit meinen Freundinnen und Freunden aus der Zirkusschule Seifenblase trainiert. Wir haben eigene Shows kreiert. Dank unserer Trainerin Ines Rosemann haben wir auch von professionellen Künstlerinnen und Künstlern Unterricht bekommen. Für mich war es keine Option, mich für die nächsten Jahre in Hörsäle zu setzen. Deshalb habe ich mich für die Aufnahmeprüfung der Academy for Circus and Performance Art in Tilburg in den Niederlanden eingeschrieben. Da wurde ich dann überraschenderweise angenommen. Dann habe ich immer weiter gemacht. Nach etwa anderthalb Jahren hat es sich dann immer realistischer angefühlt, dass das mal mein Beruf werden könnte. Es war also nie mein Kindheitstraum, aber es hat sich so ergeben.
Und wann haben Sie entschieden, dass Sie Artistin werden wollen?
KüwenSo genau kann ich das gar nicht sagen. Mit der Zeit wurde ich einfach immer selbstbewusster in dem, was ich tue. Ich hab das Studium damals begonnen, ohne dass ich mir vorstellen konnte, mal eine professionelle Artistin zu werden. Aber an der Zirkusschule habe ich so viel gelernt. Mein Umfeld hat mir dann immer gespiegelt, dass ich es als hauptberufliche Zirkuskünstlerin schaffen kann.
Wie sieht denn der Werdegang im Zirkus aus?
KüwenZirkusschulen gibt es in Frankreich schon sehr lange. In Deutschland und den Niederlanden sind sie relativ neu. Die längste Zeit wurde die Zirkuskunst eigentlich immer weitergegeben. Also in Familien oder dem näheren Umfeld. Dass auch Leute außerhalb dieses Kosmos in die Welt des Zirkus und des Varietés gehen, kam erst später. Was für mich aber wichtig zu betonen ist: Die schulische Ausbildung ist nicht der einzige Weg. Das kann man auch abseits davon lernen. Einen vorgefertigten Weg gibt es also nicht. Selbst die Schulen haben unterschiedliche Schwerpunkte. Bei mir war das eine gute Mischung. Ich hatte dann noch das Glück, dass ich nach dem Studium viele verschiedene Sachen ausprobieren konnte.
Roxana Küwen ist in Oldenburg aufgewachsen, lebt mittlerweile aber in Südfrankreich. Die 34-Jährige ist hauptberuflich Artistin. Ihre Paradedisziplin ist die Jonglage. „Frankreich bietet bessere Rahmen- und Produktionsbedingungen für Zirkus und Varieté“, sagt sie. Das sei einer der Gründe für die Auswanderung, aber auch private und kulturelle Bewegungsgründe hätten in die Entscheidung mit reingespielt.
Ihre ersten Bühnenerfahrungen hat sie in der Zirkusschule Seifenblase in Oldenburg gesammelt. Mit zehn Jahren trat sie dem Zirkus bei, um dort Einradfahren zu lernen. „Dadurch habe ich die Vielfalt des Zirkus kennengelernt“, sagt Roxana Küwen.
Ein Bachelorstudium hat sie an der Academy for Circus and Performance Art in Tilburg (Niederlande) abgeschlossen. Seitdem tritt sie als Artistin in Deutschland und auch international auf.
Welche waren das?
KüwenDirekt nach dem Studium bin ich im G.O.P (Anm. d. R.: Varieté-Theater) in Bremen gelandet. Da hat es gerade aufgemacht. Das war vor genau zehn Jahren. Da habe ich vier Monate lang in der Eröffnungsshow gespielt. Danach war ich in der Schweiz mit einem reisenden Zirkus unterwegs. Später bin ich dann auf Zirkusfestivals aufgetreten und hatte internationale Engagements. Mit der Zeit habe ich herausgefunden, dass genau diese Mischung mir Spaß macht. Publikum und Kontext des Auftritts ändern sich ständig.
Jetzt kommen Sie zurück nach Oldenburg. Was verbinden Sie mit ihrer Heimatstadt?
KüwenAls erstes muss ich an die Zirkusschule Seifenblase denken und an meine Freunde und Familie. Die sind natürlich der erste Anknüpfungspunkt. Es ist einfach toll, wieder in Oldenburg aufzutreten. Früher gab es hier immer das „Traumschiff-Varieté“. Das war für mich als Jugendliche damals etwas ganz Besonderes. Das Winter-Varieté ist quasi die Neuauflage dieser Shows in der Kulturetage. Und in dieser Neuauflage nun aufzutreten, ist für mich eine große Ehre.
Da zeigen Sie dann auch ein besonderes Kunststück: Sie jonglieren mit Füßen. Wie haben Sie dieses Talent entdeckt?
KüwenDas war damals in der Zirkusschule. Da hat mich eine Dozentin gefragt, ob ich schon einmal ausprobiert habe, auch mit meinen Füßen zu jonglieren. Das hat mir riesig Spaß gemacht und darauf habe ich mich dann spezialisiert. Anfangs erscheint so etwas erstmal schwierig – das ist doch mit allem so. Aber dann habe ich viel geübt und trete damit nun auf.
