Oldenburg - Auf dem Spielplatz der städtischen Kindertagesstätte „An der Beverbäke“ auf dem ehemaligen Kasernengelände in Neu-Donnerschwee ist es derzeit etwas zu ruhig. Kinder spielen dort nicht. Stattdessen ist das Gelände am Montag von der Stadt/Polizei abgesperrt worden. Am Freitag hatte ein fünf Jahre alter Junge beim Spielen eine Handgranate aus dem Zweiten Weltkrieg im Sand ausgebuddelt und mit nach Hause genommen, weil er sie für einen Stein hielt. Der Vater des Jungen, der die Kita in Neu-Donnerschwee besucht, alarmierte daraufhin die Polizei.
„Nachdem sich am Wochenende bei Untersuchungen die Echtheit der Granate bestätigt hatte, informierten Kita-Leitung und Stadtverwaltung die Eltern am Montagmorgen über den Fund und die sich daraus ergebenden Konsequenzen“, teilt die Stadtverwaltung mit.
Umgehend habe die Stadt eine Fachfirma mit der erneuten Sondierung des Geländes beauftragt. Bereits Montagvormittag waren die Mitarbeiter der Firma vor Ort, um das Gelände zu vermessen. „Bis die Überprüfung abgeschlossen ist, bleibt das Außenareal gesperrt“, heißt es vonseiten der Stadt.
Granate unter Steinen
Wie die Mutter des Jungen im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt, habe ihr Sohn auf dem Kita-Spielplatz Steine ausgegraben und mit nach Hause gebracht. Erst später, bei genauerem Hinsehen habe die Familie aus Oldenburg erkannt, worum es sich handelt. „Erst haben wir das gar nicht genau realisiert. Später war der Schock groß“, sagt die Mutter und ergänzt: „Wir sind einfach froh, dass nichts Schlimmes passiert ist.“
Bei der Handgranate handelt es sich laut Kampfmittelbeseitigungsdienst um eine Mills-Granate (No.36) aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Splittergranate wiegt rund 400 Gramm und enthält etwa 80 Gramm Sprengstoff.
Kampfmittelfunde sollten unbedingt liegen gelassen werden. Es sollte umgehend die Polizei oder der Kampfmittelbeseitigungsdienst verständigt werden. Keinesfalls sollten auffällige Gegenstände angefasst oder transportiert werden.
Agnes Goraj, deren beiden Söhne ebenfalls die Kita „An der Beverbäke“ besuchen, sei von der Nachricht des Granatenfunds schockiert gewesen. „Mit so etwas haben wir niemals gerechnet“, sagt sie. Entspannt ist im Gegensatz dazu Pastor Jens Teuber, der direkter Nachbar der Kita ist. „Bisher habe ich mir nie wirklich Gedanken gemacht, dass hier noch etwas liegen könnte“, sagt er.
Für die 105 Kinder bleiben die Innenräume des Kindergartens geöffnet. „Wir werden schnellstmöglich dafür sorgen, dass auch das Außengelände wieder zur Verfügung steht“, sagt Sozialdezernentin Dagmar Sachse.
Aus Zweitem Weltkrieg
Wie die Polizei mitteilt, habe der Vater des Kindes die Granate nach der Entdeckung am Freitag auf einem unbewohnten Nachbargrundstück abgelegt und sich noch am Abend gegen 18 Uhr bei der Polizei gemeldet. Nach Angaben des Kampfmittelbeseitigungsdienstes handelte es sich um eine britische Handgranate aus dem Zweiten Weltkrieg. „Aufgrund ihres Zustandes konnten wir die Granate als handhabungsfähig und transportfähig deklarieren. In einem Spezialfahrzeug wurde sie dann zur nächstgelegenen Bunkeranlage gebracht“, erklärt Tomas Hauschild vom Kampfmittelbeseitigungsdienst. Bei der „Gesellschaft zur Entsorgung chemischer Kampfstoffe und Rüstungs-Altlasten“ in Munster wird die Granate dann entsorgt.
Erneute Untersuchung
Die Kita, die erst 2017 eröffnet wurde, befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne Donnerschwee. Diese wurde bis 2007 als militärische Einrichtung genutzt. Seit Ende 2014 wurde das Areal zu einem neuen Stadtquartier umgebaut.
Den Baumaßnahmen war seinerzeit eine Kampfmittelsondierung vorausgegangen. Warum die unter einer Sandschicht begrabene Handgranate dabei unentdeckt geblieben war, ist unklar. Um vor weiteren unliebsamen Überraschungen gefeit zu sein, soll der Boden nun erneut gründlich untersucht werden.
