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Buchvorstellung in Oldenburg Celona-Gründer legt schräge Familiensaga vor

Schreibt seine Romane „in absoluter Einsamkeit“: Irmin Burdekat hier in der Nähe des Blockhauses der Familie im kanadischen Ontario.

Schreibt seine Romane „in absoluter Einsamkeit“: Irmin Burdekat hier in der Nähe des Blockhauses der Familie im kanadischen Ontario.

Archiv/Burdekat

Oldenburg - „Karl-Friedrich Jukelnack ist bereits zweiundfünfzig Jahre alt, als er mit Hilfe einiger Gläser Weihnachtspunsch sowie der Zielstrebigkeit von Else Bödicker erstmals zum Vater gemacht wird. Ein Vorgang, der 1955 Aufsehen erregt.“ So führt Irmin Burdekat seinen Leser in sein neues Buch „Jukelnack“ ein – und schlägt damit den Ton an, der Lust macht auf diesen skurrilen Generationen-Roman.

Obwohl der Autor als Pennäler mit seinen flotten Sprüchen und seiner großen Klappe im Aufsatz eher bei „Vier“ stand, wie er Radio-Bremen-Moderatorin Kristin Hunfeld gestanden hat, kann er erstklassig und unterhaltsam beschreiben. Hier beweist er es erneut. Irgendwo hat der Ammerländer, der in Oldenburg und Wilhelmshaven aufgewachsen ist, mal erzählt, dass er schon immer gerne Menschen beobachtet hat. Eine hervorragende Grundlage. Heute kann Burdekat daraus ernstzunehmende Bücher machen.

Familiensaga

Entfaltet wird Menschliches und Zwischenmenschliches, als schräge Familiensaga eingebettet in die Jahre zwischen 1902 und 2004. Der erste Teil spielt in Vor- und Nachkriegszeit. Im Zweiten geht’s über einen weiten Sprung ins Jahr 2004, in dem sich überraschend die zweite Generation auftut und der Jukelnack’sche Kreis nach einigen Irrungen und Wirrungen aber ebenso überraschend wie versöhnlich wieder schließt.

Hauptprotagonist Jukelnack senior, Sohn eines Rangiermeisters, ist Einsiedler, Langweiler, geizig mit Gefühlen, Anstrengungen und Geld. Aber Burdekat schlägt aus diesem in-sich-gekehrten Gleichgültling trotzdem Funken. Nicht ohne Humor: „Jukelnack bekam die Stelle und fühlte sich versorgt, weshalb er umgehend einen Gang runterschaltete.“

Zwanziger bis Fünfziger

Und so laviert sich Jukelnack als Lehrer durchs Leben, durch die Zwanziger und Dreißiger, bis in die frühen Fünfziger, gekonnt eingebettet in den zeitgeschichtlichen Alltag, mit charmanten Bezügen nach Oldenburg: gekauft wird bei „Plünnen Bruns“ (hier dank künstlerischer Freiheit Damengarderobe, die es dort nie gab) und bei Schuh Schütte. Parallel zieht Burdekat die Geschichte von Else Bödicker hoch, die 1917 das Licht der Welt erblickte – unterprivilegiert, aber doch unter einem guten Stern unterwegs. Else stellt sich allem Mühsamen, der Leser wünscht ihr insgeheim Glück – was sich dank ihrer Tüchtigkeit und der heiteren Allianz ihrer Freundin Grete mit Theatergröße Hoimar zu Trittberg am Ende auch nicht aufhalten lässt.

Nach Los Angeles

Der Sprung ins sonnendurchflutete Los Angeles ist nur auf den ersten Blick weit. Denn Adam Jukelnack, der Sohn des vertrauten Einzelgängers, lebt als Rockstar mit seiner Musik und seinen Gitarren zwar ebenfalls in seiner eigenen, schillernden, triumphalen Welt, sehr weit weg. Aber die Journalistin Susanne Schlafholz legt ,nolens volens’ nach und nach seine Wurzeln frei. Und leitet eine Rückbesinnung ein, die heiter stimmt und ohne weiteres über die Fiktion hinausweist.

Der Autor

Irmin Burdekat ist zusammen mit dem kürzlich verstorbenen Hannes Hoyer unter anderem Gründer der großen Celona Gastro-Gruppe (Oldenburg). Er ist mit einer Kanadierin verheiratet, lebt im Ammerland, hat fünf Kinder (zwei davon im Unternehmen), hatte als Hobby-Gitarrist mit seiner Frau zwölf Jahre nebenher die Dorfband „Candy & the Sugarboys“, arbeitet „als steineklopfender Outdoor-Bildhauer“ und hat mit „Jukelnack“ seinen dritten Roman und sein fünftes Werk vorgelegt. Seine Bücher (Hast du mal die Kanuschlüssel?, Tisch 17 is’n Arsch!, Der Katholische Bahnhof, Die Lange Stille) schreibt er in einem abgelegenen, schlichten Blockhaus der Familie im kanadischen Ontario. Irmin Burdekat sagt: „Den Namen Jukelnack habe ich als Sechsjähriger zuerst aus den Erzählungen meines Bruders Peter gehört.“ Peter Burdekat ist in diesem Jahr gestorben.

Die Lesungen

Die nächsten Lesungen aus „Jukelnack“ mit Irmin Burdekat in dieser Region finden an diesem Freitag, 10. November, im Spiegelsaal in Bad Zwischenahn (19 Uhr), am Sonntag, 12. November, im Atelier Brandt Credo in der Meyerstraße in Bremen (19 Uhr), am Mittwoch, 15. November, im Theater Laboratorium in Oldenburg (20 Uhr) und am Donnerstag, 16. November, im Wattenmeerhaus in Wilhelmshaven (19 Uhr) statt.

„Jukelnack“, Irmin Burdekat, tpk-Verlag, 2023, 276 Seiten, 20 Euro.

Karsten Röhr
Karsten Röhr Redaktion Oldenburg
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