Wildwasser, die Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt an Mädchen und Frauen hat ihren Tätigkeitsbericht von 2019 veröffentlicht. Frauke Janßen (48) erklärt im Interview die Herausforderungen und Entwicklungen, die die Corona-Pandemie mit sich gebracht hat.

Wie hat sich die Arbeit der Fachberatungsstelle in der Corona-Pandemie verändert?

Frauke JanßenDie persönliche Beratung musste von Mitte März bis Ende April aussetzen. Uns war es wichtig, in dieser Zeit verstärkt telefonisch erreichbar zu sein. Wir haben außerdem Video- und Chat-Beratungen angeboten. Auch Spazierberatungen an der frischen Luft waren möglich.

Hat sich die Nachfrage der Hilfesuchenden verändert?

JanßenIm Lockdown war es eher ruhig. Als die persönliche Beratung wieder stattfinden konnte, war die Nachfrage in etwa so hoch wie vorher. Die Beraterinnen berichten, dass Klientinnen, die schon länger bei uns sind und ihre Stabilisierung gefunden hatten, wieder vermehrt das Bedürfnis nach Beratung haben. Die Isolation und die Kontaktsperre führen bei seelisch verwundeten und traumatisierten Menschen in manchen Fällen dazu, dass Ohnmachtsgefühle und Gefühle von Kontrollverlust wieder hochkommen.

Was raten sie Menschen, die sich in einer Krisensituation befinden?

JanßenSie können sich Hilfe suchen! Wir haben einen geschützten Raum und stellen uns an die Seite der Ratsuchenden. Die Gespräche sind vertraulich und wenn gewünscht anonym. Es kann sich jeder bei uns melden.

Vor welchen Herausforderungen steht die Beratungsstelle?

JanßenDie Situation um Corona hat Missstände beleuchtet, die schon vorher da waren. Nämlich, dass Fachberatungsstellen einen Großteil ihrer Kosten durch Eigenmittel aufbringen müssen. Das sind Spenden, Bußgelder oder Einnahmen von Veranstaltungen. Die sind weggebrochen. Deshalb ist ein Appell wichtig: Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt müssen ausreichend finanziert werden, damit Betroffene die angemessene Unterstützung erhalten. Wir blicken mit Sorge in die Zukunft. In diesem Jahr haben wir zum Glück Sonderzahlungen bekommen aber brechen die Eigenmittel langfristig weg, müssten Zuschüsse erhöht werden, damit das Beratungs- und Präventionsangebot fortgeführt werden kann.