Oldenburg - Wenn die Menschen nicht ins Stadtmuseum kommen (können), dann kommt das Stadtmuseum eben zu ihnen: Und so ist das ehemalige Photo-Dose-Haus an der Staustraße 16 für kurze Teil zu einem Projektraum des Stadtmuseums geworden, in dem die Geschichte und das Leben in Alexandersfeld beleuchtet werden. Das Stadtmuseum ist mittlerweile für einen Neubau abgerissen worden.
Häuser in Reih und Glied: Die Neubauten in Alexandersfeld hatten alle das gleiche Aussehen.
Stadtmuseum
Bei der Eröffnung der Ausstellung über Alexandersfeld (von links): Kuratorin Sandrine Teuber, Erich Hohlen (Siedlergemeinschaft Jan Koopmann/Alexandersfeld) und Stadtmuseums-Chef Steffen Wiegmann
Thomas Husmann
Gemeinsam sind wir stark: Die Häuser in den Koopmann-Siedlungen wurden seinerzeit in einem Gemeinschaftsprojekt errichtet.
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Zuhause gefunden: Die Kinder genossen die Annehmlichkeiten der neuen Wohnungen.
Stadtmuseum204 Häuser
„Gemeinschaft und Solidarität waren die Werte, die die Entstehung des Stadtteils prägten“, weiß Erich Hohlen (75). Er ist in Alexandersfeld aufgewachsen und war viele Jahre der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft Jan Koopmann/Alexandersfeld. Seine Erzählungen über den Stadtteil sind Teil der Ausstellung geworden. Gemeinsam mit vielen anderen Siedlerinnen und Siedlern, die, so Hohlen, allesamt nicht mehr am Leben sind, bauten seine Eltern ab 1949 in nur drei Jahren 204 Häuser in gleichem Baustil. „Die Menschen, die damals als Flüchtlinge oder Heimatvertriebenen aus dem Osten gekommen waren, hatten nichts“, erzählt Hohlen weiter. Bei der Erinnerung an die Erzählungen von Zeitzeugen muss er heute noch mit der Fassung ringen.
Der Name Alexandersfeld stammt so wie die Alexanderheide, die Alexanderstraße und Alexanderhaus von einem Bauerngehöft ab. Es lag, so ist im Buch Oldenburger Straßennamen von Friedrich Schohusen nachzulesen, seinerzeit weit draußen in der zu Metjendorf gehörigen Heide.
Besitzer war bis 1702 der gräfliche Holzknecht Alexander Chronwold, auch Chromwold oder Kronwold geschrieben, er war wahrscheinlich als Pächter zugezogen. Die Ableitung des Namens von Alexander dem Großen, dem Zaren Alexander oder Alexander von Humboldt ist abwegig.
Das Haus an der Staustraße, in dem die Ausstellung zu sehen ist, wird in absehbarer Zeit aber wohl nicht mehr in diesem Jahr abgerissen, teilt Franz Gerhard Wefering von der Arealis-Gesellschaft für Projektentwicklung mit Sitz in Bad Zwischenahn mit. Geplant ist ein viergeschossiges Wohn- und Geschäftshaus. Die Erdgeschossnutzung steht noch nicht fest. Im oberen Bereich werden komplett Mietwohnungen um die 50 Quadratmeter erstellt. Ein entsprechender Bauvorbescheid wird vorbereitet und in Kürze bei der Stadt Oldenburg eingereicht, es haben im Vorfeld Abstimmungsgespräche mit der Stadt Oldenburg stattgefunden.
Geöffnet ist der Projektraum an der Staustraße 16 bis 14. Juni montags bis samstags 10 bis 18 Uhr und am Sonntag, 15. Mai (Internationaler Museumstag), von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Doch so traurig der Anlass zur Bebauung von Alexandersfeld war, so sehr spiegelt sie eine Entwicklung, die Oldenburg zur Großstadt machte. Gleichwohl gesteht Ausstellungskuratorin Sandrine Teuber ein, an dieser Stelle einen Fehler gemacht zu haben auf der ersten Etappe ihrer mehrteiligen Reise durch die Stadtteile, die im Norden beginnt. Denn Alexandersfeld ist streng genommen kein eigener Stadtteil, sondern gehört zu Ofenerdiek.
Große Grundstücke
Hohlen lebt auf dem Grundstück seiner Eltern. „Die Siedlung war nach dem Krieg ein Neuanfang für Vertriebene und Ausgebombte, aber auch für Oldenburgerinnen und Oldenburger mit geringem Einkommen“, weiß er. An dieser Stelle kommt Jan Koopmann ins Spiel: Der Grundstein zur Koopmannsiedlung wurde im Jahre 1949 gelegt. Im ersten Bauabschnitt entstanden 91 Häuser. Den Anstoß zum Bau der Siedlung gab der damalige Landtagsabgeordnete und Ratsherr Jan Koopmann (geb. 24.09.1901 - gest. 25.10.1960). Seine Idee war es, billige Häuser für die „lüttge Lü“ (kleinen Leute) zu errichten. Koopmann besorgte für sie Darlehen, Landesmittel und Darlehen. Zum den Häusern gehört jeweils ein bis zu 5000 Quadratmeter großes Stück Land, mit dem sich die Menschen selbst versorgen konnten. Obst und Gemüse wurden angebaut, auch wurden Kühe und Schweine neben Hühnern gehalten.
Einwohner berichten
Das Stadtmuseum hat intensiv in Alexandersfeld geforscht, und so haben zwölf Menschen ihre Geschichten von Alexandersfeld erzählt und dem Museum Objekte für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. So sind zum Beispiel Dokumente aus der Siedlungszeit, Fotografien, Zeitungsartikel und Jubiläumshefte zu sehen. Türöffner war Erich Hohlen.
