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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Der Traum von einer besseren Disco

21.06.2014

Oldenburg Einem alten Kumpel verwehrt man eigentlich keine Bitte: Aber bei aller Liebe – Modern Talking auf der Bühne im „Ede Wolf“? Das ging für Manni Dieks gar nicht. Und so lehnte er die Auftrittsanfrage seines früheren Oldenburger Musikerkollegen Dieter Bohlen, mit dem er in den 70ern zusammen in der Band Mayfair gespielt hatte, ab. Dass damit Dieks’ Diskothek der Ruhm entgangen ist, Bohlens 1984 gestartete Weltkarriere begleitet zu haben, stört ihn ebenso wenig wie Mitinhaber Eduard „Ede“ Schicke: „So ’ne Playback-Plastik-Mucke hätte nicht zu uns und zu unserem Laden gepasst“, sind sich beide einig. Denn das „Ede Wolf“, für das die beiden Musiker ihre Ersparnisse in den ehemaligen Schützenhof in Metjendorf am nördlichen Stadtrand von Oldenburg investiert hatten, war keine „klassische Disco“, sondern „progressiv“ und „alternativ“, betont Schicke.

Musikanlage von „Trio“

Das zeigte sich allein schon am Interieur: Vor der Eröffnung am 4. September 1981 wurde das leerstehende Lokal in Eigenarbeit renoviert. Tische und Stühle wurden gebraucht von einer Gaststätte am Drögen-Hasen-Weg übernommen, die erste Musikanlage stammte von der Band „Trio“ („DaDaDa“), deren Mitglieder oft im „Ede Wolf“ zu Gast waren. Später wurden die legendären „VitaVox“-Lautsprecher aus dem „Tiffany“, die Ede Schicke Ende der 60er Jahre für seine Band „Spektakel“ in London besorgt hatte, in einem Hühnerstall wiederentdeckt und – weil sie noch funktionstüchtig waren – im „Ede Wolf“ eingebaut.

Bei der Inneneinrichtung kräftig mitgeholfen hat auch Christian Sonnhoff. Der Schriftsetzer brachte Druckbögen von Plattencovern, die bei der Firma Stalling damals für Polydor gedruckt wurden, als Deko mit. „Damit haben wir den Saal zugekleistert“, erinnert sich der heute 60-Jährige. Sonnhoff stand jahrelang abends hinter dem Tresen – für die rot-weiße Markise, die über die Theke gespannt war, hatte er selber gesorgt. Der gelernte Schauwerbegestalter Dieks steuerte zur Inneneinrichtung großformatig gesprayte Comic-Szenen bei.

Apropos Comics: Als Cartoon-Fans entschied sich das Inhaber-Duo dafür, die Disco in Anlehnung an Schickes Spitznamen „Ede“ nach dem großen, bösen Wolf aus Disneys Entenhausen zu benennen. Das Publikum fand den Namen und das Konzept, Musik jenseits des Massengeschmacks zu spielen, prima. „Zu uns kamen Studenten, Freaks, Parka-Träger und alle, die mit der beginnenden Helmut-Kohl-Ära nichts anfangen konnten“, sagt Dieks. „Der Laden brummte“, nickt sein Freund und Kompagnon Schicke. An Sonnabenden habe es einen Durchlauf von bis zu 1200 Leuten gegeben. Als DJs legten Otto Sell und Thomas Seebeck auf. „Wir hatten einigermaßen Dusel“, räumt Dieks ein. Zum einen habe man davon profitiert, dass in Oldenburg das „Etz“, der Etzhorner Krug, schloss, zum anderen habe man nette Nachbarn gehabt, die sich trotz des Lärms tolerant gezeigt hätten. Auch mit dem Ordnungsamt gab es nie Stress – und das, obwohl das „Ede Wolf“ in den ersten vier Jahren mit einer Gaststättenkonzession betrieben wurde, die eigentlich nur gelegentliche „Tanzveranstaltungen“ zuließ. Erst danach wurde eine Diskotheken-Betriebserlaubnis erworben, die eine Reihe von Umbauten erforderte. „Allein in den Toiletten-Anbau haben wir fast 100 000 Mark gesteckt“, blickt Dieks zurück.

Cussick vergisst Gitarre

Von Anfang an sollte das „Ede Wolf“ nicht nur eine bessere Disco sein, sondern auch eine Spielstätte für gute Bands. Gerade die Auftritte von Bands wie The Temptations, Birth Control, Doldingers Passport oder von Donovan, Inga Rumpf und den Walkabouts machten den besonderen Ruf des „Ede“ aus. Auch das gerade neugegründete Hip-Hop-Trio „Fettes Brot“ habe in Metjendorf Anfang der 90er auf der Bühne gestanden, berichtet Manni Dieks. Gerne erinnert er sich daran, wie Klaus Doldinger 1986 seinen 50. Geburtstag im „Ede“ feierte. Unvergessen sind der schottische Sänger Ian Cussick, der ohne Instrument zum Auftritt anreiste, weil er vorher seinen Bass verschusselt hatte, und die Alkohol-Eskapaden des niederländischen Rocksängers Hermann Brood. Legendär sind auch die Konzerte der „Ede Personal Band“ – die musikbegeisterte Crew stand nicht nur im eigenen Laden auf der Bühne, sondern trat auch auswärts auf.

Die Macher blieben sich immer treu, das Publikum indes veränderte sich im Laufe der Jahre. Mitte der 90er seien die Leute aggressiver geworden, so dass man erstmals einen Sicherheitsdienst engagieren musste, blickt Ede Schicke zurück. Man habe gespürt, dass das „Ede Wolf“ aus einer Epoche „herausgewachsen“ war, resümiert er. Ein bisschen Bitterkeit schwang am Ende mit: „Ihr könnt uns alle mal am Arsch lecken“ stand in großen Lettern auf dem letzten „Ede Wolf“-Plakat kurz vor der Schließung der Disco im Jahr 1997.

Nach dem Ende des „Ede Wolf“ wurde in dem Gebäude an der Metjendorfer Landstraße das „Ballhaus Blue“ eröffnet. Nachdem das Haus zwei Jahre später bei einem Feuer vollständig ausbrannte, wurde die Ruine abgerissen und an ihrer Stelle ein Supermarkt errichtet.

Freunde fürs Leben

Manni Dieks betreibt nicht weit davon entfernt eine Werbe-Firma. Mehrere Jahre lang war der heute 64-Jährige nach der Ede-Wolf-Zeit mit Künstlern wie Herr Holm, Marlene Jaschke und Hape Kerkeling auf Tournee und hat als technischer Leiter für Licht und Ton gesorgt. Ede Schicke hat sich als Top-Schlagzeuger der Musik verschrieben, tritt mittlerweile aber kürzer: „Professionell arbeite ich zurzeit nicht, obwohl ich die Power dafür hätte“, sagt der 67-Jährige. Stark sind nach wie vor die Bande zwischen Schicke und Dieks: Die beiden sind immer noch dicke Freunde.


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Stephan Onnen
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2114

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