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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Avantgarde kann auch unaufgeregt gespielt werden

09.11.2010

OLDENBURG Mögen andere das Pfauenrad der Avantgarde noch so bunt schlagen: Johannes von Hoff redet nicht über Neue Musik, er macht sie — unaufgeregt, unprätentiös, verlässlich hochwertig. Und publikumswirksam. Aus Anlass des 75. Geburtstags des estnischen Komponisten Arvo Pärt präsentierte er ein 90-Minuten-Konzert, das fast ausschließlich aus Werken des 20. Jahrhunderts bestand, unter seiner Leitung interpretiert vom Oldenburger Kammerchor, dem Ansgari-Orchester sowie Anke Bultmann an der Orgel. Kein Platz in der Ansgari-Kirche, der frei blieb, kein Gast, der das Programm nicht begierig verfolgte, keiner, der sich nicht begeistert mit Beifall bedankte.

Geschuldet war das Inhalt und Dramaturgie des Programms. Die ausgewählten Stücke von Pärt („Salve Regina“ für Chor und Orgel, „Berliner Messe“), Philip Glass („Company Nr. 2“ für Streichorchester), Rudolf Mauersberger („Wie liegt die Stadt so wüst“ für siebenstimmigen Chor), Samuel Barber („Adagio“ für Streichorchester), Peter Cornelius („Requiem“ in der Fassung für Chor und Streichorchester) und Heinrich Poos („Auferstehn“ für sechsstimmigen Chor) fügten sich eindrücklich dicht. Fast ohne Pausen, „attacca“, aufgeführt, entstand die Anmutung eines einzigen großen Werkes, gebaut in der bezwingenden Dramaturgie des „Per aspera ad astra“ („Durch Nacht zum Licht“).

Musikalisch verband das Kleine, Unscheinbare, Leise. Die allmähliche Abweichung, die zunächst kaum merkliche Änderung, schuf, im behutsamen Kreisen sensibel geführt, Spannung, Einkehr, ja: Beschwörung. Nicht die große Geste regierte, nicht polyphone Hochseilakrobatik, sondern die Gabe zur feinsten dynamischen Stufung.

Zum anderen zelebrierten die Ausführenden all dies in grandioser Intensität: hier die luftig anmutige Klarheit der Stimmen des Chors, sich in Slowmotion entfaltend wie die Knospe, die zum Palmwedel wird, dort die sphärischen Klänge der Streicher in ihrer astralen Leuchtkraft. Ein sicherer Puls, konturenscharf und — selbst wo der Ton zu oszillieren hat — frei von falschen Zwischentönen, ist beiden gemein. Eines wächst aus dem anderen, zwanglos, es kann anders nicht sein.

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