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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

13 Jahre alt – und schon ein gefeierter Drehbuchautor

29.05.2017

„Ein Zwölfjähriger, der Filmregie führt? Ich dachte zuerst an einen Scherz.“ Steffen Groth, 42, war misstrauisch. Dennoch griff der Berliner Schauspieler („Doctor’s Diary“) zum Telefon, um der ungewöhnlichen Mail-Anfrage von Lars Reinhardt aus Sandkrug nachzugehen. Als die Mutter, Sabine Reinhardt, bei Groths Anruf aus allen Wolken fiel („mein Gott, was hat der Junge jetzt wieder gemacht?“) wurde dem Schauspiel-Profi klar: Hier passiert etwas ganz Spannendes. Und er sagte zu.

An der katholischen Liebfrauenschule war Lars Reinhardt im Unterricht zum Reformationsjubiläum die Idee zu einem Spielfilm über Martin Luther gekommen. Er gewann Manfred Scholz, 53, Sportredakteur beim Bürgersender Oeins, für das Projekt. Beide kannten sich seit einem gemeinsamen Musicalauftritt bei der Stage Akademie 2011.

Scholz: „Lars schickte mir nach einem Urlaub mit seiner Familie in Südafrika 70 Seiten Drehbuch. Ich hatte zwar noch nie einen Film gemacht, aber wollte das gern mal ausprobieren – und Luther faszinierte mich.“ Unterstützung kam nicht nur vom Sender Oeins, der die technische Ausrüstung und finanzielle Mittel bereitstellte. Dutzende Akteure sagten ihre Mitarbeit zu.

Filmmusik komponiert

Felix Barrenschee, Referendar an der Oberschule Osternburg, komponierte die Filmmusik. Ein Glücksfall: Der 30-Jährige hat an der Uni Oldenburg Musik und Theologie studiert und seine Abschlussarbeit über Filmmusik verfasst. Mathias Hilbig, Schauspieler am Schnürschuh-Theater in Bremen, verstärkte das Ensemble als Augustiner-Pater Bernhard. Manuel Weingärtner, Musiker und freischaffender Mediengestalter, kümmerte sich um den Schnitt. Dutzende Laien halfen während der Dreharbeiten in Huntlosen und Wildeshausen vor und hinter den Kulissen. Pastor Hansjörg Hochartz aus Sandkrug und Geschichtslehrer Hendrik Vornhagen gaben fachlichen Rat.

Nicht im Boot war der evangelische Oberkirchenrat. Er habe zwar einen Zuschuss angeboten, berichtete Steffen Groth. „Aber Lars hat abgelehnt, weil er ihr das geforderte Mitspracherecht nicht einräumen wollte.“

Eineinhalb Jahre haben die Arbeiten gedauert. Am Samstagabend erlebte der Film im Oldenburger Kino Casablanca seine Premiere. Der mittlerweile 13 Jahre alte Schüler hatte sein Ziel erreicht.

Die Handlung ist schnell erzählt: Der Film spielt im Jahr 1521 in der Nähe von Wittenberg. Die heiß umstrittenen Thesen des Reformators Martin Luther bewegen auch die Familie eines Schmieds.

Bei einem Marktbesuch vergisst Wolf, kleiner Bruder von Lena, Brote zu bezahlen. Die gewissenhafte Lena hatte dem Bäcker das Geld fest zugesagt und fühlt sich nun selbst als Diebin. Ihre Seelennot und Angst, von Gott für ihre Sünde bestraft zu werden, treibt sie eines Nachts in den Wald, wo sie Martin Luther (Steffen Groth) begegnet. Ihm gelingt es, Lena zu beruhigen: Gott sei barmherzig, sie könne auf Verzeihung hoffen. Sie müsse sich – anders als vom Papst beschworen – nicht vor Höllenstrafen fürchten.

Luther bringt Lena nach Hause zurück. Die Familie ist überglücklich und gewährt dem verfolgten Reformator dankbar Unterschlupf.

Premieren-Talk

Die von Stage-Akademie-Leiter Markus Sobotta und Sabine Reinhardt moderierte Talkrunde nach der Premiere zeigte, mit wie viel Herzblut dieser Film entstanden ist. Lars Reinhardt, wohl einer der jüngsten Filmemacher Deutschlands, hat mit seiner Idee nicht nur die Schauspielprofis angesteckt, sondern auch Sponsoren (LzO), Mitschüler und Freunde.

Die Begeisterung für das außergewöhnliche Projekt trägt über die Schwächen des Films hinweg.

Warum Lena einem Fremden nachts im Wald ihr Herz ausschüttet, erschließt sich dem Zuschauer nicht ganz. Die Darstellung des Familienlebens besticht durch sehr schöne Aufnahmen, hat aber Längen. Der Film sei bis zur Premiere nicht komplett fertig geworden, berichtete Manfred Scholz. An technischen Details werde noch gefeilt.

Auch ansonsten geht das Projekt weiter. Torsten Neumann könnte „Fehlerlos?!“ beim Oldenburger Filmfest zeigen, hoffen die Filmemacher. Bürgersender hätten ihr Interesse bekundet, erzählt Manfred Scholz, ebenso gebe es Anfragen von Kirchengemeinden. Mit weiteren Überraschungen ist zu rechnen.


Mehr Fotos unter   www.nwzonline.de/fotos-oldenburg 
Christoph Kiefer
Redaktionsleitung
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2101

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