Oldenburg - Ob Mozart damals daran schon dachte, dass sein g-Moll Klavierquartett die Geburtsstunde für eine neue Kammermusikgattung einleitet? Seinen damaligen Auftraggebern und Zuhörern war das Werk viel zu modern und zu kompliziert. Die ungewohnten Modulationen, die gleichberechtigte Behandlung jedes einzelnen Instruments und einige Überraschungen in der formalen Gestaltung sind aber genau das, was den heutigen Konzertbesucher anspricht und begeistert.
Kongenialer Spielpartner
Das war auch zu spüren beim 5. Kammerkonzert im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters. Pianist Giuseppe Barile spielt mit leicht perlendem Anschlag und lockerer, elastischer Fingertechnik die zahlreichen Mozart’schen Läufe und Figuren. Er zeigt sich als ein kongenialer Spielpartner zu den drei Streichern des Staatsorchesters. Die Abstimmung zwischen den einzelnen Instrumenten in Dynamik und Artikulation funktioniert nahtlos und es entsteht ein homogenes Klangbild, welches die charakterlichen Unterschiede der drei Sätze des Werks bestens zur Geltung bringt.
Robert Schumann bezieht sich in seinem Es-Dur Klavierquartett deutlich auf Mozart. Dies fällt schon durch die leichtfüßige Handhabung der Stimmen und die klassisch ausgerichteten Spielfiguren im ersten Satz auf. Im Scherzo huschen, wie bei einem nächtlichen Ritt, die Staccato-Akkorde nur so dahin. Und wenn Cellist André Saad den dritten Satz mit seiner wundervollen Kantilene eröffnet, geht wirklich die Sonne auf. Im Dialog mit Konzertmeisterin Yang Xu und später, zusätzlich gespielt von der Viola (Christoph Rabbels), umrahmt von zarten Klangfiguren der Violine und verwoben in die leisen Synkopen des Klaviers, entsteht ein zu Herzen gehender, nie enden wollender Gesang.
Andere Klangwelt
In eine gänzlich andere Klangwelt führt das Streichtrio op. 48 des polnischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg. Er entwickelt die Themen aus Elementen der slawischen Folklore und führt diese in gemäßigt moderner Tonsprache mit größter Fantasie fort. Dem expressiven Gesang des Kopfsatzes folgt ein als freie Fuge angelegter zweiter Satz, in welchem die drei Streicher die manchmal expressionistisch gefärbten Melodien zu wunderschönem Klang entfalten. Im Schlusssatz des Trios verwendet Weinberg Elemente der zeitgenössischen jüdischen Musik, was sich vor allem in den ungewöhnlichen Intervallschritten (verschiedene Tonstufen sind alteriert) und einer eigenständig geführten Rhythmik ausdrückt. Das beeindruckende, äußerst emotionale, auch von persönlichen biografischen Erlebnissen geprägte Werk verklingt in zartestem Pianissimo. Von diesem ausgezeichneten Komponisten möchte man gerne noch mehr in Oldenburg hören.
