• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
Er ist neuer Präsident der Oldenburgischen Landschaft
+++ Eilmeldung +++
Aktualisiert vor 10 Minuten.

Prof. Dr. Uwe Meiners
Er ist neuer Präsident der Oldenburgischen Landschaft

NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Belesene Kinder – belebende Jugendliche

18.11.2015

Oldenburg Ein Kulturschock im wahrsten Sinne ist’s wohl für Belesene, völlig normal aber für Pädagogen und auch die Veranstalter der Kinder- und Jugendbuchmesse: Warteschlangen vor den Spielecomputern – aber leere Plätze in den herrlich hergerichteten Jugendbuchsälen. Gleich busweise kommen die Kinder aus Kitas und Grundschulen zum Kulturzentrum PFL, Jugendliche aber nur vereinzelt. Diese Zielgruppe zu erreichen, scheint ein reines Glücksspiel zu sein. Vielleicht ist es aber doch eher die erwachsene Erwartungshaltung, denn: „Das Buch steht schon lange nicht mehr für sich allein“, so Dr. Mareile Oetken (Koordinatorin für Kinder- und Jugendliteraturforschung der Uni), „es ist wichtig, Literatur in unterschiedlichen Dimensionen und Themenfeldern zu zeigen.“ Und damit auch den schwindenden Zielgruppen.

Gewinne wichtig

Ängste und Sorgen, dass die Jugend „verroht“, könne sie nicht teilen. Sehr wohl gebe es eine große Spannweite in der Literaturvermittlung – sagt Oetken eher auf gefühlten, denn wissenschaftlichen Grundlagen. „Lesen geschieht nicht von allein; das Interesse muss geweckt werden, auch durch schöne Vorlesesituationen, durch einen Gewinn.“

Bei Miriam Konate gibt’s den immer inklusive. Die Oldenburgerin ist so etwas wie ein Dauerbrenner bei der Kibum. Seit vier Jahren ist sie als Vorleserin für die Kleinkinder-Veranstaltungen mit dabei, in diesem Jahr mit gleich 14 Terminen und in verschiedenen Rollen. Besondere Ehren: Sie eröffnete (nach dem offiziellen Part) die Kibum 2015 mit Naturgeräuschen – und schloss diese auch am Dienstagnachmittag mit „Gwendolin Giraffenkind“ ab. Laubkronen statt Full-HD-Bildschirm, großer Sitzkreis statt abgeschotteter Medienstationen. Es ist halt eine andere Zielgruppe, die Konate begeistert. „Um Kinder an Bücher heranzuführen, muss man so früh wie möglich anfangen“, sagt sie, „hier geht es ja auch um die Sprachförderung.“

Konate ist davon überzeugt, dass Kinder sich unter bestimmten Voraussetzungen eher auf Literatur einlassen können: „In meinen Vorlese-Rollen darf mir nichts peinlich sein, darauf reagieren sie – und wenn die Eltern freier sind und mitmachen, sind auch die Kinder dabei.“ Es bedarf also durchaus gewisser Aktionen, um jungen Leuten Literatur zu vermitteln.

Verpackung wichtig

Konates Kinder (9 und 10 Jahre alt) kommen langsam in ein für Kibum-Verhältnisse schwieriges Alter. Noch verschwinden sie mit Büchern in der Leseecke, noch besuchen sie die Messe mit Leidenschaft – auch in großer Runde mit ihren Mitschülern. Schon bald aber dürften die neuen Medien, neue aktive Erlebnisse, ihren Anteil am Spaß einfordern. „Ich finde, ein Computerraum gehört nicht unbedingt zur Messe“, sagt sie – und steht damit auch nicht allein. Flugsimulatoren und Strategiespiele auf dem Monitor als übermächtige Konkurrenz für Bücher? „Entscheidend ist wohl die Verpackung. Nur Bücher hinstellen und warten, dass das Publikum kommt, zieht allein nicht, auch wenn die Qualität des Angebots außer Frage steht“, sagt Christian Kühn (Uni, Kibum-mitverantwortlich).

Soll heißen: Um zusätzliche Angebote für den Medientransfer bei Jugendlichen kommen die Organisatoren nicht herum. Veranstaltungen mit Event-Charakter – diesmal ohne Laubkrone und Teppichkrabbeln, dafür Rap-Konzerte, Promis, Workshops oder Bewegtbild-Lesungen – waren stets ausgebucht. Und das zeigte schon die „Manga“-Kibum 2010: „Eine Verknüpfung von Film, Theater, Diskussion mit dem Autor motiviert mehr und gibt jugendlichen Lesern das Gefühl, ihren eigenen Platz bei der Messe zu haben“, so Kühn.

Apropos: Im nächsten Jahr werden Veranstaltungen auch mal am neuen Jugendbuch-Standort präsentiert, dies wurde diesmal vernachlässigt. Und: „Zukünftig sollten wir in der Werbung und Außendarstellung andere Wege gehen, uns noch digitaler aufstellen, um die Jugendlichen dort zu erreichen, wo sie sich virtuell aufhalten“, sagt Bibliotheksleiterin Heike Janssen. „Wir erreichen sie jetzt über die Zusammenarbeit mit Schulen, insbesondere wenn wir gezielt deren Interessen aufgreifen.“

Ins Gespräch kommen

Kleine Schrauben, die hoffentlich Wirkung zeigen. So ein „Trial-and-Error-Verfahren“ (Oetken) sei völlig in Ordnung und kein Fehler der Verantwortlichen. Denn an einem Punkt können die Veranstalter partout nicht drehen: an der heute fehlenden Zeit der Jugendlichen.

„Letztlich wären wir gut beraten, mit den Organisatoren anderer Buchmessen ins Gespräch zu kommen, um zu hören, wie andernorts die Jugendlichen eingebunden werden“, sagt Christian Kühn – kein resigniertes Negativ-Resümee der Messe, sondern ein hoffnungsvoller Ausblick.

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2107
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.