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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

 „wiener Konditorei“ In Oldenburg Schließt: Eine süße Beziehung neigt sich dem Ende

10.12.2015

Oldenburg Allein schon die Kartons. Wer mit so einem Paket in Weiß, Gold und Rosa durch die Tür geschaukelt kommt, hat alle Sympathien auf seiner Seite. Denn so ein Paket kommt aus der „Wiener Konditorei“, und das verheißt Gutes. Das wissen alle. Seit 1935. Seit der Vater von Hans Janßen die „Wiener Keks-Konditorei“ an der Langen Straße eröffnete. 120 Sorten Kleingebäck hat er hier mit seinem Gesellen gefertigt.

Jahr für Jahr haben die Janßens ihren Ruf bestätigt – ohne Expansionsdrang, ohne Filialen. Hans Janßen sagt: „Wir wollten eine persönliche Fürsorge um die Ware.“ Alles konzentriert sich hier auf das, was aus der Backstube kommt und wie es unter der Regie der jung gebliebenen Chefin freundlich weitergegeben wird. Die Intensität, die daraus entsteht, ist in dem Laden an der Heiligengeiststraße fast mit Händen zu greifen.

Wer an die „Wiener“ denkt, denkt an Schokocremebögen, Himbeerschnitten, Himmels- und Latte-Macchiato-Torten, Frankfurter Kränze, Kraftkornbrote, Marzipankastanien, Prinzen, Pulvertürmchen, Pralinen, das einzigartige Weihnachtsgebäck und das wunderbare Teegebäck – um nur einige, aber massive Gründe zu nennen, warum es nun eine sehr schlechte Nachricht gibt. Denn Ende Januar hören Hans (66) und Anne Janßen (63) aus Altersgründen auf. Das Haus haben sie verkauft. Denn Nachfolger gibt es nicht. Ihre Kinder haben einen anderen Weg gewählt.

Damit geht die Ära der „Wiener“ zu Ende. An ihrer Stelle entsteht ein neues Haus, mit einer Praxis, vielleicht auch mit Konditorei und Café, aber eben anders: ohne Backstube und ohne Hans und Anne Janßen mit ihrem 18-köpfigen Team, das schon so lange hier arbeitet und beliebt und vertraut ist.

Aber auch für die Janßens ist der Übergang nicht so einfach. „Ich bin wehmütig“, sagt Hans Janßen. „Jedes Mal sagen wir jetzt, das sind die letzten Stutenkerle, die wir machen, die letzten Klaben, huh, das fällt mir schwer.“

Die Kunden können es ohnehin kaum fassen. Sie wollen, dass diese süße Beziehung nie aufhört. Andererseits haben sie Verständnis, dass man irgendwann lange genug gearbeitet hat. Hans Janßen steht seit 50 Jahren in der Backstube. Als sein Vater an einem Herzinfarkt starb, war er 16 Jahre alt. Aus der Lehre in Jever ging’s schnell zurück, um der Mutter zu helfen, „die mit dem Café plötzlich alleine dastand“. Seinen Gesellenbrief machte er in den „Holländischen Kakaostuben“ in Hannover, dann den Meister, 22 Jahre war er Innungsobermeister, heute ist er Ehrenobermeister.

All die Rezepte, die sein Vater aus Dresden und Emden mitgebracht hatte, pflegen die Janßens immer noch: „Dresdner Eierschicke“ zum Beispiel, ein zweischichtiger Käsekuchen mit lockerem Eischnee. Janßen: „Den findet man nur noch selten, weil er so aufwendig und empfindlich in der Herstellung ist.“ Auch sein Stollen gehört dazu, „oder aus Ostfriesland der Kranzkuchen und die Bankettrollen“.

Fast jeder Oldenburger verbindet etwas mit der „Wiener“: Von Kindheitserinnerungen an den ersten köstlichen Kakao mit Sahne bis zu den individuellen Torten. Auch Karl-Heinz Geerken schätzt die Torten. Gerade bestellt er Käse-Sahne. Etwa zum 50. Mal. Denn zu jedem Geburtstag seiner Neffen spendiert er traditionell auch eine „Käse-Sahne“ von der „Wiener“ – vom ersten Geburtstag an. Einer wird jetzt 25, der andere ist 22.

Hans Janßen hat es immer geliebt, die Hochzeitstorten am Abend noch persönlich vorbeizubringen: „Das waren tolle Erlebnisse, überall verschieden und immer schön. Wenn ich dann am Samstag um 23 Uhr durch die Straßen nach Hause gefahren bin, war ich nur glücklich.“

Sehr glücklich waren Anne und Hans Janßen auch, als sie damals ihr Café eröffneten und es gleich so gut ankam. Und sie sind es mit ihren Café-Besuchern bis heute. „Das ist so gemütlich hier, man sitzt so schön eng, es ist warm und freundlich und vertraut“, sagt Annelotte Lietz.

Die Janßens werden Rezepte an Oldenburger Konditoren weitergeben und ab Februar, nach all den Anstrengungen, „ein Jahr lang erstmal gar nichts tun“, nur in den Garten gehen – und vielleicht doch mal einen Kuchen backen, Kranz oder gedeckten Apfel für ihn, Joghurt-Johannisbeere für sie, ihre Lieblingssorten.

Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
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