Oldenburg - Große Erleichterung, gespannte Vorfreude, tiefe Dankbarkeit und jede Menge Zuversicht: Das sind die Gefühle, die derzeit die Stimmung am Dohlenweg 5 in Oldenburg prägen. In dem modernen Holzbau warten acht Mitarbeiter auf die ersten Gäste, die am Freitag kommen werden.
Uni begleitet Pilotprojekt
Kiola geht an den Start: Für die Beteiligten des Projekts wird damit ein Traum Wirklichkeit, für den sie seit 2013 hart gearbeitet haben. Die Einrichtung, die Kindern mit Beeinträchtigungen ein Zuhause auf Zeit bietet, ist für alle Neuland. Unter dem organisatorischen Dach des Diakonischen Werks Oldenburg startet ein Pilotprojekt, das von der Uni Oldenburg wissenschaftlich begleitet wird.
Geboten wird den Kindern eine urlaubsähnliche Situation, in der sie professionell betreut werden. Das gibt den Angehörigen, die ansonsten für Pflege und Betreuung zuständig sind, die Möglichkeit, sich selbst zu erholen und neue Kraft zu schöpfen.
Kiola ist ein Kunstwort und bedeutet Kurzzeitwohnen im Oldenburger Land. In der Einrichtung haben Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen, die normalerweise zu Hause leben, für einen begrenzten Zeitraum Urlaub von der Familie zu machen.
In der Einrichtung können insgesamt zwölf Gäste im Alter von 1 - 25 Jahre gleichzeitig aufgenommen und professionell betreut werden. Außerdem gibt es zwei Appartements, die von Eltern gemietet werden können.
Das Gebäude ist ein innovativer Holzbau mit besonderen Qualitäten. So gibt es beispielsweise eine hochwirksame Wandisolierung mit Biomaterial sowie ein umweltfreundliches Gründach.
Die Baukosten betrugen 3,4 Millionen Euro. Davon wurden mehr als 300 000 Euro von den Leserinnen und Lesern der „Nordwest-Zeitung“ im Rahmen einer NWZ-Weihnachtsaktion gespendet. Insgesamt sammelte der Förderverein seit 2013 mehr als 800 000 Euro an Spenden für das in Niedersachsen einzigartige Projekt ein.
Das Diakonische Werk der evangelischen Kirche im Oldenburger Land ist Betreiber der Einrichtung, die organisatorisch an das stationäre Pflegeheim „Haus Regenbogen“ angegliedert ist.
Gesucht werden noch Mitarbeiterinnen für den Nachtdienst (0441/36111961).
Ideengeber der Einrichtung ist Prof. Dr. Michael Albani, ein umtriebiger Mann, der als Ruheständler von Wiesbaden nach Bad Zwischenahn zog. Als Chefarzt eines Kinderkrankenhauses war er dort bereits an der Gründung eines ähnlichen Hauses beteiligt gewesen. Nachdem Albani in einer NWZ-Reportage von den Problemen einer alleinstehenden Frau mit ihrem behinderten Kind gelesen hatte, überzeugte er den theologischen Diakonie-Vorstand Thomas Feld von der Notwendigkeit einer solchen Einrichtung im Oldenburger Land. Im Sommer 2013 gründeten sie einen entsprechenden Förderverein – gemeinsam mit Ute Dorczok, der Leiterin des Hauses Regenbogen, in dem Kinder mit Beeinträchtigen stationär untergebracht sind.
Sehr schnell gelang es ihnen, die Herzen der Menschen im Oldenburger Land zu gewinnen. Privatleute und unterschiedlichste Vereine und Organisationen beteiligten sich an der Sammelaktion und überwiesen erhebliche Spendenbeträge.
Rekord durch NWZ-Leser
Eine Rekordsumme von insgesamt mehr als 300 000 Euro spendeten die Leserinnen und Leser der „Nordwest-Zeitung“. Im Rahmen der NWZ-Weihnachtsaktion 2017 waren sie um die Unterstützung des ehrgeizigen Vorhabens gebeten worden.
In intensiven Verhandlungen mit den zuständigen Behörden gelang es dem Kiola-Verein, die organisatorischen Hürden zu überwinden.
Fest wird nachgeholt
Im Mai 2018 fiel dann die endgültige Bauentscheidung, erster Spatenstich war im Juli 2019, Richtfest im November 2019 – und im August 2020 die Bauabnahme des fertigen Gebäudes.
Wegen der aktuellen Corona-Beschränkungen dürfen zunächst nur maximal vier Kinder gleichzeitig aufgenommen werden – und auch das eigentlich geplante Eröffnungsfest kann im Moment nicht stattfinden. Das soll im kommenden Jahr mit einem „Tag der offenen Tür“ nachgeholt werden.
