Oldenburg - Es ist die „Aufbruchstimmung, die hier existiert“, die Dr. med. Andreas Martens nach Oldenburg gelockt hat: Er ist der neue Direktor der Universitätsklinik für Herzchirurgie am Klinikum und wurde gleichzeitig auf die Professur für Herzchirurgie am Department für Humanmedizin der Universität Oldenburg berufen. Der Spezialist für Eingriffe an der Aorta im Brustbereich erzählt im Gespräch mit unserer Redaktion von seinen Plänen für ein Nordwestdeutsches Aortenzentrum und seiner Forschung in der kardiovaskulären Stammzelltherapie, die irgendwann darin münden könnte, dass geschädigte Herzen dank gezüchteter Herzmuskelzellen wieder regenerieren können und betroffene Patienten keine Herztransplantation mehr brauchen.
Prof. Dr. Andreas Martens ist gebürtiger Hesse, in Bayern aufgewachsen und hat in Hannover Medizin studiert. An der Medizinischen Hochschule Hannover hat er seine Laufbahn vorangetrieben und seine Facharztausbildung in der Klinik für Herz-Thorax-Transplantations- und Gefäßchirurgie absolviert. Martens ist Facharzt für Herzchirurgie und Gefäßchirurgie, habilitiert hat er in der Aortenchirurgie.
Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte sind für Martens die Reparatur der Aortenwurzel, Aortenbogen-Chirurgie, Kardiovaskuläre Stammzelltherapie und Kardiochirurgische Skills Lab (das chirurgische Training der Nachwuchsmediziner). Zuletzt war Martens Leitender Oberarzt der Klinik für Herz-Thorax-Transplantations- und Gefäßchirurgie an der MHH.
Privat hat Andreas Martens seinen Lebensmittelpunkt derzeit noch in Celle, wo seine Frau und seine beiden Söhne in jugendlichem Alter leben. „Meine Familie war schon mehrfach hier, allen gefällt es hier. Ich habe keinerlei Fluchttendenzen“, sagt Martens, der in Oldenburg in jeglicher Hinsicht Wurzeln schlagen will.
Leidenschaft fürs Fach
Martens war zuletzt Leitender Oberarzt der Klinik für Herz-Thorax-Transplantations- und Gefäßchirurgie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Er brennt für sein Fach, sieht immenses Entwicklungspotenzial in der Medizin in Oldenburg: „Das Klinikum ist ein breit und gut aufgestelltes Haus. Und an der noch jungen Fakultät der Universität wird Aufbauarbeit geleistet – das alles ist spannend. Vieles wird hier flexibel, sehr direkt und wohlwollend angegangen, man hilft sich gegenseitig“, beschreibt der 48-Jährige seine Eindrücke: „Man merkt, wie zügig etwas wachsen kann, wenn die Leute die Ärmel hochkrempeln. Hier arbeiten mittlerweile tolle renommierte Leute, die alle zügig etwas voranbringen wollen.“
Ein Team bilden
Also krempelt Andreas Martens die Ärmel hoch. Seine Ziele kann er nicht im Alleingang erreichen. Ins Klinikum bringt er drei Oberärzte, einen Facharzt und eine Kardiotechnikerin mit und „weitere sind im Zulauf“, so der Professor, der auch für seine Arbeit an der Uni sein eingespieltes wissenschaftliches Team nach Oldenburg mitbringt. Beschnuppert haben sich die Neuen und das Stammpersonal des Klinikums schon, jetzt muss daraus ein Team werden: „Die Abteilung hier war immer schon sehr breit aufgestellt, jetzt kommt Spezialwissen dazu. Es gibt hier tolle Chirurgen und Ärzte, die alles, für das sie stehen, super machen.“
Strukturen aufbauen
Etablieren will der Klinikdirektor in Oldenburg ein zertifiziertes Nordwestdeutsches Aortenzentrum, in dem Aortenchirurgie in allen Varianten unter hohen Qualitätsstandards durchgeführt wird: „Der Bedarf dafür ist in der Region groß“, sagt Martens, der damit auch die Ausrichtung des Klinikums als alleiniger Maximalversorger in der Versorgungsregion Oldenburg – zu der die Kreise Ammerland, Wesermarsch, Cloppenburg, Vechta, Oldenburg, Diepholz sowie die Städte Oldenburg und Delmenhorst gehören – im Zusammenhang mit der Krankenhausreform im Blick hat: „Wir müssen jetzt die Strukturen für die Zukunft aufbauen.“
Land in der Pflicht
Das gelte auch für die Universitätsmedizin, so Martens: „Die Unterstützung des Landes fehlt. Der reine politische Wille reicht dafür nicht. Ich finde die Finanzierung durch das Land als Pflicht, wenn man eine Fakultät gründet. Jetzt ist etwas Bewegung in der Sache drin, aber das muss mehr werden. Bekenntnisse müssen mit Taten untermalt werden.“ Es gebe in Oldenburg viele Fachleute mit universitären Ambitionen, die sich privat zusätzlich zur Arbeit stark engagieren, so die Wahrnehmung des Professors: „Alle wollen Leistung zeigen, sie kämpfen für diese Infrastruktur. Vom Land muss jetzt mehr passieren.“
