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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Klassik: Das letzte Werk des Wunderkinds klingt nach

07.03.2016

Oldenburg Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem KV 626 hatte einen mysteriösen Auftraggeber. Ein Graf Waldegg wollte sich selbst als Komponist präsentieren, nachdem er das vollendete Werk in Empfang genommen hatte. Doch der Betrug flog auf. Es wurde bekannt, dass Mozarts Schüler Franz Xaver Süßmayer das Werk des über der Arbeit verstorbenen Komponisten zu Ende geführt hatte.

Diese Fassung war es auch, die Johannes von Hoff, der Leiter der Ansgari-Kantorei, für zwei Aufführungen am Wochenende zugrunde gelegt hatte. Nach langer Zeit, sagte er, sei das Werk wieder einmal von der Kantorei einstudiert worden. Die Wartezeit hat sich gelohnt. Die Zuhörer in der voll besetzten Kirche erlebten eine beeindruckende Darbietung des letzten Werkes Mozarts. Am Ende steigerte sich der Beifall nach einem zunächst einminütigen Glockengeläut zu einem stehenden Applaus. Einfühlsam begleitet wurde die Kantorei von dem auf Originalinstrumenten spielenden Orchester „La Dolcezza“ der Oldenburgerin Veronika Skuplik.

Doch der Anfang überraschte. Nicht Adagio wie im „Requiem aeternam“ vorgegeben, sondern ein schnelleres Andante-Tempo wurde von Hoff gewählt. Das ließ erahnen, dass der Dirigent eine Version anstrebte, die auf eine eher die theatralischen Momente des Werkes betonende Interpretation zusteuern würde.

So unterschieden sich dann auch die ersten beiden Teile nicht wesentlich vom „Dies Irae“, das naturgemäß besonders dramatisch genommen wird. Die introvertierten Passagen entfalteten so oft nicht ihre volle Wirkung. Diese vermisste man auch im kraftvollen „Rex tremendae“ beim plötzlichen Charakterwechsel zu den Worten des „Salva me“ oder bei der flehentlichen Bitte „Voca me“ im „Confutatis“. Auch das klagende „Lacrymosa“ hätte man sich stellenweise mehr verinnerlicht gewünscht.

So blieb am Ende ein gewaltiger, von mitreißender Dramatik beherrschter Eindruck haften, gesanglich auf höchstem Niveau von der ausgezeichneten Ansgari-Kantorei dargeboten, aber das Tiefberührende wollte sich nicht so recht einstellen.

Den Solisten sind besondere Glücksmomente zu verdanken. Der schlanke, klare, besonders in der Höhe achtsam geführte Sopran von Cornelia Samuelis berührte. Auch die Mezzosopranistin Geneviève Tschumi gefiel mit ihrer warmen dunklen Stimme. Der Bariton Yoo-Chang Nah und der lyrische Tenor Mirko Roschkowski zeigten ihre gesanglichen und musikalischen Qualitäten nicht nur in solistischen Momenten wie im „Tuba mirum“, sie überzeugten auch im Ensemblegesang.

Dem Betrüger Graf Waldegg sei verziehen. Ohne ihn hätte es dieses großartige Werk nicht gegeben.

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