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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Memory-Tour führt Briten auch ins Kino

17.09.2019

Donnerschwee Ach ja, die „Memories“: Ein ganz besonderes Geschenk machte Ann Davies (79) ihrem Ehemann Ken zu dessen 80. Geburtstag. Sie lud ihn zu einer Reise nach Oldenburg ein, dorthin, wo Ken Davies als „Gunner“ (Kanonier, Schütze) in der damals nach dem kanadischen General Crerar benannten Donnerschwee-Kaserne von Ende 1956 bis Ende 1957 ein gutes Jahr seines Militärdienstes abgeleistet hatte. Geplant hatte das Paar aus dem Ort Maesteg in Wales die Erinnerungstour im April. Doch dann wurde Ann krank, die Reise musste verschoben werden – was sich im Nachhinein als Glücksfall erwies.

Es war ein Tipp des Oldenburger Tourist-Büros, der das Paar nur einen Tag nach ihrer Ankunft in Deutschland am 9. September, dem „Tag des offenen Denkmals“, zum Globe führte. Die Globe-Kulturgenossenschaft, die das 1955 erbaute Militärkino wiederbeleben will, hatte zu einem Tag mit Konzerten, Kaffee, Kuchen, Getränken und anregenden Gesprächen eingeladen. „Everybody is so friendly“: Besser hätte es der ehemalige Lkw- und Busfahrer nicht treffen können.

Feierabend mit Doris Day

Das Globe, in dem damals pro Tag zwei Filme gezeigt wurden, war für Davies wie für viele andere britische Soldaten neben Tischtennis so gut wie die einzige Möglichkeit, nach Feierabend etwas Abwechslung zu finden. Welche Filme Davies damals gesehen hat? „I have no idea“. 62 Jahre sind eben eine lange Zeit. Ein Blick ins Programmheft vom Januar 1957 gibt eine Ahnung davon, was damals so alles über die Leinwand flimmerte: „The left Hand of God“ mit Humphrey Bogart, „Alexander the Great“ mit Richard Burton und „The Man who knew too much“ mit James Stewart und Doris Day zum Beispiel.

Kontakte nach „draußen“ waren bei den Vorgesetzten der jungen Soldaten ungern gesehen. Mit dazu bei trug wohl auch, dass der wöchentliche Sold an die Besatzungssoldaten nicht in britischen Pfund, sondern in Armee-eigenen Gutscheinen (Davies: „Monopoly money“) ausgezahlt wurde. Es gab sie trotzdem, und was nicht verwundert, auch so manche romantische oder aus der Not geborene britisch-deutsche Liebesbeziehung.

Die außergewöhnliche Memory-Tour des besagten Paares aus Wales nach Nordwestdeutschland ist zu einem guten Teil dem Engagement von Dr. John Goodyear (39) geschuldet. Der Dozent für englische Sprache an der Universität Birmingham mit Lehraufträgen an der Jade-Hochschule, der wöchentlich zwischen dem Inselreich und Europa pendelt, hat als Mitglied der Globe-Kulturgenossenschaft Aufrufe in den britischen Medien geschaltet, um Zeitzeugen zu finden, die aus erster Hand übers Globe berichten konnten. „Davies war einer von 25, die sich meldeten“, sagt Goodyear, der sein Engagement um die Geschichte des Globe-Kinos als rein ehrenamtlich beschreibt.

Wie eine Zeitkapsel

„So etwas sieht man nicht jeden Tag. Das ist wie eine Zeitkapsel“, meint Rob Olver zum Oldenburger Globe. Der Mann mit der großen Videokamera arbeitet als Journalist für die britische „Forces Television“ in deren deutscher Niederlassung in Paderborn, die zweimal täglich Nachrichtensendungen für britische Armeeangehörige weltweit per Satellit ausstrahlt. Er war auf Vermittlung von Goodyear vor Ort, um Interviews mit dem Zeitzeugen Ken Davies und Mitgliedern der Globe-Genossenschaft zu führen.

John Davies’ Fazit: Es sei ein bisschen enttäuscht, sagt er zur Konversion des früheren Militärgeländes in ein neues Wohngebiet. Aber in 62 Jahren ändere sich eben vieles. Davies: „Life changes.“

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