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NWZonline.de Region

Den richtigen Riecher für ein Sahnestück

19.02.2016

Oldenburg Selten hat ein Stück im Vorfeld so viel Aufmerksamkeit erfahren wie „Terror“, das am Sonnabend nach öffentlichen Proben im Oberlandesgericht und im Staatstheater nun endlich seine Premiere erlebt.

Schauplatz ist das Große Haus. Dort wird die Gerichtsverhandlung stattfinden über den Bundeswehr-Piloten Lars Koch, der einen entführten Airbus mit 164 Menschen abgeschossen hat, um ihn vom Kurs auf ein mit 70 000 Menschen besetztes Fußballstadion abzubringen.

Man hätte sich das Kammerspiel des Münchner Anwalts und Autors Ferdinand von Schirach durchaus an einem kleineren Spielort vorstellen können. „Ja, aber als uns der Verlag das Stück vor anderthalb Jahren anbot, hatten wir zum Glück einen guten Riecher“, bestätigt Peter Hailer zufrieden, der neben Politik- und Musikwissenschaften auch Jura studierte. Vor diesem Hintergrund erkannte Hailer schnell, dass „Terror“ ein „Sahnestück“ ist mit Plädoyers, die für Gänsehaut sorgen. Dem Richter schrieb der Autor sogar zwei Urteilsbegründungen auf den Leib, eine für „schuldig“, eine für „unschuldig“. Beide fühlten sich absolut nachvollziehbar und richtig an, findet Peter Hailer.

Man habe nicht einfach eine Gerichtsverhandlung nachspielen wollen, erzählt Dramaturg Jonas Hennicke, sondern habe Raum und Kostüme weiterentwickelt. So entschied man sich beispielsweise gegen klassische, schwarze Roben. Stattdessen ist die Kleidung aller Prozess-Beteiligten vom Richter (Matthias Kleinert) über Staatsanwältin (Franziska Werner) und Verteidiger (Leander Lichti) bis zu den Zeugen (Klaas Schramm und Christina Kühnreich) mit grauen Elementen versehen. „Die Farbe verbindet sie“, erläutert Hennicke. Einzig der angeklagte Pilot, der von Yassin Trabelsi gespielt wird, trägt eine eigens für ihn angefertigte Bundeswehr-Uniform. (Kostüme: Britta Leonhardt).

Die Bühne hat Dirk Becker entwickelt. Becker hat einige Stühle aus den ersten beiden Reihen im Parkett entfernt und dort Treppenstufen gebaut. Sie sind ebenso Rot wie die Sitzreihen im Saal und führen hinauf auf die Bühne, wo sich die Farbe im Boden fortsetzt. In einem offenen Halbrund stehen dort drei formschöne Pulte, die wiederum so pechschwarz sind wie der Fußboden im Saal. Bühne und Zuschauerraum fließen nicht nur farblich ineinander, „sie komplettieren sich“, erläutert der Dramaturg. Die Besucher haben direkten Blickkontakt zu allen Prozessbeteiligten. Sie sind nicht nur Zuschauer, sondern auch Richter.

Am Ende werden sie urteilen müssen über Schuld oder Unschuld von Lars Koch. Per Handzeichen. Sichtbar für alle anderen im Saal. „Das wollten wir so“, sagt Regisseur Peter Hailer. Eine Abstimmung beispielsweise per Knopfdrück, wie sie in anderen Theatern praktiziert wird, sei ihm zu unpersönlich gewesen, argumentiert der Oberspielleiter.

Bundesweit betrachtet ist das Oldenburgische Staatstheater das 14., das „Terror“ auf den Spielplan hebt, seit es am 3. Oktober gleichzeitig in Frankfurt und Berlin uraufgeführt wurde und jeweils mit Freisprüchen endete. Alleine bis zum Ende der Spielzeit am 30. September werden elf weitere Theater folgen.

Es bleibt spannend, wie das Oldenburger Publikum entscheiden wird. Bei der öffentlichen Probe im Oberlandesgericht entschied es auf „schuldig“ (die NWZ  berichtete). Nimmt man alle Vorstellungen in Deutschland zusammen, liegt der Trend in dieser Woche bei 58,7 Prozent, die für einen Freispruch plädierten.

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