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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Im Yalta Club spielt auch das Wetter mit

06.07.2017

Oldenburg Ob es nach 90 musikalischen Minuten eine Zugabe gibt? – Oui! Und was für eine! Sowas hatten die fünf (Wahl-) Pariser bislang bei Auftritten dieser Form noch nie probiert: Vom Applaus der Menge getragen, verlassen die fünf Freunde die sicheren Bretter der Bühne und mischen sich aufs offenbar ungewohnte Terrain unter die Fan-Menge. Das Publikum, alt wie jung, setzt und hockt sich auf das Pflaster des Schlossplatzes, damit die hinteren Reihen ebenfalls eine gute Sicht auf die Vollblutmusiker erhaschen können. Schließlich geben diese durch Handzeichen und Händeklatschen den Takt an. Den Song hatten sie bereits vor wenigen Minuten auf der Bühne gespielt, nun – ohne E-Instrumente, Mikrofone und Verstärker – müssen alle ihr Stimmvolumen einsetzen, um die Verse erneut ertönen zu lassen.

2015 hatte Yalta Club diesen Song als Antwort auf die Anschläge auf Charlie Hebdo komponiert – ein musikalisches Statement, das Angst und Schrecken trotzen soll. Nun stimmt neben den Musikern der gesamte Platz mit in den Chor ein: „Why can’t we just love each other“ – Ja, warum denn eigentlich nicht? Zumindest für diesen besonderen Abend! Dabei hätte man diese beeindruckende Szene zu Beginn der Veranstaltung nicht unbedingt erwartet.

Auf Anfang: Yalta Club nennt sich die französische Indie-Pop-Formation, die am Dienstagabend – zum Bergfest des Kultursommers – bei Sonnenwetter auf der Hauptbühne am Schlossplatz spielt. Vier junge Männer und eine Frau zählt die Band. Coco (Gesang und Keyboard) stammt ursprünglich aus Lüneburg, heute lebt auch sie in Paris. Zu Beginn wirken die vier Jungs eher verhalten und fühlen sich augenscheinlich an ihren Instrumenten sicher, während Coco von Anfang an hinter dem Keyboard springt und tanzt. Diesen, ihren Vorsprung werden die vier Jungs später bestens aufgeholt haben – der Musik sei Dank!

Zwischen den Klängen von Trompete, Schlagzeug, Keyboard und Bass und den Textinhalten der Lieder besteht oftmals Kontrast: Werden in einem Lied Hundehotels besungen, widmet sich das nächste Lied der Situation einer Flüchtlingsfamilie.

„Ein glückliches Ereignis“ – so nannte Goethe damals rückblickend die inspirierende Freundschaft mit Schiller. Als ein solches Ereignis darf man auch die Gründung von „Yalta Club“ bezeichnen, denn allein einer zufälligen Begegnung im Park ist es zu verdanken, dass Coco ihre jetzigen Bandkameraden kennenlernte. Um die deutsch-französische Freundschaft perfekt zu machen, versuchen die Jungs, Deutsch zu lernen – so verrät Coco dem Publikum und bittet dieses, immer dann besonders laut zu klatschen, wenn ihre Mitspieler zwischen den Lieder Deutsch sprechen. „Sie freuen sich dann, ohne zu wissen, dass ich euch eingeweiht habe“, macht Coco alle Anwesenden zu Mitverschwörern.

Ob die männlichen Bandmitglieder tatsächlich ahnungslos sind? Nun ja. Effekt zeigt der Zuspruch in jedem Fall. Und auch die Anmoderation der nächsten Lieder gelingt perfekt.

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