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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Der höchst unterhaltsame Nieser von Fred Ott

30.01.2013

Oldenburg Häufig hat Gustav Mahler in seinen großen Orchesterwerken gefordert: „Wie ein Naturlaut!”. Manche sagen, selbst er habe diesen ersehnten Klang nie erreicht. Das oh-ton-Ensemble pirscht sich dichter ans Ideal. Das Konzert unter dem Titel „Schwarze Spiegel” in der gut besuchten Exerzierhalle stellt hauchdünne, hauchzarte Klangprozesse inmitten von Geräuschballungen. Es ist eine faszinierende Reise in eine Welt aufbrausender, treibender, statisch ruhender und ins Unhörbare flüchtender Klänge.

Frédéric Pattars Quartett „Miroir noir III” für Celesta/Toy-Piano, Violine, Viola und Cello gibt dem ganzen Spektrum den Namen: Ein in Pastellfarben schillerndes filigranes Bauwerk, zusammengesetzt mit allen Spieltechniken von rutschend aufheulenden Bogenstrichen, Pizzicati auf mit Klammern fixierten Saiten oder klatschenden Bogenhaarschlägen.

Pattar (43), aus Dijon stammend, für seine dicht gewebten Kompositionen hoch dekoriert, persönlich anwesend, ist der Star des Abends. Ob der dritte Teil seiner Schwarze-Spiegel-Trilogie (2009), ob „Frage” von 2011 für sieben Instrumentalisten oder vor allem die Uraufführung von „Apneïa”: Alles zeigt Pattar als souveränen, aber stets innovativen Meister, der seine Stücke nicht durch die Nervosität der Moderne aufladen muss. Er ist ihr schon voraus.

„Apneïa”, von oh-ton in Auftrag gegeben, setzt auf den Zusammenklang der neun Spieler. Der Komponist entpuppt sich nicht als verbohrter Tüftler, sondern breitet seine Klangentdeckungen in sinnlich fassbaren Formen aus. Da werden Klänge abseits und hinter den Tönen spürbar. Und wie die meisten der sieben Kompositionen des denkwürdigen Konzerts läuft das kompakte Werk in eine beredte Stille aus.

Helmut Oehring, Leopold Hurt, Antoine Chessex und Alexander Schubert als Mitstreiter halten stets eine vibrierende Spannung hoch, weil sie höchst abwechslungsreiche Kompositionen bis zu treibenden Jazz-Anklängen beisteuern. Hurts „Fred Otts Sneeze“ (Nieser) erzeugt durch elektronische Zuspielung das breiteste Klangspektrum. Chessexs Uraufführung „Ritournelle fulgurante“ tritt mit seinen drei Streichern kess hervor und zieht sich augenzwinkernd in die Nische zurück.

Die 15 Mitwirkenden vom hoch spezialisierten oh-ton-Ensemble entfalten ihre Virtuosität in allen Facetten, von der knirschenden Attacke bis zur sauberen Durchzeichnung im wuseligen Gewimmel. Im Sport wären solche Universalkünstler wohl Zehnkämpfer. Und die ehrt man dort als die „Könige der Athleten“.