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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Brachialer Rock und lässiger Soul an einem Abend

16.07.2016

Oldenburg Schrille Gitarren! Gurgelnde Orgeln! Große Gesten! Oh ja, der Oldenburger Kultursommer kann nicht nur außergewöhnliche Weltmusik. Er kann auch ganz bodenständigen Pop. Zu bestaunen gab es diese Erkenntnis am leicht feuchten Donnerstagabend auf dem Schlossplatz gleich zweimal: Zuerst gab es sensibel-brachialen Rock von Me + Marie (Schweiz, Italien), danach lässig-eleganten Soul der Londoner Formation The Ephemerals.

Stile, die Welten auseinander liegen, könnte man meinen. Doch die vorgeblich gewagte Mischung aus improvisationsfreudigem Hardrock einerseits und streng durchkomponierten Bläsersätzen andererseits funktionierte an diesem herbstlichen Sommerabend gut. Beide Bands waren so sehr mit Herz und mit Talent bei der Sache, dass solche Stilbrüche zum sinnvollen Nebeneinander wurden.

Mit Wucht ging es hinein in den zweiten Konzertabend des Kultursommers, Me + Marie liebten es, leise und feinfühlig einen Song zu beginnen, um ihn in einem heftigen Crescendo ausklingen zu lassen. Um diesen gepflegten Krach herzustellen, reichten Maria de Val, Roland Scandella und Erie Thomson ein eher bescheidenes Instrumentarium Gesang/Gitarre/Orgel/Schlagzeug.

Aber braucht es mehr, um heutigen Indie-Rock, der sich stark bei den Vorgaben des deutschen Krautrocks der 70er Jahre bedient, zu spielen? Nein, meinten Me + Marie und bedankten sich zum Ende hin schnell mit einem eigenwilligen „Ace of Spades“ bei der Band Motörhead, einer weiteren Inspirationsquelle.

Von großen Vorbildern inspiriert ist auch die Musik der Ephemerals. Ihr rauer Soul huldigt Legenden wie Geno Washington, Jackie Wilson oder Edwin Starr – also nicht unbedingt den Salonlöwen der klassischen Soulmusik, vielmehr den Künstlern aus Souterrain-Clubs.

Schweißtreibend, tanzbar und höchst unterhaltsam ist es mithin, was die Ephemerals zu neuen Sternen am Londoner Pophimmel gemacht hat und was die sieben Musiker auch den knapp 3000 Fans auf dem Schlossplatz boten. The Commitments aus dem gleichnamigen Kinofilm ließen grüßen.

Es war vornehmlich schwarzer Soul, den die Ephemerals zelebrierten und der von der Stimme des New Yorkers Wolfgang „The Wolf“ Valbrun grandios vorangetragen wird. Aber es war mehr: Die Musik ließ rockige Wurzeln (z.B. „Keep on“) ebenso erkennen wie sie jazzige Passagen unter anderem in „You’ll never see me cry“ zuließ.

Um einem Orgel- oder einem Trompetensolo nicht im Weg zu stehen, verließ Valbrun sogar zeitweilig die Bühne.

Was bewies: Diese Gruppe ist mehr als ein herausragender Soulsänger, diese Gruppe überzeugte in Oldenburg mit allen Mitgliedern um den Bassisten (und Bandgründer) Hillman Mondegreen. Und trotz ihrer liberalen Stilauslegung: Als zum Abschluss des Konzerts Isaac Hayes‘ berühmtes Epos „Use me“ in schönster Breite inszeniert wurde, hatten sich alle wiedergefunden bei Soul und Funk und jeder Menge Rhythmus. Geregnet hat es da schon längst nicht mehr.

Klaus Fricke

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