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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Diese Frische bläst jeden Muff einfach weg

29.02.2016

Oldenburg Was für eine Liste! Sonaten, Suiten, Kantaten, Opern. Gut 3600 Werke. Alle von Georg Philipp Telemann. Der Hamburger Komponist war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein gut verzahnter Repräsentant des barocken Musikbetriebes. Bei aller routinierten Nutzung von gängigen Versatzstücken muss der Mann ernsthaft höchsten Spaß am Schuften gehabt haben. Wer Telemann im ausverkauften Schlosssaal vom Barockensemble des Staatstheaters hört, kann sich das mühelos vorstellen.

Den 16 Musikern hüpft die eigene Freude, solche animierende Musik zu beleben, förmlich von den Saiten. Aufrüttelnd knattern Celli und Bass vorwärts. Fast beängstigend drehen die Bratschen Pirouetten. Kühn wie in eine Alpen-Abfahrt stürzen sich die Geigen auf die Strecke. Behände aber bestimmt setzen Cembalo und Laute Stützen und ranken herum Girlanden.

Telemann darf in der Suite g-Moll „La Musette“ und der Ouvertüre D-Dur für Viola da Gamba und Streicher zeigen, warum er zu Lebzeiten am Musikerhimmel höher stehend wahrgenommen wurde als der Fixstern Johann Sebastian Bach. Die Kollegen Johann Gottlieb Graun (Konzert für Viola da gamba G-Dur) und Carl Philipp Emanuel Bach (Konzert für Traversflöte D-Dur) waren musikalisch ebenso untadelig beleumundet.

Man spürt bei Ensembleleiter Thomas Bönisch das Vergnügen an den vielen Varianten der Ausführung. Vom Cembalo aus begnügt er sich mit wenigen Zeichen und Andeutungen. Nicht nur Konzertmeisterin Claudia Schmid-Heise vermittelt ihm die Gewissheit, dass jeder fürs große Ganze spielt, obwohl jeder auch individuell an diesen tänzerischen, gravitätischen und emotional packenden Sätzen feilt. Bei anregenden Tempi, zuspitzenden Dehnungen und Kürzungen von Notenwerten und durchsichtiger Stimmführung kommt alles ebenso federnd leicht wie beherzt zupackend. Ganz selten gerät etwas, bedingt durch das vorwiegend moderne Instrumentarium, um Nuancen zu glatt.

Warum Barockmusik aktuell eine allen Muff wegblasende Frische entwickelt, zeigen die Solisten Hille Perl (Gambe) und Andreas Mäder (Traverso). Natürlich kann die in Bremen lehrende und in aller Welt gefragte Gambistin ihr siebensaitiges Instrument mit Eleganz, Raffinesse und purem Feinklang berückend singen lassen. Aber sie hat darüber hinaus viel zu erzählen, sie macht die barocke „Klangrede“ erlebbar. Das entwickelt eine ganz eigene Sinnlichkeit.

Und Staatsorchester-Flötist Mäder bildet das Subjektive und Unausgeglichene bei C. P. E. Bach ungemein dezent aber auch pointiert ab. Hui, wann atmet eine Flöte schon mal ein Pianissimo derart schwerelos und dennoch konturenscharf aus! Das schafft eine ganz eigene Poesie.

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