Der Kampf gegen überflüssige Tierversuche ist wichtig und leider nötig. Doch der Negativpreis an das Team um Vogelforscher Henrik Mouritsen ist fragwürdig. Die Aussage der Tierschützer, die Forschung befriedige lediglich wissenschaftliche Neugier, steht auf wackeligen Füßen. Denn Mouritsen führt konkrete Beispiele an, wo das Wissen um den Orientierungssinn Nutzen zeigt. Ich hätte mir gewünscht, dass sich die „Ärzte gegen Tierversuche“ mit diesen Beispielen auseinandersetzen.

Die Organisation „Ärzte gegen Tierversuche“ greift die Universität Oldenburg wegen Versuchen mit der Mönchsgrasmücke an. Zwölf Exemplare des Singvogels wurden für Forschungszwecke getötet.

NEGATIVPREIS FÜR TIEREXPERIMENTE Uni Oldenburg bekommt „Herz aus Stein“ für Forschung an Singvögeln

Christoph Kiefer
Oldenburg

Wer Tierversuche rundweg ablehnt, macht es sich zu einfach. Wenn - wie Mouristen beteuert - einzelne Tiere sterben, damit die Gattung insgesamt besser überlebt, wird ein grundsätzliches „Nein“ zu diesen Forschungen zum Bumerang. Denn ein Tierversuch ist ethisch nicht nur vertretbar, sondern sogar geboten, wenn der Nutzen den Schaden weit überwiegt. Gerade bei einem emotionalen Thema wie Tierversuche sollte die inhaltliche Auseinandersetzung Vorrang haben vor plakativen Schuldzuweisungen.