Oldenburg - Was ist 10,5 x 14,8 Zentimeter groß, mausgrau und läuft demnächst ab? Genau, der alte Führerschein. Der – seiner Größe und dem Material geschuldet – „Lappen“ und der nur noch halb so große Nachfolger (1986) in rosa haben ausgedient. Auch die 1999 eingeführten Scheckkarten, werden in den nächsten elf Jahren stufenweise ausgetauscht gegen einheitliche Karten, deren Gültigkeit auf 15 Jahre festgelegt ist.
Irmgard Martens aus Oldenburg hat einen grauen Führerschein. Viele Bürger besitzen den noch. Das Besondere bei ihr: Sie ist 101 Jahre alt und erwarb die Fahrerlaubnis 1939.
Früh selbstständig
„Ich war damals 18 Jahre alt und das einzige Mädchen in der Runde“, erzählt Irmgard Martens, die Zeit ihres Lebens „Ina“ genannt wird. Mit vier Jahren beschloss sie, dass Irmgard nicht der richtige Name für sie sei. Heute ist sie 101 Jahre alt und freut sich altersentsprechend bester Gesundheit. Einmal in der Woche bekommt sie Unterstützung im Haushalt, ein ganzes Haus allein sauber zu halten, ist mit fortgeschrittenem Alter dann doch etwas viel Arbeit. Knapp Quadratmeter misst das Haus, das sie vor vielen Jahren mit ihrem Ehemann baute. Mitten im Herzen von Oldenburg. Hier ist sie auch geboren und aufgewachsen. Irmgard Martens ist eine aktive Frau, die früh selbstständig war. Dazu hat auch ihr Vater beigetragen. „Er hat meinen Bruder und mich in der Fahrschule angemeldet, ihm war wichtig, dass wir eigenständig sind“.
Eine gute Fahrerin
Was der Führerschein damals gekostet hat, weiß sie nicht mehr, der Vater hat die Kosten getragen. An ihre erste Fahrstunde kann sie sich aber noch sehr lebhaft erinnern: „Mein Fahrlehrer sagte einfach, dass ich losfahren solle und so rollte ich los“.
Wo sich die Bremse befand, wusste sie zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht und so rief sie aufgeregt: „Wie halte ich an?“ Schnell fügte sich alles. Als „eine gute Autofahrerin“ habe sie einst ihr Mann gelobt. Dafür hatten sechs Schul-Fahrten und ein bis zwei Stunden theoretischer Unterricht gereicht.
Und vielleicht auch das Vertrauen ihres Vaters, der sich direkt nach Erwerb des Führerscheins samt restlicher Familie nach Timmendorf fahren ließ. „Ich war ganz schön aufgeregt“, erzählt Irmgard Martens lachend.
Weil sie ersten Führerschein verlor, bekam sie im Oktober 1959 diese Ersatzausfertigung.
20 Jahre nicht gefahren
Im September des gleichen Jahres war es dann erstmal wieder vorbei mit Autofahren. Autos wurden eingezogen und für den Krieg gebraucht. Erst 20 Jahre später, inzwischen Ehefrau und Mutter, fuhr sie wieder selbst Auto. Glücklicherweise unfallfrei – und geblitzt wurden sie und ihr Mann nur, wenn sie auf dem Weg ins Freibad am Flötenteich waren. „Wir fuhren immer zügig. Als Frühschwimmer wollten wir Platz und Ruhe haben“. Das eine oder andere Mal seien die beiden dann geblitzt worden. Allerdings sei immer ihr Mann gefahren, erinnert sich Irmgard Martens und zwinkert. Umtauschen muss sie ihren Führerschein nicht. Seit ein paar Jahren genießt sie es, gefahren zu werden.
