Oldenburg - Schon von den ersten Tönen der g-moll Cellosonate op. 5 von Ludwig van Beethoven an ist zu spüren, dass hier in diesem Konzert beim Oldenburger Kunstverein etwas musikalisch ganz Außergewöhnliches passiert. Der Pianist Herbert Schuch, ein Klangpoet mit großem Gespür für die feinsten musikalischen Nuancen und Schattierungen, für klare Strukturen und dynamische Extreme und der Cellist Maximilian Hornung, der jedem Ton durch flexibelsten Vibratogebrauch und große Innendynamik eine unentrinnbare Spannung verleiht, verstehen es sofort, im Saal eine atemlose und auch in den Pausen gefüllte Spannung aufzubauen. Eine fesselnde musikalische Einheit mit großem gemeinsamem Atem, einer packenden Gefühlsdichte, einem üppig erzählenden Ausdruck und dabei sehr transparent und klar gezeichneten Verläufen – von den feinsten Pastelltönen bis hin zum perkussiven Ausbruch.
Nochmal getoppt
Was schon in der Beethoven-Sonate so mitreißt, wird – wenn auch in einer anderen, zeitgenössischeren Tonsprache – in dem anschließenden Solo „Piece for cello“ (Imagination against numbers) des 1962 geborenen Jazzmusikers und Komponisten Dieter Ammann nochmal regelrecht getoppt. Ammann hat dieses einsätzige Werk für den Cellisten David Riniker und seine Teilnahme am internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau komponiert. Somit steht neben dem Suchen nach einer neuen Klangästhetik, nach neuen Klangfarben und Ausdrucksebenen natürlich auch der virtuose Aspekt sehr im Vordergrund.
Ein Aspekt, der vom Cellisten Maximilian Hornung mit großartiger Technik sensationell umgesetzt wird. Aber da fängt ja bekanntermaßen erst die Musik an. Was er in dieser anspruchsvollen Komposition für Gefühlschichten aufdeckt, was für eine klangliche Farbpalette er hier aufblättert und was für emotionale Momente er hier freilegt, das lässt wohl niemanden unbeeindruckt und so wird diese Darstellung zu einem ganz großen musikalischen Erleben.
Gnadenlos verrissen
Edward Griegs einzige Cellosonate, die er für seinen Bruder John komponiert und ihm gewidmet hat, wurde bei ihrer Uraufführung durch Friedrich Grützmacher am Cello und Edward Grieg am Klavier gnadenlos verrissen. Es war von „unbedeutender Erfindung“ und „mangelhafter Ausarbeitung“ die Rede. Doch davon kann bei der Darbietung durch Maximilian Hornung und Herbert Schuch überhaupt keine Rede sein. Hier wird man Zeuge einer musikalischen Abenteuerreise durch großartige und extrem gezeichnete Gefühlswelten: von den schier zeit- und endlos melancholisch-sentimentalen Momenten bis hin zum wild zerklüfteten Aufbrausen.
Zu einer Sternstunde wird der zweite Satz mit seinem naiv anmutenden Beginn, der sich mit elementarer Kraft bis zum verzweifelten Ausbruch immer mehr verdichtet. Die sich auftürmenden sinfonisch-monumentalen Klangmassive am Ende des Finalsatzes zeigen noch einmal die ganzen künstlerischen und interpretatorischen Qualitäten der beiden Musiker. Eine Musik voller Stolz, Haltung, tief gefühlter Emotionalität und großer musikalischer Ehrlichkeit.
