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Oldenburger Tradition „exportiert“ Wie der Brauch des Grünkohlkönigs nach Cottbus kam

Carolin Sperlich
Manfred Schmidtke erinnert sich an das Grünkohlessen in Cottbus.

Manfred Schmidtke erinnert sich an das Grünkohlessen in Cottbus.

Carolin Sperlich

Oldenburg - Kulinarische Spezialitäten in der Lausitz? Da denkt man doch eher an Plinse (Pfannkuchen), sorbische Krautmauke oder Prasselkuchen. Aber an Grünkohl? Wohl eher nicht. Dennoch: Der Oldenburger Manfred Schmidtke (86 Jahre) hat die Grünkohl-Kultur nach Cottbus gebracht. Anfang der 90er Jahre war das. Schmidtke war dort damals bei der Standortverwaltung der Bundeswehr beschäftigt. An der ersten Kohlpartie nahmen 13 Personen teil, schnell wuchs die Veranstaltung in den Folgejahren zu einem angesehenen gesellschaftlichen Ereignis heran.

Cottbuser Kohlkönige

Die Idee, die Oldenburger Tradition nach Cottbus zu bringen, ist spontan in einer kleinen Gruppe entstanden. Mit dabei unter anderem der damalige Chefredakteur der Lausitzer Rundschau. 1997 veranstaltete Schmidtke dann das erste Grünkohlessen in Cottbus. Unter den Gästen war der damalige Oberbürgermeister von Cottbus, Waldemar Kleinschmidt, der zum Kohlkönig gekrönt wurde.

„Im darauffolgenden Jahr waren es bereits um die 50 Gäste“, erinnert sich Schmidtke. In diesem Jahr kürte er den Trainer des Regionalligisten Energie Cottbus, Eduard Geyer, zum Kohlkönig. Geyer errang später als Trainer Kultstatus. Jahr für Jahr wurde das Grünkohlessen beliebter. Politiker, Handelsvertreter, Beamte und „normale“ Bürger nahmen daran teil. Auch die Lausitzer Rundschau begleitete das jährliche Zusammentreffen regelmäßig.

Trotz seines Ruhestandes im Jahre 2001 führte Manfred Schmidtke das Grünkohlessen in Cottbus fort. Von Oldenburg aus organisierte er die Versorgung mit Grünkohl, Pinkel, Kassler und Bauchspeck. Sein Engagement kannte dabei keine Grenzen. Im Auto habe er das Essen persönlich von Oldenburg nach Cottbus transportiert. „Das Auto hat danach tagelang nach Pinkel gerochen“, erzählt Schmidtke lachend.

Nachdem der Bundeswehrstandort Cottbus im Jahr 2003 aufgelöst wurde, fehlten die notwendigen Räumlichkeiten für die Ausrichtung des Essens. Auch konnte die Truppenküche nicht mehr für die Zubereitung des Oldenburger Traditionsgerichts genutzt werden. Das war dann das Ende, so Schmidtke.

Die Lücke wurde jedoch schnell von Reisegesellschaften, die die Beliebtheit der „exportierten“ Tradition erkannten, geschlossen. In der Folge wurden Tagesfahrten in die Lausitzer Region mit Pinkel und Co. in regionalen Lokalen organisiert, so Schmidtke. „Wenn die Bundeswehr dort noch vertreten wäre, würde ich es heute noch machen“, sagt er. Ob es das Grünkohlessen heute noch in der Lausitz gibt, da sei er sich nicht so sicher.

Auf der Spur

Einzelne Restaurants in Cottbus sollen noch Grünkohl auf der Speisekarte stehen haben. 2017 und 2019 luden sogar die Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer Cottbus gemeinsam mit der Lausitzer Rundschau zum vereinten Grünkohl-Essen ein. Oldenburgs „Grünkohl-Exporteur“ hat also Spuren hinterlassen.

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