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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Spurensuche: Bilder einer Ausstellung zensiert

23.12.2010

OLDENBURG Myriam Quiel hat sich daran gewöhnt, dass sie in Teheran das Haus nur mit einem Kopftuch verlassen darf. So lautet die Vorschrift für Frauen im Iran. Zu Weihnachten besucht die 36-jährige Künstlerin gemeinsam mit Töchterchen Nikita ihre Mutter in Oldenburg. „Wie gemütlich es hier ist“, sagt sie mit Blick auf die 16/17-Millionen-Metropole Teheran. Dort lebt sie seit 2008 mit ihrem Mann Amir Tami und ihrer zweieinhalbjährigen Tochter.

Myriam Quiel ist in Oldenburg keine Unbekannte, hatte sie doch 2007 den mit 8000 Euro dotierten Förderpreis Malerei der Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherungen gewonnen und damit auch eine Ausstellung ihrer Bilder im Stadtmuseum.

Abitur am Alten Gymnasium

Sie wollte immer einen kreativen Beruf, das war ihr schon als Schülerin am Alten Gymnasium klar, wo sie 1994 Abitur machte. „Künstlerin zu sein, das ist mein Traumberuf“, sagt sie auch heute noch, wohlwissend, dass am Monatsende kein geregeltes Gehalt auf ein Konto fließt.

Als Assistentin für Kostüm und Bühnenbild startete sie am Bremer Goetheplatztheater, ehe sie 1996 nach Berlin wechselte. Ab 1998 studierte sie Malerei in Dresden an der Hochschule für bildende Künste. Für das beste Diplom bekam sie dort 2005 einen Förderpreis.

Wie viele Künstler, so zog es auch Myriam Quiel anschließend nach Berlin. Sie lebte in Kreuzberg, hat auch manchmal gejobbt für Miete und Unterhalt. Nein, von Galerie zu Galerie mit einer Mappe unter dem Arm sei sie nie gezogen. „Das ist verpönt“, sagt sie, „man wird empfohlen.“ Und sie wurde empfohlen: Die Hamburger Galerie Dörrie Priess, damals noch mit Dependance in der Hauptstadt, zeigte ihre Bilder – auch in Einzelausstellungen.

Vater kommt aus dem Iran

Myriam Quiel hatte sich schon immer gewünscht, eine Zeitlang im Ausland zu leben: Paris oder New York vielleicht. Dann wurde es aber doch Teheran. Und damit spürte sie den eigenen familiären Wurzeln nach, denn ihr Vater stammt aus dem Iran. „Zunächst wollte ich nur einen Monat in Teheran bleiben“, erzählt sie.

Doch dann verliebte sie sich dort in ihren heutigen Mann Amir Tami – und aus einem Monat wurden zwei. Sie kehrte nach Berlin zurück, er kam sie besuchen. Am 15. Juli 2008 wurde Tochter Nikita geboren. „Nikita ist auch ein alter persischer Mädchenname“, erklärt Myriam Quiel gleich, da ihn viele als russischen Jungennamen kennen.

Gemeinsam entschied sich das Paar, in Teheran zu leben – im Norden der Hauptstadt in einem Haus, das der Familie ihres Mannes, der übrigens in Bad Homburg geboren wurde, gehört. „Alle waren wahnsinnig nett zu uns“, erzählt sie, „wenn Sie aus Europa kommen, sind Sie überall willkommen.“

„Mein Mann hat viele Kontakte in die Kunstszene, und so war es für mich einfach, andere Künstler kennenzulernen.“ Bereits im März 2009 wurden ihre Bildern in der Galerie Etemad gezeigt. Bei ihrer zweiten Ausstellung allerdings meldete sich die Zensurbehörde. Sie mussten die Bilder einen Tag nach der Vernissage abnehmen, weil sie religiöse Fahnen zeigten. „Natürlich haben sich auch meine Bilder durch meinen Umzug verändert. Diese Fahnen prägen das Stadtbild. Ich sehe solche Phänomene und sie beeinflussen meine Kunst. Das zu malen, ist nicht erlaubt.“

Immer mit Kopftuch

Sie könne sich als Frau ungehindert bewegen, aber eben immer mit Kopftuch oder Schal. Ein Mantel oder eine lange Bluse müssten den Po und die Arme bedecken. Manche Frauen trügen auch den halbkreisförmigen Tschador. „Dennoch kleiden sich in Teheran die jungen Frauen sehr sexy mit Highheels.“ Sie seien sehr selbstbewusst, besonders die Studentinnen.

Wie lange Myriam Quiel noch in Teheran leben wird, weiß sie derzeit noch nicht. „Vielleicht, bis Nikita in die Schule kommt.“ Aber zunächst einmal wird die Kleine in Oldenburg bei ihrer Großmutter mit Weihnachtsbaum und Geschenken Heiligabend feiern. Vielleicht können die Oldenburger Myriam Quiels Bilder aus Teheran irgendwann einmal sehen, zumindest eine Ausfuhr verbietet die Zensurbehörde nicht.

Sabine Schicke stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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