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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Ein Leben für Bücher und Papierschätze

11.08.2012

Oldenburg Ein Bonmot von Loriot, leicht abgewandelt, kommt in den Sinn, wenn man mit Dr. Egbert Koolman spricht: „Ein Leben ohne Bücher ist möglich – aber sinnlos.“ Bücher haben den Historiker zeitlebens begleitet. Als Chef der Oldenburger Landesbibliothek war er Herr über Hunderttausende Bände, und auch im Ruhestand lassen ihn Druck-Erzeugnisse nicht los. Mehrmals wöchentlich arbeitet er im Staatsarchiv am Damm.

Egbert Koolman ist Ostfriese mit „Migrationshintergrund“, wie er betont: Seine Familie hat niederländische Wurzeln, was die Schreibweise seines Namens mit nur einem „n“ am Schluss verrät. „Es macht jedes Mal einen kleinen Pikser“, sagt er, wenn jemand wieder mal ein zweites „n“ hinzugefügt hat.

In Weener geboren, wuchs Koolman „zweisprachig“ auf, verrät er mit einem Augenzwinkern. Mit der Mutter sprach er hochdeutsch, mit dem Vater ostfriesisches Platt. Griechisch, Latein, Englisch und Französisch gehörten zum Fremdsprachenkanon auf dem Gymnasium. Niederländisch hatte er aber auch gelernt: bei seinen holländischen Verwandten.

Seine Nähe zum Niederländischen hielt ihn nicht davon ab, mit acht Jahren an einer Demonstration gegen die Niederlande teilzunehmen, die das Rheiderland nach dem Zweiten Weltkrieg als Reparation beanspruchten.

Nach dem Abitur studierte er Germanistik und Geschichte, zunächst in Köln, danach in Göttingen. Seine Tätigkeit als studentische Hilfskraft in der Universitätsbibliothek war ausschlaggebend für seine Berufswahl.

Nach beruflichen Tätigkeiten in Kassel kam er 1974 als stellvertretender Leiter an die Oldenburger Landesbibliothek, der er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2003 treu blieb.

Den Umzug der Landesbibliothek aus dem „Zeughaus“ an der Ofener Straße in das ehemalige Polizeiamt am Pferdemarkt hat er maßgeblich mit geplant und organisiert. Als seinen Mentor, der ihn nach Oldenburg holte, bezeichnet Egbert Koolman den damaligen Bibliotheksdirektor Dr. Armin Dietzel, der vor wenigen Wochen verstorben ist.

Koolman wurde 1988 dessen Nachfolger als Direktor der Landesbibliothek. Höhepunkt seines Berufslebens war der Erwerb des Oldenburger Sachsenspiegels, der heute in der Bibliothek verwahrt und wissenschaftlich betreut wird.

Koolman nimmt noch immer Ehrenämter wahr, ist Mitherausgeber der Schriftenreihe des Oldenburger Landesvereins und „Rechtsritter“ im Johanniter-Orden. Mit großer Begeisterung tritt der Johanniter seit Jahren – gemeinsam mit Ehefrau Elke und anderen Mitwirkenden – als Puppenspieler in Kindergärten, Kinderkrankenhäusern und Grundschulen auf. Mit dem biblischen Spiel des „Barmherzigen Samariters“ wollen sie den Kindern das Gefühl für Solidarität nahebringen.

Für sein vielfältiges kulturgeschichtliches Engagement verlieh ihm die Oldenburgische Landschaft 2005 die Landschaftsmedaille.

Egbert Koolman ist seit 1965 verheiratet. Das Ehepaar hat eine Tochter, einen Sohn und ein Enkelkind. Neben seiner Sammlung von Schallplatten mit klassisch gespielter Militärmusik, über die er – für einen Bibliothekar selbstverständlich – Verzeichnisse angelegt hat, arbeitet er ehrenamtlich im Staatsarchiv. Er recherchiert alte Akten, deren Einbände in sogenanntem Buntpapier gefasst sind und bereitet eine Ausstellung vor. „Buntpapier“ ist gemustertes oder einfarbiges Papier, das maschinell oder mit der Hand „verschönert“ wurde.

In der übrigen Freizeit geht das Ehepaar Koolman gern in die Oper und schaut sich modernes Tanztheater an. Sportlich benutzt der Wahl-Oldenburger das Fahrrad, liest, neben überregionalen Zeitungen, täglich „seine“ NWZ , arbeitet viel mit dem Laptop, ist rege im Internet unterwegs und isst – typisch Ostfriese – „alles was Schuppen und Flossen hat“. Typisch norddeutsch ist auch sein Motto: „Wat mutt, dat mutt.“

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