Oldenburg - Die Grünkohl-Saison in Oldenburg ist in vollem Gange. Bei den Touren eigentlich immer mit dabei sind die Bollerwagen. Und die gibt es nicht nur in „normal“, wie unser Bericht kürzlich gezeigt hat. Nach dem Artikel haben sich weitere Leser mit ihren Geschichten rund um besondere Gefährte oder Touren gemeldet.
Der Bollerschlitten
Nennt man das Gefährt nun Bollerwagen mit Schlittenanhang? Oder Bollerschlitten? Egal. Fakt ist, auch im Hunsrück (Rheinland-Pfalz), genauer in der Ortsgemeinde Hilscheid, kennt man mittlerweile die Oldenburger Tradition der Kohlfahrt. Und da es dort bergig ist und im Winter durchaus Schnee liegt, sind Kufen unter dem Proviant-Transporter ganz praktisch. Schon im vergangenen Jahr hat eine Oldenburger Gruppe rund um Britta Venekamp alles in den Hunsrück geschleppt, um mit einem Freund aus Jugendtagen, den es wegen des Jobs und der Liebe dorthin verschlagen hat, eine zünftige Kohltour auf dem 816 Meter hohen Erbeskopf zu unternehmen. „Letztes Jahr haben wir schon mit unserem Bollerschlitten für Aufsehen gesorgt“, sagt die Oldenburgerin.
Kohlfahrt im Hunsrück: Oldenburger feiern mit Bolllerwagen und -schlitten bei einem Ex-Oldenburger in Hilscheid.
Britta Venekamp
Kohlfahrt im Hunsrück: Oldenburger feiern mit Bolllerwagen und -schlitten bei einem Ex-Oldenburger in Hilscheid.
Britta Venekamp
Kohlfahrt im Hunsrück: Oldenburger feiern mit Bolllerwagen und -schlitten bei einem Ex-Oldenburger in Hilscheid.
Britta Venekamp
Kohlfahrt im Hunsrück: Oldenburger feiern mit Bolllerwagen und -schlitten bei einem Ex-Oldenburger in Hilscheid.
Britta VenekampLogischerweise gab es ein Kohlkönigspaar und so war auch in diesem Jahr Hilscheid Austragungsort einer Kohlfahrt. Die Oldenburger reisten zu fünft an. Vor Ort war man dann mit 15 Leuten zehn Kilometer unterwegs und ließ sich das aus Oldenburg importierte Kohlessen beim Kohlkönig schmecken. „Die Hilscheider möchten nun gern im Original-Kohlland Grünkohl essen und die Tradition hier vor Ort kennenlernen“, sagt Britta Venekamp. Wie der „Zufall“ es will: Sie ist die neue Kohlkönigin und der Oldenburger Stefan Günzel der neue König. „Nächstes Jahr kommen dann alle nach Oldenburg.“ Für einen beeindruckenden Bollerwagen wird gesorgt sein.
Das Ungetüm
Mit rund 3,50 Metern Länge ist „Möwi“ wohl einer der längsten Bollerwagen. Und er entstand – wie so viele verrückte Dinge – aus einer Schnapsidee heraus, die auf einem Balkon in Oldenburg geboren wurde. Das Ziel war, „richtig Party zu machen, wie im Sommer. Dies selbstverständlich, trotz der ungeachteten winterlichen Bedingungen, mit Musik, Alkohol, Grill und kohlfahrt-ähnlichem Wander-Spaß“, erinnert sich Hajo Warns. Für die Umsetzung fand sich eine wachsende Gruppe von Freunden aus dem Heimatort Wiefelstede, die sich dann regelmäßig am Scheideweg in Oldenburg zum Werkeln traf. Dabei wurde immer wieder improvisiert. „Der Aufbau wich von den ehemals für gut befundenen Plänen um einiges ab.“
Bollerwagen Möwi, Bild: Privat
Die Premierenfahrt startete dann vor dem Gasthof Rabe in Wiefelstede mit 50 gutgelaunten Menschen. „Möwi war groß, er war laut, er war nicht zu übersehen – ganz zu schweigen von den 70 Litern Bier, 30 Litern Cola und den 15 Litern Schnaps im Inneren des fahrenden Ungetüms. Dies sollte einer der schönsten Tage in Wiefelstede und Umgebung sein“, erzählt Warns selbstbewusst.
Der Exil-Wagen
Nach dem Bestaunen der besonderen Bollerwagen wollte Fabian Malla unbedingt einen Bollerwagen aus der Ferne zusenden. „Als gebürtiger Oldenburger, mittlerweile aber in Köln lebend, wurde es mal Zeit, meiner Bubble diese wunderschöne Heimattradition näherzubringen“, schreibt er. Also organisierte er in der Rhein-Metropole für seine Freunde eine Kohlfahrt.
Kohltour in Köln.
Privat
Kohltour in Köln.
PrivatUnter dem zum aktuellen Tagesgeschehen passenden Motto „Grünkohl gegen Rechts“ ging es durch den zu der Zeit schneebedeckten Grün(kohl)gürtel. „Und es stellte sich heraus: auch die Jecken lieben Grünkohl!“ Technisch gesehen sei der Bollerwagen vielleicht nicht spektakulär, „dafür aber vollgepackt mit viel Liebe und Freude“.

