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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

Neue Bundeswehrküche In Oldenburg: Was bekommt ein Soldat denn so zu essen?

07.04.2016

Oldenburg Stillgestanden. Sonst schwappen hier noch Markklößchen aus der Suppe und besudeln die Uniform des Vordermanns. Der will zum Salatbüffet. Das ist weiter hinten stationiert. Rechts, zwo, drei, vier erstrecken sich Desserttheke an Vorspeisenstation: Gebackenen Camembert mit Preiselbeeren gibt’s heute. Für die Zahnlücke. Knurrende Mägen werden mit Schnitzel und Pommes, Bratwurst an Sauerkraut ruhiggestellt, feine Gaumen mit Calamari oder Mousse au Chocolat umschmeichelt. 11 Uhr 15: Der Trupp rückt an.

Für Reserven ist gesorgt: hier ist alles generalstabsmäßig geplant. Dafür sorgt Waltraud Luikenga als Küchen-Betriebsleiterin der Henning-von-Tresckow-Kaserne mit ihrem Trupp aus 16 Helfern. Seit halb sechs in der Früh ist die Verpflegungscrew im Einsatz. Los geht’s mit Brötchen aufbacken, Obst schnippeln, Käse drapieren, Quark abfüllen. Morgenkost gibt es ab sechs. Zum Frühstück kehren allerdings längst nicht so viele Soldaten ein. Mittags ist mehr los. Bis zu 300 Kameraden können sich in der neuen Truppenküche satt essen. Seit Ende letzter Woche läuft der Verpflegungsbetrieb hier auf Hochtouren. Und Hochglanz.

Sattes Programm

„Damit ist unser Versorgungscenter komplett“, sagt Joachim Horstmann. Der Oberstleutnant und Pressestabsoffizier der 1. Panzerdivision nennt den zweistöckigen Neubau auf dem Bümmersteder Kasernengelände „Haus der Betreuung“. Im Obergeschoss wacht Major Matthias Bleiß über sein Entertainment-Universum: Spielkonsolen, Flachbildschirmfernseher, DVDs, Basketbälle, Brettspiele, Prospekte von Bowlingtempeln, Freizeitparks, Kletterwänden warten auf gelangweilte – oder unternehmungslustige Soldaten.

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Gleichzeitig ist der Unterstützungspersonal-Standortälteste auch für ernste Themen, wie die Beratung Einsatzversehrter und als Lotse für Neuankömmlinge und deren Familienanschluss zuständig. Nebenan, im Raum der Stille, unterstützt er bei der Suche nach passenden Kitas und Schulen für den Nachwuchs der Kameraden. Hier kann auch gebetet werden. Und getrauert.

Momentan hat dazu niemand Anlass. Schließlich sind die Zeiten des Einsatzcontainers vorbei, der seit Monaten als Kantine diente. Waltraud Luikengas ganzer Stolz sind die Multifunktionsbottiche zwischen den Drei-Liter-Suppenkesseln: „Kochen, braten, frittieren, schmoren“, die 49-Jährige tippt auf das Display am waschmaschinengroßen Küchenhelfer. „Steak rosa oder zart?“ fragt das technische Wunderwerk. Während ihrer Ausbildung zur Bundeswehrköchin gab es sowas noch nicht. „Die Zeiten ändern sich“, sagt die Betriebsleiterin – „der Geschmack auch. Früher waren Klassiker wie Schnitzel gefragt, heute bevorzugen viele Soldaten gesündere Kost.“ Sogar das „Öko-Essen“ – vegetarische Bratlinge und Gemüsecurrys hätten ihren Siegeszug angetreten.

Eintopf für die Älteren

Mit der Verlegung des Stabs der 1. Panzerdivision aus der Landeshauptstadt nach Oldenburg mussten allerdings auch betagte Traditionen neu aufgewärmt werden: „Das ältere Klientel bevorzugt Eintöpfe – davon haben wir mehr bestellen müssen“, sagt Waltraud Luikenga.

Logistiksorgen muss sie sich als Bundeswehrköchin keine machen: Das Verpflegungsamt der Truppe leitet die Bestellungen an Großhändler weiter, gibt Gerichte vor, errechnet die Mengen. Nudelpfanne für 200 Mann erfordert zehn Kilo Hartweizenware, weiß das betriebseigene Computersystem. Zweimal die Woche rollen Lastwagen mit Äpfeln und Graubrot, Puddingpaletten und Rinderfilet, schockgefrosteten Möhren und Aufbackcroissants an. Schälen, pellen, putzen kann sich das Küchenteam dank TK-Gemüse sparen.

Verfeinert und abgeschmeckt wird alles à la Minute. „Was rausgeht, probiere ich vorher“, sagt die Betriebsleiterin. Ein Augenschmaus sollten die Kreationen sein – „wie im Restaurant“. Für Sterne-Gastronomie hat sie sich noch nie interessiert. Wenn sie Soldaten Saison-Spargel serviert oder Grünkohl satt, Lunch-Tüten zur Marschverpflegung mit Obst und Wurstbrot füllt und um 18 Uhr leere Aufschnittplatten vom Abendbrot abräumt, ist sie glücklich.

Hunger ist gegessen

Das „Lob und Tadelbuch“ am Kantineneingang ist bislang ein unbeschriebenes Blatt. Falls sich ein bayerischer Barettträger nicht an die norddeutsche Palme wagt, kann er sich notfalls mit Wurst-Semmeln und Cola in der extern verpachteten Gaststätte nebenan versorgen. Hier gibt es auch Chips. Für den DVD-Abend im Entertainmentbereich des Obergeschosses. Für Waltraud Luikenga und ihre Crew ist dann längst Zapfenstreich.

Das Kochkommando muss den Dienst ausgeschlafen antreten. Wenn die hungrige Truppe anrückt, ist volle Einsatzbereitschaft gefragt – Stillgestanden wird hier nicht.

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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