Oldenburg - Mitten im Getreidefeld unter blauem Himmel mit Schäfchenwolken liegt eine Panzersperre wie ein riesiges Kreuz. Ein Foto mit einem nur scheinbar friedlichen Stillleben. Denn drumherum herrscht Krieg. Vor einem Jahr, am 24. Februar, griff Russland die Ukraine an. Die „Wunden des Krieges“ sind nun im August Carrée (Auguststraße 7) zu sehen – in einer Fotoausstellung, die schon vor ihrer offiziellen Eröffnung polarisiert.
Hier, wo das Evangelische Krankenhaus mit seinem Therapiezentrum ein zweites Standbein hat und Arztpraxen sich eingemietet haben, hat der Verein „Oldenburg hilft“ diese Ausstellung initiiert. Vorsitzender Maik Günther, der auch Pressesprecher des EV ist, erklärt, dass sie in Kooperation mir dem Krankenhaus stattfindet und finanziell von der Stadt Oldenburg unterstützt wird. Vorher hatten an den Wänden außerhalb der Praxen Fotos aus dem Krankenhausalltag gehangen. Unter dem Titel „Du bist wichtig“ hatte die Oldenburger Fotografin Izabela Mittwollen die Menschen des EV in den Mittelpunkt gestellt.
Aufklärerisch wirken
Zusammen mit dem William Dubas, Kameramann und Fotograf, der in der Ukraine geboren wurde und in Oldenburg lebt, hat Izabela Mittwollen die Fotoausstellung konzipiert. Fotos von ihr, die sie bei einer Reise mit Dubas in der Ukraine aufgenommen hat, sind dabei. Mehr als 200 Bilder werden vom Erdgeschoss bis in den dritten Stock zu sehen sein. „Wir haben sie aus 10.000 Fotos ausgewählt“, erklärt William Dubas. Auch sein Vater Vlodymyr Dubas (73), ein bekannter Fotograf in der Ukraine, ist mit Werken vertreten. Genauso wie weitere Fotografinnen und Fotografen der „Lviv Organization of the National Photographic of Ukraine“.
„Wir wollen aufklärerisch wirken, aber nicht reißerisch“, betont William Dubas. Es würden keine Fotos von Toten oder blutenden Menschen gezeigt. Izabela Mittwollen hofft: „Im besten Fall schauen die Menschen nicht weg – in unserer recht heilen Welt, die wir hier haben.“ Sie erklärt, dass die Ausstellung in vier Kategorien eingeteilt ist: Kriegsalltag, an der Front, humanitäre Hilfe, Kriegszerstörung. Zerbombte Häuser, Menschen, deren Gesichter Geschichten erzählen, Soldaten mit Waffen, Soldaten, denen ein Arm fehlt, aber auch Bilder, die Freude und Zuversicht ausdrücken, gehören zum Spektrum der Ausstellung.
Mehrere Ansichten
Das Ärztezentrum als Ort für dieser Fotos findet Dr. Thomas Henke, Chefarzt am Notfallzentrum des EV, richtig: „Mit der vorherigen Ausstellung im August Carrée wurde den Gesichtern des EV eine Stimme gegeben. Und auch diese Bilder haben eine Aussage. ,Wir geben eine Stimme’ – das sollten wir uns vielleicht auf die Fahne schreiben.“ Henke, der als Einsatzchirurg der Bundeswehr an Einsätzen in den Krisengebieten des ehemaligen Jugoslawiens und in Afghanistan teilgenommen hat und UN–Militärbeoachter war, meint zur Ausstellung: „Die Bilder sind tragisch, aber nicht schlimm.“
Er hält es für wichtig, sie erklärend zu begleiten – mit Führungen und Vorträgen. Das ist laut Maik Günther auch geplant. Die Ausstellung läuft bis zum 27. Mai. Am Sonnabend, 25. Februar, wird sie bei Empfang mit geladenen Gäste eröffnet, zu denen auch die ukrainische Vizekonsulin Olga Novytska gehört.
Von den Mietern aus dem Ärztehaus gibt es Kritik – nicht an der Qualität der Bilder: „Das ist eine tolle Ausstellung, aber der denkbar schlechteste Ort für sie“, zitiert William Dubas einen Arzt. Im Gespräch mit dieser Redaktion sagen andere: „Hier ist ein Ort von Liebe, Vertrauen, Aufbau – da passt sowas nicht.“ Oder: „Man braucht hier ein positives Umfeld. Und die Ausstellung ist erstmal erschreckend.“
Gebete und demo
Zum Jahrestag „Ein Jahr Krieg in der Ukraine“ an diesem Freitag, 24. Februar, beginnt um 12 Uhr ein Friedensgebet in der St.-Lamberti-Kirche. Die Bewegung Maria 2.0. lädt zu einer Friedenskette um 16 Uhr ans Forum St. Peter ein. Um 18 Uhr findet in der Garnisonkirche ein ökumenisches und interreligiöses Friedensgebet statt. Die Kollekten sind für ukrainische Hilfsprojekte bestimmt.
Der Verein „Oldenburg hilft“ und stellvertretend für ukrainische Geflüchtetengemeinde, Iryna Polovinkina, rufen zur Demo auf, die um 15 Uhr am Waffenplatz beginnt, um den Innenstadtring führt und gegen 16 Uhr am Waffenplatz endet, wo ab 16.15 Uhr u.a Oberbürgermeister Jürgen Krogmann eine Rede hält.
