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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Ein Scheinheiliger im Sinn-Vakuum

10.03.2011

OLDENBURG Wenn ein Hausherr so verzweifelt ist, dass er seine Kinder enterbt und einen Scheinheiligen vergöttert, dann ist Molières „Tartuffe“ nicht weit. Dieser Tartuffe ist ein Schwindler, der die Jahrhunderte überdauert hat. Bei der Uraufführung 1664 in Versailles trieb er mit seiner falschen Frömmigkeit den armen Hausherrn Orgon erstmals in die Katastrophe. Und Orgon hätte wohl Haus und Hof verloren, hätte nicht der König selbst ihn in letzter Not gerettet. Jetzt, fast 350 Jahre später, gibt es keinen König mehr, der rettend naht. Wohl aber die Sinnsuche eines Hausherrn, der sich auf dem Höhepunkt einer Lebenskrise blenden lässt.

Dieser Hausherr ist Orgon (Gilbert Mieroph). Er hat die Nase voll von seinen beiden Kindern Damis (Eike Jon Ahrens) und Mariane (Kristina Gorjanowa), die ihm auf der Tasche liegen und sich „dekadent im Narzissmus suhlen“, sagt Regisseur Marc Becker über das „Sinn-Vakuum von Orgon“. Also schwört Orgon allem Materiellen ab, und holt sich auf seinem spirituellen Selbstfindungstrip einen Scheinheiligen wie Tartuffe (Thomas Lichtenstein) ins Haus.

Seinen „Tartuffe“ verankert der Regisseur in der heutigen Zeit, kreiert gleichzeitig aber eine Kunstwelt, in der sich Molière wiederfindet. Dazu greift Becker auf die moderne Übersetzung von Wolfgang Wiens zurück, ehemaliger Dramaturg des Hamburger Thalia Theaters. Wiens setzt auf Versform und Reim, gepaart mit heutigen Floskeln. Wortwitz und Tempo kennzeichnen die Komödie ebenso wie ein bitterer Beigeschmack, zählt Becker auf: „Dass sich Orgon aus Frust über seine Familie einem wie Tartuffe verschreibt, hat auch etwas von Härte und Ekel.“

Auch optisch bewegt sich die Komödie zwischen gestern und heute. Die Kostüme (Britta Leonhardt) sind farbenprächtig und opulent. Sie verweben moderne Haute Couture mit verrückten, übertriebenen Accessoires von einst.

Bei aller Aktualität von fehl geleiteter Sinnsuche bleibt die Frage, wer den armen Orgon am Ende retten soll. Ein Abgesandter des Königs Ludwig XIV ist wenig zeitgemäß. Und so hat sich der Regisseur eines Superhelden bedient, „der das Publikum wohl unbefriedigt zurück lassen wird, aber der Komödie huldigt“, ahnt Becker. In weiteren Rollen sind zu sehen: Anna Steffens, Anne Eversbusch, Michael Pietsch, Thomas Birklein, Caroline Nagel, René Schack und Jakob Rohde.

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