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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Über NS-Krankenmorde wird auch am Wegesrand informiert

03.09.2019

Blankenburg Seit kurzem steht in der Nähe des Parkplatzes zum Blankenburger See und gegenüber der Einfahrt zur derzeitigen niedersächsischen Landesaufnahmebehörde, dem ehemaligen Kloster Blankenburg, eine städtische Informationsvitrine. Sie wurde auf Initiative von Schülerinnen und Schülern der Freien Waldorfschule Oldenburg aufgestellt und gibt Auskunft über die Leidensgeschichte von Menschen, die an diesem Ort Opfer der NS-Euthanasie wurden.

Von 1937 bis 1941 waren in der Klosteranlage überwiegend Jugendliche und Kinder mit geistigen und körperlichen Einschränkungen untergebracht, die aus der „Unterrichts- und Pflegeanstalt Gertrudenheim“ (Friesenstraße) hierher verlegt wurden. Die Schülerinnen und Schüler haben gemeinsam mit ihrem Lehrer Christian Hauck-Hahmann und dem Oldenburger Historiker Dr. Ingo Harms seit 2014 in Archiven und Kirchenbüchern nach Namen und Lebensdaten sowie nach Umständen der hier Verstorbenen geforscht.

Ihre Untersuchungen ergaben, dass viele der hier untergebrachten Jugendlichen und Kinder aufgrund schlechter Behandlung, Unterernährung und in der Folge an Tuberkulose starben. Als sie im September 1941 von Blankenburg in die Anstalten Erlangen und Kutzenberg deportiert werden sollten, waren bereits 103 von ihnen tot.

Für den Umbau des Klosters Blankenburg in ein Baracken-Krankenhaus wurden im Dezember 1941 Fundamente ausgehoben und der Klosterfriedhof eingeebnet. Dabei wurden auch die Gräber der hier seit 1892 Begrabenen zerstört. 52 Leichen wurden jedoch vor Baubeginn auf den Neuen Friedhof Oldenburg umgebettet, wo sie allerdings in Vergessenheit gerieten, weil sie gänzlich ohne Bezeichnung blieben. Erst 70 Jahre später wurde entdeckt, dass unter einem mit Linden bepflanzten Rasenstreifen die 52 Opfer der Blankenburger Krankenmorde ruhen.

Öffentlichkeitswirksam setzten sich die Schülerinnen und Schüler für die Stiftung von Grabsteinen und Infotafeln für die in Blankenburg verstorbenen Pfleglinge ein. Seit 2018 gibt es auf dem Neuen Friedhof nun ein Feld mit einzelnen Grabsteinen, auf denen ihre Namen, Geburts- und Todesdaten zu lesen sind. Eine Gedenktafel informiert über die Forschungsgeschichte. Die jetzt aufgestellte Informationsvitrine vor den Toren des ehemaligen Klosters Blankenburg bringt die Untersuchungen der Schülerinnen und Schüler zum Abschluss. Die Vitrine steht auf städtischem Grund und Boden. Die Eigentümer des Klosters hatten die Aufstellung einer Gedenktafel auf dem Klostergrundstück abgelehnt.

Weitere Informationen finden sich im Artikel „Der Klosterfriedhof Blankenburg und die Opfer der NS-Krankenmorde. Wo liegen die Gräber“ von Ingo Harms und Schülern und Schülerinnen der Freien Waldorfschule Oldenburg unter http://oops.uni-oldenburg.de/id/eprint/3591.

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