Oldenburg - „Mit acht Jahren bin ich nach Deutschland gekommen und möchte auch nicht mehr weg“, sagt Patricia Meyerholz. Vor genau 53 Jahren verließ die gebürtige Chilenin zusammen mit ihrer Mutter Santiago und zog nach Oldenburg. „Meine Mutter hat von einem deutschen Kaufmann das Angebot bekommen, für ihn in Oldenburg als Haushälterin zu arbeiten. Sie nahm an – und mich mit“, erklärt Meyerholz.
An den Flug nach Deutschland kann sich die heute 60-Jährige noch genau erinnern. „Das war ganz schön spannend. Wir sind drei Tage lang mit einer Propellermaschine geflogen. Über dem Atlantik sind auf einmal zwei Propeller ausgefallen. Die Maschine konnte aber weiterfliegen, und wir sind unversehrt gelandet“, sagt sie. Nach dem abenteuerlichen Flug zog die kleine Familie in ein Haus an der Würzburger Straße. Meyerholz ging zunächst zur Röwekampschule, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. „Anfangs habe ich nichts verstanden und daher immer gedacht, wir hätten keine Hausaufgaben auf“, sagt sie lachend. „Ich habe dann von meinen Sitznachbarn abgeschrieben, wenn die Hausaufgaben kontrolliert wurden.“
Bis sie einigermaßen gut Deutsch konnte, verging etwa ein halbes Jahr. „Plötzlich habe ich immer mehr verstanden. In Chile bin ich schon drei Jahre zur Grundschule gegangen und habe dort Lesen und Schreiben gelernt, das kam mir zugute.“ Da Meyerholz die einzige Schülerin mit fremden Wurzeln war, zog sie die Aufmerksamkeit der Mitschüler auf sich.
„Ich wurde immer gefragt, ob es in Chile auch Autos gibt, und ob wir den Mond abends sehen können. Ich kam mir vor wie von einem anderen Stern“, sagt Meyerholz und lacht. Ihr Abitur machte sie 1972 an der Liebfrauenschule. Anschließend studierte sie drei Jahre lang am Dolmetscherinstitut in Heidelberg – bis sie Heimweh bekam. „Ich habe das Studium abgebrochen, da ich unbedingt zurück nach Oldenburg wollte. Dort habe ich schließlich Deutsch und Englisch auf Lehramt studiert und erfolgreich abgeschlossen“, sagt Meyerholz. Ihre Sprachkenntnisse nutzt sie bis heute dazu, um anderen Menschen zu helfen. 28 Jahre lang arbeitete die gebürtige Chilenin an der Volkshochschule und half Jugendlichen, Deutsch zu lernen.
Außerdem unterrichtete sie in den 90er Jahren an der Grundschule Wahnbek in Rastede und am Schulzentrum Wiefelstede Deutschaussiedler. Heute arbeitet sie an einer privaten Sprachschule. „Der Kontakt zu Menschen aus den unterschiedlichen Kulturen macht mir Spaß.Irgendwie ist es paradox, dass eine Chilenin Deutschunterricht gibt“, sagt Meyerholz lachend.
Ihre Muttersprache ist mit der Zeit jedoch etwas eingerostet. „Ich spreche nur mit meiner Mutter und im Urlaub Spanisch. Ich höre dann öfter, dass ich einen Akzent in meinem Spanisch habe, das kommt von meinem norddeutschen Dialekt.“ Seit sie nach Deutschland kam, war Meyerholz nicht mehr in Santiago. „Wenn ich Urlaub mache, fliege ich am liebsten nach Spanien – nach Mallorca und Andalusien, und auch Portugal besuche ich gerne“, sagt sie.
Aus Oldenburg möchte Patricia Meyerholz nicht mehr weg. „Ich habe einen Mann, zwei Kinder, ein Haus und kenne viele nette Menschen, denen ich Einiges zu verdanken habe, ich bin glücklich.“ Eine Sache ist jedoch geblieben. „Bevor ich geheiratet habe, hieß ich Patricia Jorquera Herrera. Den Namen musste ich immer buchstabieren. Jetzt fragen mich die Leute immer, ob man Meyerholz mit ai, ay, ey oder ei schreibt.“
