Ostfriesland - In den letzten Tagen musste ich oft an Lothar Günther Buchheim denken. Wir haben uns mehrfach getroffen und gut verstanden, was bei dem alten Grantler nicht leicht war. Sein Roman „Das Boot“ wurde zum Weltbestseller. Aber in der Tiefe seiner Seele war er ein Kunstkenner und -sammler. In einem Moskauer Straßencafé sagte er zu mir: „Ich werde meine Sammlung stiften. Bevor die Erben aus einem Nolde einen Ferrari machen.“ Ja, so war er. Ein guter Diplomat wäre aus ihm nie geworden.
Nach dem Krieg, als Kunst billig war, hatte er Werke gekauft, die ihm gefielen, hauptsächlich Expressionisten. Später bekam das alles einen unschätzbaren Wert. Er wurde sauer, weil ich ihn einen „berühmten Sammler“ nannte.
Er sprach von sich als „Wiederausbreiter“, wollte „Seherlebnisse“ schaffen. Er wohnte in Feldafing am Starnberger See. Er hatte vor, seine Sammlung der Stadt zu schenken. Es gab eine Bürgerabstimmung zu dem geplanten Museum und das Unfassbare geschah: Die Bürger entschieden sich dagegen. Sofort flatterten Angebote in sein Haus. Selbst zwei japanische Städte bewarben sich um die Sammlung. Aber er wollte sie in seiner Nähe haben. Nun steht sein zauberhaftes „Museum der Phantasie“ in Bernried. Kunstfreunde aus der ganzen Welt besuchen den Ort.
Warum ich oft an ihn denke? Auf Initiative des Tourismus Service Norddeich, besonders vorangetrieben von Ilona Eilts, Inga Graber und Wiebke Rocker, gab es in Norddeich eine Ausstellung „Die Welt der Ostfriesenkrimis“. Engel und Völkers stellte uns kostenlos für ein paar Monate Räume zur Verfügung. Die Schiwago Filmproduktion Requisiten. Tausende kamen, um sich das anzuschauen. Die zwei Führungen am Tag waren immer ausverkauft. Viele Menschen, die Karten wollten, mussten vertröstet werden. Alle Eintrittsgelder kamen dem Hospiz zugute, dessen Schirmherr ich bin. Ein bisschen traurig waren wir alle, als wir aus den Räumen ausziehen mussten.
Nun haben die Wirtschaftsbetriebe der Stadt Norden uns neue Möglichkeiten am Markt zur Verfügung gestellt. Früher gab dort ein Café, das an zwei Tagen in der Woche geöffnet hatte. Nun, das Café gibt es nicht mehr - mitten auf dem Markt stand ein leeres Gebäude und verfiel. Groß war der Jubel in der Fanszene, als dort erste Vitrinen aufgebaut wurden. Und gleich kamen die Meckerer mit Vorwürfen und Unterstellungen. „Wegen dem Wolf musste das Café da raus.“. Teilweise war es sehr heftig und verletzend. Da half mir Lothar Günther Buchheims Weisheit: „Die, die immer schimpfen, dass nix passiert, fallen über jeden her, der etwas macht.“
Danke Lothar. Wir lassen uns die Freude nicht verderben.
