Oldenburg/Grönland - „Ein Eisberg hat keine Positionslampen und beachtet keine Kollisionsvorschriften.“ Das notiert Weltenbummler Bernd Mansholt Ende Juli im Logbuch der „Nis Randers“. Tausende Eisberge hat er inzwischen gesehen – atemberaubend schön und gefährlich, wenn man sie zu spät erkennt. Daher hat er oft vorn am Bug Ausguck gehalten. „Je länger wir unterwegs sind, desto mehr Respekt bekomme ich vor dem Eis“, sagt Mansholt.
Dennoch hat er an einem der Eisberge geleckt: Ein Vergnügen, das sich der Weltumsegler für die Grönlandexpedition fest vorgenommen hatte.
Vor zwei Monaten war er gemeinsam mit dem Flensburger Seemann Janek Plathe im Oldenburger Hafen gestartet. Vom Stau aus winkten dem gut elf Meter langen Boot nicht nur Mansholts Frau und Kinder nach, sondern auch Gaby Letzing vom Kinderhospiz „Löwenherz“ in Syke. Mit dem Törn nach Grönland erfüllt sich Goldschmied Mansholt nicht nur den Jugendtraum, den Nordmännern nahe zu kommen, sondern er segelt auch für Spenden. Seemeile um Seemeile kann man kaufen. Der Erlös geht an das Kinder- und Jugendhospiz.
3200 Seemeilen hat er jetzt auf dem Sumlog, wie der Tacho eines Schiffes heißt. Das sind etwa 5925 Kilometer, die die beiden Segler mal mit, oft gegen den Wind zurückgelegt haben. Acht Meter hohe Wellenberge und Windstärke zehn hatten viel von den beiden gefordert (NWZ berichtete).
Aber Grönland und die unterschiedlichen Naturschauspiele entschädigen. Als sie Kurs auf Julianshåb im Süden Grönlands nehmen, sieht Mansholt plötzlich eine grüne Leuchtkugel. „Was bedeutete das noch?“, fragt er sich. Rot, das weiß jeder, heißt „Schiff in Not“. Dann sieht er noch mehrere weiße Lichtkugeln, und ihm dämmert, „dass ich einen Sternschnuppenregen erlebe, der nur mit einem Feuerwerk zu vergleichen ist – wünsch dir was. Und ich wünsch mir was.“
Der Anblick dieses Naturspektakels entschädigt ihn für die nasskalten Nachtstunden im Cockpit.
In einer dramatischen Aktion verlieren sie ihren Anker. Mansholt muss die Ankerleine mit dem roten Brotmesser kappen, damit sie einem Sturm trotzen können.
In Nuuk machen sie fest, und Janek Plathe bleibt beim Schiff. Abenteurer Mansholt setzt sich ins Flugzeug und fliegt nach Ilulissat. Er fährt mit Schlittenhunden, besteigt den aktivsten Gletscher der nördlichen Hemisphäre und fotografiert auf der Disko-Insel vor der Westküste ein Sternmoos in Herzform nur für seine Frau, die in Oldenburg das Logbuch per Internet mitliest.
Er erkundet alte Siedlungen und kauft bei Inuit-Künstlern in Sisimiut einen Tupilak, eine Figur mit magischen Kräften. Die mag helfen, wenn die „Nis Randers“ jetzt die Arktis verlässt und wieder Richtung Europa über den Nordatlantik segelt.
