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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

Auf einem Bambus-Fahrrad von Varel bis nach Kiel

13.03.2019

Im Nordwesten „My Boo“ heißt so viel wie „Mein Liebling“. Es ist aber auch der Name eines Kieler Start-ups, das Bambus-Fahrräder herstellt. Der Firmenname spielt also auch auf Bamboo, englisch für Bambus, an. Ob das Bambusfahrrad zu meinem Liebling wird, will ich noch herausfinden. Als einzige bisher angefragte Firma bietet mir My Boo ausgiebig Gelegenheit. 99 Euro musste ich dafür zahlen, ein nach meinen Wünschen konfiguriertes Fahrrad 30 Tage lang intensiv zu nutzen.

Nach 17 Tagen habe ich 864 Kilometer abgespult, und kann einiges über die Besonderheiten des Bambus-Fahrrads sagen. Insbesondere im Februar und März werden natürlich höhere Anforderungen an das Fahrrad gestellt als bei Sommerwetter. Insgesamt fällt der gute Federungskomfort des Materials auf, der eine zusätzliche Federung der Gabel oder der Sattelstütze überflüssig macht. Kleine Unebenheiten des Straßenbelags steckt der Rahmen problemlos weg. Dabei ist er ausreichend verwindungssteif, um die Kraft des Fahrers oder der Fahrerin möglichst störungsfrei auf die Straße zu bringen. Komfort, verbunden mit hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten, ist die Stärke dieses Fahrrads.

Das kostet ein „My Boo“

Fuhr auf dem Bambusrad bis nach Kiel: NWZ-Redakteur Jan Lehmann hat „My Boo“ ausgiebig getestet. (Foto: Hartmut Kern)

Eine Schwäche ist sicher der hohe Anschaffungspreis. Fahrräder von My Boo kosten rund tausend Euro mehr als ähnliche aus Stahl oder Aluminium. Die Hersteller, 20 meist junge Männer und Frauen, werben damit, dass die Rahmen zu fairen Bedingungen in Ghana hergestellt werden. Außerdem fördere man den Bau einer Schule in der Ashanti-Region, erklärt Marketingleiter Felix Habke (33), den ich – natürlich per Fahrrad – in Kiel aufgesucht habe. Der Bau eines Rahmens erfordere rund 80 Arbeitsstunden, erklärt Habke. „Nachhaltig. Sozial. Einzigartig“, das ist das Motto, unter dem My Boo seit April 2014 seine Fahrräder und andere Produkte verkauft. Einen Betriebsrat hat die Kieler Firma allerdings noch nicht.

Drei Tage nachdem ich das Fahrrad über meinem Vareler Händler erhalten und ein wenig ausprobiert hatte, ging der Test in die harte Phase: Binnen zwei Tagen wollte ich auf dem Bambusrad Kiel erreichen; das sind etwas mehr als 200 Kilometer. Als Trekkingrad mit hochwertigen Komponenten ist das Fahrrad für lange Strecken prädestiniert, so auch für meinen Weg zur Arbeit, der 32 Kilometer beträgt. Es hat also Tourer-Qualitäten und ist wegen seines stabilen Gepäckträgers auch für Reisen geeignet. Mit 130 Kilogramm zulässigem Gesamtgewicht liegt das Rad allerdings nur im Mittelfeld. Cityräder, Rennräder, Mountainbikes, sogar E-Bikes stellt My Boo ebenfalls in Bambusausführung her. Außer My Boo gibt es noch weitere Produzenten, die zum Beispiel Bambus aus Uganda oder Vietnam verbauen. „Wir halten aber das Material aus Ghana für das beste und sind europaweit die einzige Firma, die die Produktion mit einem sozialen Anspruch verbindet“, wirbt Felix Habke.

Saubere Sache: Der Riemenantrieb hält angeblich dreimal so lang wie eine Kette. Beim Schalten gibt es aber kleine Probleme. (Foto: Jan Lehmann)

Viele Eigenschaften, die ich auf der Fahrt nach Kiel und zurück entdeckt habe, hängen natürlich nicht vom Material des Rahmens ab, sondern davon, wie das Fahrrad bestückt ist. So wählte ich eine Shimano-Alfine-11-Gang-Nabenschaltung und ließ das Bike mit einem 70 Lux starken Scheinwerfer der Firma Busch und Müller ausstatten, gebremst wird mit hydraulischen Scheibenbremsen von Shimano (MT200). Statt einer Kette überträgt ein Zahnriemen die Kraft auf das Ritzel des Hinterrads. Diese Komponenten machen das Rad zusätzlich teuer, qualifizieren es aber erst als Langstrecken-Tourer.

Die Fahrt nach Kiel über Bremerhaven und Glückstadt verlief zumeist entlang von Bundesstraßen und auf gut befestigten Wegen. Auf dem Hinweg bis Glückstadt bei gutem Wetter und Rückenwind schaffte ich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 18 km/h. Die konnte ich am Folgetag in Schleswig-Holstein nicht mehr halten. Denn hier gab es sanfte Anstiege, die aber dank der gut abgestuften Gangschaltung keine besondere Mühe machten. Allerdings sollte sich im Laufe der nächsten Tage herausstellen, dass die nagelneue Gangschaltung genaue Justierung benötigt. Zunächst vermutete ich einen Defekt, als sich die Gänge nicht mehr exakt schalten ließen und unerwartet krachend in einen Zwischenleerlauf rutschten. Bemerkbar machte sich auch ein Pfeifen am Antriebsriemen. Die Kieler Ausrüster empfahlen gegen letzteres Silikonspray, was auch funktioniert.

Sonst ist der Riemenantrieb eine saubere Sache; er hält angeblich dreimal so lange wie eine Kette und wird von der US-Firma Gates hergestellt. Nachteil: Ihn zu spannen, ist für Laien nicht einfach, und auf Weltreisen durch entlegene Gegenden bekommt man womöglich für einen defekten Riemen keinen Ersatz.

Starke Bremsen

Die Scheibenbremsen von Shimano mögen einige als überdimensioniert empfinden, andere halten sie in der Ansprache für zu bissig. Ich lernte ihre Qualitäten aber hauptsächlich auf meinem fast täglichen Weg zwischen Varel und Oldenburg kennen. Da kommt es zwar oft vor, dass einem freundliche Autofahrer – zum Beispiel in den Kreiseln – die Vorfahrt gewähren, obwohl man sie nicht hat. Anderenorts erlebe ich aber auch, dass Kraftfahrer gedankenlos auf den Fahrradweg rollen, und dann schlägt die Stunde dieser starken Bremsen, die 25 km/h Vortriebsenergie binnen Sekundenbruchteilen vernichten können.

Dankbar bin ich auch für den starken Scheinwerfer am Fahrrad, weil ich oft auf unbeleuchteten Straßen und Wegen unterwegs bin. Die Leuchte von Busch und Müller hat außerdem noch Standlicht-Funktion, was für das Rücklicht schon Standard ist.

Nicht nur wegen des ölfreien Antriebsriemens lässt sich das Bambus-Fahrrad leicht pflegen. Die dicken Rohre sind mit in Harz getränkten Hanffasern verbunden; alles ist abgerundet und griffig, es gibt wenige Ecken, in denen sich der Schmutz verstecken könnte. Ob das Fahrrad dadurch auch ein ästhetischer Genuss ist, darüber lässt sich streiten. Die Kommentare von meinen Freudinnen und Freunden reichten von „eine Augenweide“ bis zu „etwas plump, oder?“ Das Fahrrad besteht übrigens nicht – wie viele zunächst unterstellen – aus Holz: Bambus ist ein Gras.

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Jan Lehmann / freigestellter Betriebsratsvorsitzender / Politikredaktion
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