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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Vorführung: Besucher zu Tränen gerührt

15.12.2015

Kreyenbrück Bombenangriffe und die Hakenkreuz-Fahne, Schultrachten und Weihnachtsbäume, Panzerparaden und Tänze: Das sind nur einige von vielen schwarz-weißen Erinnerungen an die Hindenburg-Kaserne. Die hat eine lange und teilweise schockierende Geschichte hinter sich. Wer allerdings genauer hinblickt, entdeckt gleichwohl sehr überraschende und schöne Erlebnisse – davon berichten Kinder, die in der Hindenburg-Kaserne aufwuchsen.

Nach ihren Geschichten suchten die Filmemacher Norbert Pollak und Gerold Kehmeier und zeigten am Sonntagabend einen Dokumentarfilm in der Kantine von EWE Netz an der Cloppenburger Straße, dort, wo der ehemalige Block 3 stand. Ein Jahr lang arbeiteten Pollak und Kehmeier in ihrer Freizeit an diesem Bericht und stellten Filmmaterial, Fotos und Interviews zusammen.

Hühner und Schweine

Nachdem in der Hindenburg-Kaserne neun Jahre deutsche Soldaten stationiert waren, bot sie nach dem Krieg 1945 vielen Vertriebenen eine Unterkunft; zunächst nur notdürftig, schließlich entstanden Wohnungen, Spielplätze, eine Schule (die NWZ  berichtete). Auf engem Raum wohnte man mit Hühnern und Schweinen in einer Anlage zusammen. Zudem richteten sich Gewerbebetriebe ein, wie zum Beispiel Jank & Co, der noch heute in Etzhorn existiert. Die Familie Didzun gründete in der Kaserne 1955 ihre Fleischerei, eröffnete 1956 gegenüber an der Cloppenburger Straße und betreibt heute einen Partyservice.

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Zur Weihnachtszeit trafen sich die Mütter, um Pullover zu stricken. Als der Rock’n’Roll kam, hatten die Jugendlichen im Keller Spaß mit ihrem Plattenspieler. „Es war eine schöne Zeit in der Kaserne“, sagte Lieselotte Wild gegenüber der NWZ , „man konnte zur Schule gehen, hatte seine Freunde, es war ein starker Zusammenhalt da“. 1956 zog die Bundeswehr in die Kaserne ein; der Standortübungsplatz diente zur praktischen Ausbildung. Bilder von Musikern, Lichtern und Tanz erinnern an den Alltag in der freien Zeit der Soldaten.

Immer was los

„Im Soldatenheim war jeden Donnerstag was los“, erinnert sich Hella Drewes, „da wurde Billard gespielt, geredet und getanzt“. Auch die Alte Wache und die Alte Schmiede nutzten die Soldaten zur Freizeitgestaltung. In der UHG wurden große Bälle gefeiert. „Jedes Jahr am vierten Dezember kam man zur Barbarafeier“, weiß Otto Böttcher (78) aus Kreyenbrück noch genau. Als Soldat vom Stab-/Stabsbatterie Artillerieregiment 11 lebte er von 1960 bis 1964 in der Kaserne. „Das waren die schönsten Feste“, sagt er.

Ganz anders die Erlebnisse der Familie Hindenburg, die 1945 mit Schiebewagen aus Stettin (Pommern) nach Oldenburg kamen. Rösgen Petrack (80), heute lebt sie in Osternburg, war zu der Zeit neun Jahre alt, die älteste von acht Geschwistern: „Wir haben auf Strohsäcken geschlafen, in einem riesen Saal. Wir waren froh, dass wir untergebracht waren und zu Essen hatten.“ Es gab Brühe und Brot. Bruder Harald Hindenburg (76) aus Donnerschwee weiß noch genau: „Wenn es sonntags mal ein Ei gab, war das ein Fest. Das haben nur wir Kinder bekommen.“ Auch auf die ein oder andere Stulle verzichtete die Mutter für ihre Kinder: „Für die Eltern muss das eine harte Zeit gewesen sein“, sagt Petrack.

Bei der Kreyenbrücker Mühle verdienten sich die Flüchtlinge Äpfel und Kartoffeln dazu, wenn sie dort aushalfen. Erich Wiede aus Kreyenbrück, betreibt die Mühle noch heute: „Das waren ganz tolle Menschen und man hatte immer nette Gespräche. Auch er erinnert sich an die Kaserne: „Emil Huber hatte sein Fischgeschäft im Keller. Als Kind war das ein echtes Erlebnis, die großen Aquarien zu sehen.“ Die Kaserne bot den Menschen eine Heimat, und das Schicksal schweißte die Familien zusammen. An das Gefühl von Freiheit können sich viele erinnern. „Wäscheplätze, Kleingärten – wir hatten alles, was wir brauchten. Es war die tollste Kindheit“, sagt Petrack.

Bewegender Film

Nach dem bewegenden Film hatten sich die Freunde und Nachbarn der Hindenburg-Kaserne viel zu erzählen. Die Filmemacher sind zufrieden: „Mit so einer Resonanz hätten wir nicht gerechnet. Die Leute standen vor den Fenstern, um den Film zu sehen“, sagt Pollak begeistert. Weil die Vorstellung so schnell ausgebucht war und die Tür geschlossen werden musste, soll der Film ein weiteres Mal gezeigt werden. Ein Termin dazu ist noch nicht bekannt. Am 17. Januar ist eine zusätzliche Vorführung für die ehemaligen Soldaten der Hindenburg-Kaserne geplant.

„Es ist beeindruckend, was mit dem Film auf die Beine gestellt wurde“, findet Hindenburg. „Da kamen einem an mancher Stelle fast die Tränen“, sagt Schwester Petrack.

Nina Janssen Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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