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NWZ-Serie „Arbeiten hinter Schloss und Riegel“ in der JVA Oldenburg In der Tischlerei können Gefangene sich ändern

Arbeitet an einer Fräse: Tischlermeister Johannes Budde in der JVA Oldenburg.

Arbeitet an einer Fräse: Tischlermeister Johannes Budde in der JVA Oldenburg.

Wolfgang Alexander Meyer

Oldenburg - Sägen, Fräsen, Konstruieren – in der Tischlerei der JVA Oldenburg dreht sich alles um die Verarbeitung von Holz. Im Mittelpunkt der Arbeit steht aber nicht nur das Produkt, sondern auch der Gefangene. Die Verantwortung trägt dabei Tischlermeister Johannes Budde. Als Betriebsinspektor leitet er die Tischlerei der Vollzugs-Einrichtung in Form eines Eigenbetriebes.

Im Rahmen der Serie „Arbeiten hinter Schloss und Riegel“ hat unsere Redaktion mit verschiedenen Mitarbeitern der Oldenburger JVA gesprochen. Sie berichten über ihren beruflichen Werdegang und ihre Aufgaben in dem Gefängniskomplex. Dabei geben sie Einblicke in ein System, mit dem man im besten Fall nur beruflich in Kontakt kommt. In diesem Teil der Serie dreht sich alles um den Tischlermeister.

Die Ausbildung

Er selbst habe nach der Schule eine klassische Tischlerausbildung gemacht und dann zwei Jahre in dem Beruf gearbeitet. „Danach bin ich zwei Jahre auf einer Technikerschule gewesen und war danach Holzbetriebstechniker und Tischlermeister.“ Bevor er in den JVA-Dienst gewechselt ist, von dem er über private Kontakte erfahren hat, arbeitete Budde sechs Jahre als Meister in Bremerhaven und Oldenburg. Nach einem einjährigen Vorbereitungsdienst sei er dann Beamter im Technischen Dienst geworden.

Die Serie

In der Serie „Arbeiten hinter Schloss und Riegel“ werden Mitarbeiter der JVA Oldenburg vorgestellt.

In loser Reihenfolge werden dabei die folgenden Berufe näher beleuchtet: Justizvollzugsfachwirt, Zahnarzt, Tischlermeister, Fachkrankenpfleger sowie die stellvertretende Einrichtungsleitung.

Die JVA Oldenburg ist im Jahr 2001 im Stadtteil Kreyenbrück in Betrieb genommen worden. Untergebracht werden können hier etwas mehr als 350 Gefangene. Die Anzahl der Mitarbeiter liegt bei etwa 250.

Die Internetpräsenz der JVA Oldenburg findet man unter der Adresse:

Weitere Infos zu den verschiedenen Berufen im Justizvollzug gibt es im Internet:

Der Arbeitstag in der Tischlerei beginnt für Johannes Budde im Normalfall um 7 Uhr. Der Betrieb ist grundsätzlich genauso aufgebaut, wie eine Tischlerei außerhalb der JVA. Es gibt Werkbänke, Sägen und eine Fräse. Trotzdem läuft nicht alles so wie bei einem entsprechenden Arbeitsplatz in Freiheit.

So müssen sich die Gefangenen vor Dienstbeginn zum Beispiel umziehen und zum Dienstende wird die Vollständigkeit des Werkzeugbestandes überprüft. „Das sind Sicherheitsmaßnahmen, die die wir vornehmen müssen. So wird verhindert, dass zum Beispiel ein Schraubenzieher aus der Werkstatt geschmuggelt und als Waffe eingesetzt wird“, berichtet Budde, der die Tischlerei als Chance für die Häftlinge sieht.

Wer will, kann lernen

„Wer will, kann hier etwas lernen und sich ändern“, ist sich der Tischlermeister sicher. Denn zu tun gibt es genug. „Wir haben verschiedene Kunden. Unter anderem die JVA selbst aber auch Unternehmen von draußen.“ Gefertigt würden zum Beispiel Büromöbel oder Bauteile für die Weiterverarbeitung in anderen Betrieben.

Die Arbeit in der Tischlerei sieht Budde einerseits als Abwechslung zum Gefängnis-Alltag der Gefangenen. Noch wichtiger ist dem Meister aber, dass man bei ihm etwas lernt. Je nachdem, wie lange die Aufenthalte seiner Mitarbeiter in der JVA andauern, können sie an unterschiedlichen Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen oder sogar eine Ausbildung zum Tischler absolvieren. In vielen Fällen gehe es aber erstmal darum, die Gefangenen an ein geregeltes Arbeitsleben zu gewöhnen.

„Wer neu ist, schaut sich den Betrieb hier erstmal an. Im besten Fall werden Interessen geweckt, so dass wir im nächsten Schritt schauen, wo man die jeweilige Person einsetzen kann und einsetzbar ist hier nahezu jeder Häftling“, sagt der Meister, der für viele Mitarbeiter gerne mehr Zeit hätte, denn viele von ihnen würden sich zum Guten hin ändern. „Und das ist ja das Ziel, das wir hier verfolgen.“

Wolfgang Alexander Meyer
Wolfgang Alexander Meyer Redaktion Oldenburg
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