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NWZonline.de Region

Beim nächsten Ton ist es das 19. Jahrhundert

22.02.2016

Oldenburg Sanfte Klänge am Flügel und hohe Töne im Gesang – Die Zuschauer neigen ihre Köpfe und genießen die Ballade sichtlich. Es schmunzelt, wer derweil eine Karikatur auf der Leinwand betrachtet: Musizierende Frauen, fauchende Katzen und genervte Ehemänner – das Chaos erwacht zum Leben.

Genauso könnte sie vor zwei Jahrhunderten ausgesehen haben, die englische Musikkultur in der großbürgerlichen Gesellschaft. Der Musikvortrag „Delights of Harmony – Englische Salonkultur um 1800“, veranstaltet von der Deutsch-Britischen Gesellschaft (Debrige) in Kooperation mit der Universität, fand großen Zulauf. Etwa 50 Gäste lauschten einem abwechslungsreichen Programm im Konzertsaal von Piano Rosenkranz. Ein besonderer Glanzpunkt war der historische Flügel von 1857, auf dem die musikalische Darbietung noch besser zum Tragen kam.

Hintergrund der Veranstaltung ist ein Forschungsprojekt der Musikwissenschaftlerin Melanie Unseld von der Uni Oldenburg. Zwar seien die Opernhäuser der großen Musikmetropolen, wie zum Beispiel London, gut erforscht. Von der häuslichen Musikpraxis wisse man hingegen sehr wenig. Um das näher zu erforschen, half der Karikaturist James Gillray (1756-1815).

Maren Bagge und Clemens Kreutzfeldt zeigten verschiedene Karikaturen. Durch den Vortrag bekam der Zuschauer tiefe Einblicke in englische Gesellschaftszimmer, den „Salons“, um 1800 – da sah es nämlich gar nicht immer so harmonisch aus; der Musik wurde meist nur oberflächlich zugehört, und die Menschen waren mit sich selbst beschäftigt. Durch das Zusammenspiel von Bild, Gespräch und Musik hörte der Zuschauer förmlich die Gläser klirren, die Frauen schwätzen, und er vernahm auch die wohl oftmals schiefen Töne auf Klavier oder Geige. Gillway griff nicht nur tagesaktuelle und politische Themen auf, sondern widmete sich ebenso kritisch der Musik. Teilweise sind seine Karikaturen mit einem heutigen Klatschblatt zu vergleichen; er hatte stets berühmte Musiker, Dukes und andere wichtige Persönlichkeiten der hohen Gesellschaft im Visier. „Es gab damals weder Zeitungsartikel noch Rezensionen“, so Musikwissenschaftler Kreutzfeldt, „daher sind diese Karikaturen für die Erforschung der Musikkultur sehr wertvoll.“ Das Publikum war überwältigt vom Konzert.

„Es war toll, dass es ein so junges Team war. Das brachte viel Leben in den Abend“, fand Luisa Hamann (23). Mara Dijkgraaf (22) begeisterte die Idee, Zeichnungen sprechen zu lassen: „Durch die Bilder an der Wand konnte ich mir gleich vorstellen, wie es damals war.“

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