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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Geschichte: Dreifaltigkeitskirche Geschenk des Grafen

27.06.2017

Oldenburg War Graf Anton Günther ein gläubiger Christ und schenkte Osternburg vor 401 Jahren eine Kirche, oder störte ihn während der Gottesdienste in der Hauptkirche St. Lamberti das Geklapper der Holzschuhe, mit denen die Osternburger, lauter kleine Handwerker und Torfbauern, zum Gottesdienst kamen? Die Wahrheit mag dazwischen liegen. Fakt ist, dass im Jahr 1616 die Dreifaltigkeitskirche nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht wurde. Graf Anton Günther von Oldenburg (1583-1667) hatte sie gestiftet.

Und er setzte damit ein Zeichen. Die Osternburger Kirche ist einer der ersten Kirchenneubauten nach der Reformation. Sehr viel Schrift, beispielsweise ist jede Bogennische der alten Empore mit Bibelversen bemalt, und der Name Dreifaltigkeit geben einen klaren Hinweis darauf, dass hier eine protestantische Kirche steht, sagt Dr. Jörg Welp von der Oldenburgischen Landschaft.

Überraschungen

Die Kirche selbst birgt Überraschendes. Auf dem Bild unmittelbar über dem Altartisch ist Jesus am Vorabend seiner Kreuzigung mit seinen zwölf Jüngern beim Abendmahl zu sehen. Jesus ist eine gewisse Ähnlichkeit mit den Bildnissen von Graf Anton Günther nicht abzusprechen. doch ob das gewollt ist, wäre wohl zu blasphemisch. Der Graf wollte sich sicherlich nicht über die Kirche lustig machen. Rätsel gibt das Bild allerdings auch in anderer Hinsicht auf. Die Figur des Lieblingsjüngers Johannes, vom Betrachter gesehen rechts neben Jesus, wurde nachträglich übermalt und zeigt seitdem den Kopf einer Frau. Möglicherweise Anton Günthers Ehefrau Gräfin Sophia Katharina von Oldenburg, die er 1635 heiratete als er 52 und sie 18 Jahre alt war?

Wunderburgpark angelegt

Man weiß es nicht. Klar ist aber, dass er diese Frau sehr geliebt und verehrt haben muss. Anton Günther legte für seine Gemahlin auch einen Park an, der als Wunderburgpark in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche bekannt wurde. Heute erinnern die Namen einer Grundschule, einer Apotheke und einer Straße an diesen Park, der nur noch in geringer Größe erhalten ist. In dieser Anlage befand sich ein Gartenhaus, das eine exotische wundersame Ausstattung besaß: die Wunderburg. Gräfin Sophia Katharina mag so manche Mußestunde in diesem Park verbracht haben und machte auf dem Hin- oder Rückweg zum Schloss Station in der Kirche. Das könnte auch die prächtige Ausgestaltung des Gotteshauses erklären.

Allerdings war die Dreifaltigkeitskirche zunächst nicht so groß wie heute und hatte auch keinen Turm. Die Glocken hingen an einer Holzkonstruktion neben der Kirche. Das änderte sich erst, als die Kirche 1734 vergrößert wurde. „Dafür trugen die Bauherren die alte Giebelwand im Westen vorsichtig ab, verlängerten das Kirchenschiff um vier Meter und errichteten den Turm“, heißt es in der Kirchenchronik von Christine Krahl. An den Seitenwänden der Kirche ist durch die unterschiedlichen Färbungen der Steine noch deutlich zu erkennen, dass man im Sockelbereich zunächst die alten Steine des Giebel wiederverwendete und erst darüber mit neuen Backsteinen weiterbaute.

Nicht zuletzt errichtete der Graf den Osternburger auch eine Kirche, weil die Bevölkerung stark anwuchs. 1636 wurden zudem Emporen eingebaut, um 100 zusätzliche Plätze zu schaffen. Bis ins 19. Jahrhundert hinein gab es eine strikte Sitzordnung. Die Männer saßen oben und die Frauen unten, ist in der Chronik nachzulesen.

„Das bedeutendste Kunstwerk in der Dreifaltigkeitskirche ist ohne Zweifel die Bemalung der Balkendecke“, schreibt Christine Krahl weiter. Und: „Die üppige künstlerische Gestaltung mit Medaillons, Rankenwerk, Grotesken und Bibelsprüchen ist ungewöhnlich qualitätsvoll für eine Dorfkirche.“

Beliebter Ort

Nicht zuletzt deshalb ist die Kirche heute sehr beliebt für Hochzeiten, Taufen aber auch Führungen sind sehr gefragt. Als Graf Anton Günther von Oldenburg und Delmenhorst sowie Herr von Jever und Kniphausen am 19. Juni 1667 starb, hat er seinem Volk ein Schmuckstück hinterlassen.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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