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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Ein ästhetisches Statement

10.02.2011

OLDENBURG „Grands Maîtres“ waren in der Exerzierhalle am Dienstag angekündigt, und sie kamen dann auch in einer erstklassigen Interpretation. Neu beim oh ton-ensemble war die Séverine Ballon, die mit einem technisch phänomenal gespielten, solistischen Stück von Liza Lim (*1966) das Publikum verzauberte. Sie bearbeitete ihr Instrument gleich mit zwei Cellobögen: einem normalen und einem eigentümlich umwickelten, dessen Saiten zusehends in die Brüche gingen. Symbolisiert wurde dadurch vermutlich das Miteinander der Einwanderer und Aborigines in der australischen Heimat der Komponistin. Das beidhändige Streichen beider Bögen auf Leersaiten am Ende wirkte dann wie eine Utopie einer respektvollen Koexistenz.

Alle weiteren Ensemblestücke des Abends konnten als ein sehr persönliches, ästhetisches Statement des langjährigen, künstlerischen Leiters Eckart Beinke gelesen werden. Die Quintessenz: Meisterliche Musik gibt es auch von Komponisten, die noch nicht unter der Erde liegen. Und fern von einem mancherorts anzutreffenden Prestigedenken in der Neuen Musik interessieren ihn insbesondere auch die Errungenschaften der experimentellen Popularmusik bezüglich verwendeter Instrumente (E-Gitarre u.a.), Klangveränderungen und die pulsierende, sehr körperlich wirkende Rhythmik.

Altmeisterlich erklangen „Talea“ (1986) von Beinkes Lehrer Gérard Grisey, der schon jetzt als ein Klassiker in der westlichen Musikwelt gilt. Adornos Ausspruch über Alban Berg, er sei der Meister des kleinsten Übergangs, könnte für diese vielgestaltige und doch in sich zusammenhängende Musik gelten. Für viele eine positive Überraschung war das wenig bekannte „Dr. K Sextett“ (1968/69), ein pointiertes Stück mit rasanten, kleinen Gesten, wie Klangschnipsel auf ein leeres Tonband gesetzt.

Das späte „Plektó“ (1993) von Iannis Xenakis, dem Schüler des Architekten Corbusier, hatte Dirigent Christoph Maria Wagner stringent einstudiert in ausnahmslos druckvollem Forte in allen Instrumenten. Durch die blockartig geschichtete Faktur wirkte die Musik so massiv wie eine Plastik von Eduardo Chillida. Das für Xenakis sonst typische Pulsieren geriet da etwas ins Stocken.

„Professor Bad Trip: Lesson I“ von Grisey-Schüler Romitelli ist nicht zum typischen Kanon der großen Meisterstücke zu rechnen, war im Stil eines psychedelisch überdrehten Progressive Rock aber erfrischend als Abschluss. Das Konzert war ein ästhetisches Statement. Hier war das Ensemble bei sich zu Hause.