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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Alles nur Theater in einem Rollenbuch

11.03.2017

Oldenburg Schauspielerin Elfi Hoppe hat ein Bild vom Glück im Kopf: Schaukeln wie Effi Briest in Theodor Fontanes Roman. So zumindest beschreibt sie es in dem wohl weltweit berühmtesten Frage- bogen, den Marcel Proust (1871-1922) für die Pariser Salons entwickelte. Literaturwissenschaftlerin Dr. Uta Fleischmann hat nun eben diesen Fragebogen an das Ende eines Büchleins gestellt, das sie dem Theater und Kammerschauspielerin Elfi Hoppe im Besonderen widmet. „RollenBücher“ überschreibt sie diese achte Ausgabe der von ihr herausgegebenen Edition Staublau, gedruckt bei Isensee.

Elfi Hoppe gibt darin tiefe Einblicke in ihre Rolleninterpretation und ihre in Brecht’scher Tradition geprägte Theaterarbeit während der drei Jahrzehnte am Oldenburgischen Staatstheater. Für das Projekt hat sie gemeinsam mit Uta Fleischmann die alten Rollenbücher mit ihren Anmerkungen, Streichungen und Ergänzungen durchgeblättert. Aus 18 Hauptrollen wählten sie jene für ihre Betrachtung aus, die auch für gesellschaftspolitische Aussagen des Theaters stehen. Ergänzt wird der Stoff durch die großen amerikanischen Dramen, etwa „Endstation Sehnsucht“ oder „Wer hat Angst vor Virgina Woolf?“

Gleich mit ihrer ersten Rolle der Katharina Blum spielte Elfi Hoppe 1977 in einem Stück mit besonderer gesellschaftlicher Brisanz. In dem Drama nach Heinrich Bölls „Verlorener Ehre der Katharina Blum“ verliebt sich eine unbescholtene Frau in einen Terroristen und wird von Medien und Polizei gehetzt. „Und das Ganze spielten wir ja in der Zeit des heißen Herbstes in Deutschland, als die Terroristen der RAF gesucht wurden.“ Die Wechselwirkung zwischen Theater und Gesellschaft habe man als Anspruch formuliert. „Es ist erstaunlich, dass beim Blättern in den Büchern gleich alle Bilder zurückkehren von damals.“ Einen Tag nach der Premiere am 5. September 1977 war Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer entführt worden. „Nach dessen Ermordung hat Intendant Harry Niemann aus Respekt vor dem Toten das Stück vom Spielplan abgesetzt und erst im Januar 1978 wieder aufgenommen.“ Auch diese Entscheidung sei nicht unumstritten gewesen.

„Als Schauspielerin haben Sie den Schutz der Rolle. Der Zuschauer sieht ja nicht meine Emotionen. Jede Rolle wird im Kontext mit persönlichen Erfahrungen von mir angereichert“, erklärt Elfi Hoppe. Und als ganz besonders beglückend hat sie 2007/2008 ihre letzte Rolle im Großen Haus empfunden: „Harold and Maude“. „Theater“, so sagt sie, „ist ja ein Ort des Hier und Jetzt. Immer zählt nur die eine Rolle, die Vorstellung und die nächste Premiere.“ Die Maude spielte sie noch einmal, als ginge es um ihr Leben. „Diese Figur muss man einfach lieben.“ Das Rollenbuch führte sie auch mit besonderer Hingabe. Von Elfi Hoppe handkolorierte Seiten gibt es übrigens auch in dem neuen Staublau-Büchlein. An Maude liebt sie das Lebensbejahende, deren Vitalität und gleichzeitig diese Tiefe der Figur, die mit über achtzig noch neugierig bleibt. Das gefällt ihr gut.

39 Seiten zählt das Bändchen mit besonderem Schmuck-Einband nach einem Entwurf von Ulrike Schink. Elfi Hoppe wird es während einer Lesung am Sonnabend, 18. März (Beginn 19.30 Uhr), in der Galerie Staublau (Staugraben 9) vorstellen. Kartenreservierung (15 Euro) unter dr.u.fleisch mann@t-online.de.

Sabine Schicke stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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