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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Ein Mädchen singt sich aus der Hölle

09.04.2016

Oldenburg Das Tagebuch der Anne Frank ist weltbekannt. Millionenfach gelesen, oft verfilmt: Die Geschichte des jüdischen Mädchens, das sich mit seiner Familie Anfang der 40er zwei Jahre in einem Amsterdamer Hinterhaus vor den Nazis versteckte. „Anne Frank ist eine Ikone“, sagt Regisseur Jens Kerbel, der die gleichnamige Mono-Oper des russischen Komponisten Grigory Frid inszeniert, die 1971 in Moskau uraufgeführt wurde. In Deutschland wurde sie 1993 zum ersten Mal gezeigt.

Das Ikonische und Dokumentarische des Tagebuchs zu brechen, sei für das Team Herausforderung gewesen. Die zehn Musiker etwa spielen – anders als gemeinhin bei Opern – nicht im Orchestergraben, sondern hinter der Bühne und übernehmen eine Erzählfunktion.

Sie übernehmen die Rolle der Außenwelt, auf die die Sängerin (Anna Avakian) in ihrem Versteck reagiert. Darüber hinaus führen sie von melancholisch bis heiter und wütend durch die Stimmungen der Anne Frank. Sie stützen die junge Sopranistin Anna Avakian, die mal von Sehnsucht und Verzweiflung, dann von Übermut und Lebensfreude überflutet wird.

„Gleichzeitig haben wir uns überlegt, wie wäre Anne Frank heute in dieser Situation?“, berichten Dramaturgin Steffi Turre und Monika Annabel Zimmer (Ausstattung). Ebenso wie Jens Kerbel sind sie technikaffin und überzeugt davon, heute hätte Anne ein Smartphone, würde Selfies machen und sie posten. „Denken Sie an den arabischen Frühling, ohne soziale Netzwerke wäre er nicht möglich gewesen“, erklärt Steffi Turre.

Und so haben sie die Inszenierung intermedial angelegt: Anne singt nicht nur, sondern filmt sich auch mit der digitalen Kamera und projiziert sich. Dadurch entfaltet sich im Hintergrund eine gewaltige Bildsprache in einer zweiten Ebene.

Unterstützt wird diese zweite Ebene dadurch, dass es ein jüngeres Double von Anne Frank (Lina Seifert/Gesa van der Linde) gibt, dessen Projektionen ebenfalls als Sequenzen zu sehen sind und für den inneren Dialog mit sich selbst stehen. „Wir haben uns bei diesem Erzählstrang eher von Videokünstlern inspirieren lassen, viel mit besonderem Licht gearbeitet“, erklärt Jens Kerbel die beeindruckende Bildsprache, in der die Zuschauer das Ikonenhafte des bekanntesten Anne-Frank-Bildes wiedererkennen: dunkles Kleid mit weißem Bubi-Kragen und riesige dunkle Augen. Spiegelbildlich wird das aufgefangen im Kleid der Sängerin: helles Kleid mit dunklem Kragen. Recherchiert hat Monika Annabel Zimmer auch im Amsterdamer Anne-Frank-Museum.

Die digitale Komponente soll nicht nur die künstlerischen Ambitionen widerspiegeln, die Anne Frank trotz ihrer aussichtslosen Situation in Amsterdam auch tatsächlich hatte, sondern sie soll auch die heutige junge Generation in diese Oper locken. Und nicht nur das: Sie soll ermuntern, sich mit dieser Geschichte zu befassen. Daher wird schon vorab gebloggt.

Grigory Frid (1915-2012) verarbeitete das Tagebuch der Anne Frank 1968 zu der Kammeroper für Sopran und Orchester. Seine Familie verfügt über ähnliche Erfahrung, wurde sie doch von Stalins Soldateska gejagt und wurden auch Familienmitglieder getötet.

Die musikalische Leitung hat Elias Corrinth, für das Licht zeichnet VAT (auch Inspizienz) verantwortlich, Regieassistenz übernimmt Felix Schrödinger und Ausstattungsassistenz Ariane Albani.


     tagebuchannefrank.tumblr.com 
Sabine Schicke
stv. Redaktionsleitung
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2103

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