Oldenburg - Vor 30 Jahren wurde die Jüdische Gemeinde zu Oldenburg von einer kleinen Gruppe wiedergegründet, Vorsitzende war Sara Ruth Schumann. Inzwischen ist die Gemeinde auf mehr als 300 Mitglieder angewachsen, hauptsächlich durch Integration jüdischer Zuwanderer aus den Ländern des Ostens, mit steigender Tendenz. „Ausschlaggebend war 1992 der Wunsch nach einem Ort gewesen, an dem jüdische Traditionen wieder gelebt werden konnten“, schreibt die Gemeinde auf ihrer Internetseite. Es „war nach der Shoa der zweite Versuch, in Oldenburg jüdisches Leben zu integrieren“. Seit 30 Jahren können hier „in allen Bereichen des Gemeindelebens können jüdische Frauen und Männer gleichberechtigt und ohne Einschränkungen teilhaben“. Der Geburtstag wurde jetzt feierlich begangen.
Die Tora
Rabbiner Netanel Olhoeft, Assistenzrabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Oldenburg und Dozent am Zacharias Frankel College und an der School of Jewish Theology (beide Potsdam) zog aus dem Traktat Makkot eine bedeutsame Anekdote über die großen tannaitischen Thora-Gelehrten aus dem 2. Jahrhundert nach der Zeitrechnung heran und verwies auch auf die neue Tora, die die jüdische Gemeinde am Sonntag erhielt und an deren Fertigstellung die Gemeindemitglieder mitwirken konnten. „Wir können diese neue Tora als unsere Tora, als Geschenk für uns alle annehmen, auf dass sie ihr Licht in die Mitte trage und die sehr vielfältigen Juden Oldenburgs zu einer Gemeinschaft zusammenschweiße“, sagte der Rabbiner. Nach einem rituellen Spaziergang durch die Nebenstraßen fand die neue Tora ihren Platz in der Synagoge.
Teil des Stadtlebens
Alle Rednerinnen und Redner waren der Meinung, dass sich die jüdische Gemeinde wunderbar in die Gesellschaft der Huntestadt integriert habe. Elisabeth Schlesinger, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, sagte: „Sie ist gut in die Strukturen eingebettet.“ Alina Treiger, Rabbinerin der Jüdischen Gemeinde zu Oldenburg und der Jüdischen Gemeinde Delmenhorst, freute sich, dass viele Gründungsmitglieder gekommen waren. Sie bedankte sich bei Oberbürgermeister Jürgen Krogmann für die Unterstützung bei ihren Aufgaben. Krogmann äußerte seine Freude darüber, dass die Jüdische Gemeinde, im Gegensatz zum Bundestrend, stetig wachse. In Oldenburg habe „Antisemitismus keinen Platz“.
Kritik an Abbas
Nicht nur Michael Fürst, Präsident des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinde von Niedersachsen, der die Oldenburger Gemeinde als „Vorzeigegemeinde“ bezeichnete, nahm die Gelegenheit wahr, die jüngste Äußerung des Palästinenserführers Mahmud Abbas stark zu kritisieren. Kritische Anmerkungen gab es auch zur Reaktion von Bundeskanzler Olaf Scholz.
Schumann und Wyler
Mark Dainow, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, erinnerte an Sara-Ruth Schumann. Sie war stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen und Mitglied des Direktoriums des Zentralrates der Juden in Deutschland. Sie war wesentlich daran beteiligt, dass in Oldenburg 1995 mit Bea Wyler die erste Rabbinerin in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg eingestellt wurde. 2014 wurde ihr das Große Stadtsiegel verliehen. Er forderte, dass das Jüdische Leben wieder fester Bestandteil in Deutschland werden müsse. Doch Antisemitismus gebe es hier mit und ohne Juden.
Wissenschafts- und Kulturminister Björn Thümler stellt eine „gute Dynamik“ in der jüdischen Gemeinde fest. Auch er griff die Abbas- Rede auf und kritisierte dabei auch den Kanzler: „Man hätte Abbas die Stirn bieten müssen.“ Das Judentum sei „Teil unserer Wertegemeinschaft“.
Bis zum 4. September laufen die „Jüdischen Kulturwochen 2022“ in Oldenburg.
