Wahlrecht ab 14 Jahren? Das löst bei vielen Älteren instinktiv eine Abwehrhaltung aus: Keine Erfahrung, viel zu unreif. Aber Hand aufs Herz: Alter allein macht nicht politikfähig. Wie viele Menschen, die ganz selbstverständlich an der Wahlurne mitentscheiden, setzen sich tatsächlich mit Politik auseinander? Die jungen Autoren der Rubrik „Meinung von morgen“ in der Nordwest-Zeitung bieten treffende politische Analysen. Viele von ihnen dürfen bei der kommenden Bundestagswahl trotzdem noch kein Kreuz machen.
Mit „Fridays for future“ hat sich die junge Generation selbst eine Stimme gegeben, weil sie sich in wesentlichen Fragen der Zukunft nicht gehört fühlt. Sie als Unruhestifter und Schulschwänzer zu diffamieren, ist bequem. Es greift aber viel zu kurz. Die Bewegung ist ein sehr ernsthafter Versuch der Jungen, endlich anzupacken, was die Generationen vor ihnen – wissentlich (!) – gern vor sich hergeschoben haben.
Mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten sind 50 Jahre und älter – Tendenz steigend. Um allen Generationen gerecht zu werden, führt kein Weg daran vorbei, Jüngere an die Wahlurnen zu lassen. Mehr noch: Warum dürfen 16-Jährige zwar wählen, aber nicht selbst in den kommunalen Parlamenten sitzen? Auch das muss sich ändern. Wir sollten der jungen Generation endlich mehr zutrauen. Es ist letztendlich ihre Welt, über die wir entscheiden. Deshalb wird es Zeit, ihnen zuzuhören und Vertrauen zu schenken.
