Oldenburg - Innovative Verfahren etablieren, Patienten helfen, die beispielsweise bei bösartigen Tumorerkrankungen der Leber eine schlechte Prognose haben und woanders vielleicht sogar als nicht behandelbar gelten, die Forschung vorantreiben: Mit diesen Absichten ist Prof. Dr. Dr. Martin Maurer von der Universitätsklinik Bern in der Schweiz ans Oldenburger Klinikum gekommen. Und nach nur einem Vierteljahr hier im Norden läuft im Sinne des Mediziners „alles in die richtige Richtung“.
Weniger Komplikationen
Aktuell stellt der neue Direktor des Universitätsinstituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie seine Abteilung organisatorisch auf und wartet auf die Lieferung und Einrichtung eines Geräts, dass für seine Arbeit von entscheidender Bedeutung ist: ein Navigationsgerät, über das Tumore und Metastasen in jedem Bereich der Leber mit hoher Präzision und dadurch verringertem Risiko für Komplikationen angesteuert und behandelt werden können. „Wir reden von Tumoren, die mit anderen Methoden ansonsten nicht mehr behandelbar sind“, erläutert Maurer.
Prof. Dr. Dr. Martin Maurer wurde zum 1. Oktober 2022 auf die Professur für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an der Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften der Universität Oldenburg berufen. Gleichzeitig hat er die Leitung des gleichnamigen Universitätsinstituts am Klinikum Oldenburg übernommen. Bevor Maurer dem Ruf nach Oldenburg folgte, war er als Leitender Oberarzt der Radiologie an der Universitätsklinik Bern (Schweiz) tätig.
Medizin studierte Maurer in Münster, Berlin, Dublin und Paris. Währenddessen begann er gleichzeitig ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Fernuniversität Hagen, das er 2007 abschloss. Im selben Jahr promovierte Maurer zum Doktor der Medizin an der Berliner Charité. Parallel zu seiner klinischen Tätigkeit erlangte er einen Master of Health Business Administration an der Universität Erlangen-Nürnberg. 2012 habilitierte er sich an der Charité mit dem Thema „Patienten- und Kostenmanagement in der Radiologie“ und promovierte dort zwei Jahre später in Gesundheitswissenschaften. Schließlich absolvierte der Mediziner ein weiteres berufsbegleitendes Masterstudium „Health Economics, Policy and Management“ in London. 2019 wurde er außerplanmäßiger Professor an der Universität Bern.
Maurer war zunächst sieben Jahre lang an der Charité beschäftigt, wo er auch seine Facharztausbildung zum Radiologen absolvierte, bevor er 2014 an die Klinik für Radiologie der Universitätsklinik Bern (Schweiz) wechselte. Dort leitete er ab 2015 das Team für abdominelle und urologische Radiologie inklusive Ultraschall, HNO- und Brust-Bildgebung.
Risiko für Blutungen
Das Navigationsgerät macht für Maurer „einen Unterschied wie Tag und Nacht bei der Präzision im Vergleich zu den herkömmlichen Methoden“ – und genau darin liegen die Erfolgsaussichten für die Behandlung bösartiger Veränderungen der Leber. Die Leber sei in der Behandlung heikel, weil sie drei verschiedene Gefäßsysteme habe und deshalb besonders stark durchblutet sei – was bei einem Eingriff ein hohes Risiko für Verletzungen dieser Gefäße und Blutungen berge. Auch sei die Leber besonders oft das Zielorgan von Metastasen – beispielsweise bei Brust- oder Darmkrebs.
Berechnung der Bahn
Um bösartige Veränderungen in der Leber zu behandeln, wird das Verfahren der Thermoablation angewandt. Dafür wird eine Therapiesonde durch die Bauchdecke hindurch zum Tumor in der Leber vorgeschoben, so dass „der Tumor plus Sicherheitsabstand verbrannt wird und abstirbt. Dann ist an dieser Stelle Ruhe“. Die Therapiesonde muss millimetergenau in einem bestimmten Winkel zwischen den Rippen hindurch, an der Lunge vorbei in die Leber vorgeschoben werden – ohne dort die zahlreichen, fein verästelten Gefäße zu verletzten. Und genau diesen exakten Weg für die Sonde berechnet das Navigationsgerät mit seiner Software, mit dem Martin Maurer künftig in Oldenburg arbeiten wird. Die ersten Eingriffe sollen im ersten Quartal 2023 stattfinden.
Riesiges Einzugsgebiet
In der Schweiz habe Maurer mit seinem Team bereits rund 1000 Patienten auf diese Art behandelt, für die Region hier sieht er großen Bedarf für die Behandlung: „Ich schätze, dass wir ein Einzugsgebiet von etwa drei Millionen Menschen haben. Die nächsten Möglichkeiten für diese Behandlung wären in Hannover und Braunschweig.“
Nach Oldenburg ist Martin Maurer, der auch die Professur für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an der Universität Oldenburg innehat, gekommen, weil „wir hier kräftig investieren und eine gute Radiologie machen können“. Top-Geräte würden angeschafft und so optimale Voraussetzungen für Diagnostik und bildgesteuerte Therapie geschaffen. Maurer: „Bei innovativer Technik darf man keine
Kompromisse machen. Ich bin guter Dinge für Oldenburg, hier ist einiges los.“
