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Abschied vom Gemeindehaus Kirchengemeinde Oldenburg trennt sich von Immobilien

Ist geschlossen: Die Zukunft des Gemeindehauses am Rauhehorst ist zurzeit aber noch offen.

Ist geschlossen: Die Zukunft des Gemeindehauses am Rauhehorst ist zurzeit aber noch offen.

Sascha Stüber

Oldenburg - Das Ende kam mit Ansage: Bereits im Frühjahr hatte der Gemeindekirchenrat der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Oldenburg beschlossen, auch das Gemeindehaus an der Straße Rauhehorst zu schließen. Das an der Peterstraße war schon im Januar geschlossen worden. „Wir haben alles versucht, um keine Aufregung entstehen zu lassen“, sagt Dr. Kerstin Ebel, Co-Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. So ganz war das dann doch nicht gelungen. Gerüchte brodelten, gar von Abriss war die Rede.

Stetig ging es bergab: Das sind die Zahlen der Kirchengemeinde Oldenburg seit 1960 in Zehnjahresschritten, die aktuelle Zahl und die nach dem Durchschnitt des Rückgangs errechnete Prognose für 2032. BILD: Sascha Stüber/Grafik: MedienGrafikSchmiede

Stetig ging es bergab: Das sind die Zahlen der Kirchengemeinde Oldenburg seit 1960 in Zehnjahresschritten, die aktuelle Zahl und die nach dem Durchschnitt des Rückgangs errechnete Prognose für 2032. BILD: Sascha Stüber/Grafik: MedienGrafikSchmiede

Die Fakten sehen anders aus und Gründe dafür gibt es auch, wie Nachfragen dieser Redaktion ergeben haben. Dazu muss man wissen, das die Kirchengemeinde Oldenburg aus den Bezirken Auferstehungskirche (mit dem Gemeindehaus am Rauhehorst), Christuskirche (Harlingerstraße), Martin-Luther-Kirche (Eupener Straße) sowie dem Innenstadtbezirk mit der St.-Lamberti-Kirche (Markt) und der Garnisonkirche (Peterstraße) besteht.

 

Die Ausgangslage

„Wir haben rund 40 Immobilien in der Gemeinde. Dazu gehören die fünf Kirchen, die Gertrudenkapelle und die Gemeindehäuser. Wir müssen dafür sorgen, dass sie Freude sind und keine Bürde“, betont Kerstin Ebel. Mit Blick auf die allgemein sinkenden Zahlen der Kirchenmitglieder wird klar, was auch diese Gemeinde beschäftigt: „Wir haben sehr deutlich weniger Kirchensteuereinnahmen, wollen aber attraktive Gemeindearbeit leisten“, sagt Ebel und fügt hinzu: „Wir müssen langfristig das sichern, was unsere Kernaufgabe ist, nämlich die Verkündigung des Evangeliums.“

Es geht also um die Verteilung der Mittel – auch im Zusammenhang mit der Nutzungsfrequenz der kirchlichen Gebäude. Ebel: „Man muss gucken, wo Gruppen sich treffen und wo man welche zusammenziehen kann.“ Ein Resultat sei die Schließung des Gemeindehauses am Rauhehorst, wo sich die Zahl der Nutzer nach Corona noch mehr reduziert habe.

„Diese Überlegungen entstehen langfristig mit viel Vorlaufzeit“, betont Ebel. „Alle Nutzergruppen wurden gleichzeitig per Mail-Versand an deren Leitungen informiert und es wurden dabei Ausweichmöglichkeiten angeboten.“ Alle Gruppen seien in anderen Gemeindehäusern der Gemeinde untergekommen. „Manche möchten das nicht. Ich kann das aus Sicht einiger Gruppenmitglieder auch verstehen.“

Die Zukunft

Die Tage als Gemeindehaus sind am Rauhehorst gezählt. „Im Moment ist die Zukunft offen – ob Vermietung, Verkauf: Wir sind mittendrin.“ Ebel sagt auch: „Es geht nicht nur um den Rauhehorst. In den nächsten Jahrzehnten werden wir uns von etlichen Gebäuden lösen.“ Es sei ein permanentes Ringen. „Und wir wissen auch, dass wir nun wieder Gemeindeglieder verlieren.“ Aktuell hat die Kirchengemeinde 14 702 Mitglieder, 1960 waren es 54 600. Weniger Mitglieder, weniger Kirchensteuer: Da muss ein Gesamtkonzept für die Zukunft her. Ebel: „Das Nachdenken ist überall in der Landeskirche entstanden: Was wollen wir reparieren, was wollen wir behalten, um in 30 bis 50 Jahren das Evangelium noch unter die Leute zu bringen? Der Weg führt über die Verkleinerung des Gebäudebestandes, sonst bleibt kein Geld für die Gemeindearbeit. Darum ringen wir in jeder Sitzung des Gemeinderates.“

Die Wahl

Wer künftig mitentscheiden will, der hat jetzt die Chance: Am 10. März 2024 findet die Wahl des Gemeindekirchenrates statt. Aufstellen lassen können sich alle Gemeindeglieder, die am 1. Juni 2024 das 16. Lebensjahr vollendet haben. Bis zum 10. Oktober 2023 können sich Kandidatinnen und Kandidaten bewerben und vorgeschlagen werden. Die Wahl findet alle sechs Jahre statt.

Susanne Gloger
Susanne Gloger Redaktion Oldenburg
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