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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Er hat das schönste Lied für Oldenburg geschrieben

22.07.2015

Oldenburg Eine Ode an die Heimat ist schnell verfasst: „In Berlin aß ich einen Döner, doch der in Oldenburg war schöner.“ Wer sich auf derart poetische Ausschweifungen keinen Reim machen kann, sollte zwischen den Zeilen lesen.->

Leonce, vor 37 Jahren als Jean-Eric Dondon in Lakota an der Elfenbeinküste geboren, hat Deutschland immer geliebt. Weil es aus Schutt und Asche auferstanden ist – damals, nach den beiden großen Kriegen – und fortan glänzte, wie ein Stern am Himmel. Und da war Einstein, der Prophet und Physiker, der am Ende doch Recht behalten hat.

Nächtelang hat der kleine Jean-Eric in Biografien des Genies gelesen, hat die Weltkarte betrachtet und sich geschworen: „Eines Tages gehe ich nach Deutschland.“ Mit 27 hat er dann die Koffer gepackt, hat das Land seiner Wurzeln verlassen, wollte wachsen, studieren – am liebsten Physik. Träume hat er mitgebracht, Hoffnungen und große Pläne.

Aber die waren sperrig. In Aachen gab es ein Visum, für zwei Jahre. Dann eine Abschiebung. Jean-Eric wollte nicht zurück: An der Elfenbeinküste tobte der Bürgerkrieg, er stellte einen Asylantrag: Genehmigt. Mit Stempel auf den Papieren ging es nach Oldenburg. „Jetzt wird alles gut. Ich fange neu an. Ab heute heiße ich Leonce“, hat er gesagt. Für Leonce gab es ein Stockbett im Flüchtlingsheim in Blankenburg. „Schlimm war das“, sagt er, spricht von drei dunklen Jahren, in denen die bunten Lufttraumschlösser aus Kindheitstagen zerbröckelt sind. Deutschland war kein Paradies.

Stumm ist er geworden vor Trauer – und dann hat er sich an seine Stimme erinnert. „Als kleiner Junge habe ich gerne gesungen. Das mochten die Leute. Aber ich wollte immer lieber meinen Kopf benutzen, was akademisches machen – statt Musik“, sagt er.

Weil die Uni weit weg und die Verzweiflung in Blankenburg groß war, hat er eine Band gegründet. Reggae, Soul, Hip-Hop, R’n’B – Französisch, Englisch, Deutsch und Dida, die Sprache seiner Ahnen, haben Leonce ein kleines bisschen berühmt und enorm glücklich gemacht. So sehr, dass er sich verliebt hat. Heute ist der 37-Jährige verheiratet, lebt mit seiner Frau in einer richtigen Wohnung ohne Stockbetten, ohne Angst abgeschoben zu werden.

Jetzt heißt er Leodelest. Aber nur auf der Bühne – und dem Albumcover. Seine erste CD hat der Oldenburger im kleinen Hinterhof-Tonstudio am Stadtrand aufgenommen. Einmal ist er im Kulturzentrum Cadillac aufgetreten.

„There Is One Life“ von Leodelest: Nicht der Kultursommer-Gewinnersong – aber mit viel Oldenburg

Die Ausbildung als Windkrafttechniker in Emden hat Leonce trotzdem zu Ende gemacht. „Weil das vernünftig ist“, sagt er. Leodelest darf derweil träumen. Von großen Erfolgen und kleinen Siegen. Manches wird wahr.

Am Sonnabend hat der Musiker den Kultursommer-Songcontest gewonnen. Weil er sich erst zur Teilnahme hat überreden lassen müssen und die Bewerbungsfrist bereits um war, ist der Siegersong binnen einer Nacht entstanden: „Donnerstag komponiert, Freitag eingeübt, Sonnabend aufgeführt“, sagt er. Sonntag spielte der Gewinner vor der Band Skalinka auf der großen Schlossplatzbühne. Erobern will er weitere. „In Berlin aß ich einen Döner, doch der in Oldenburg war schöner“, heißt es in seinem Song. Zwischen den Zeilen steht mehr: „Ich hatte meinen Traum verloren, doch in Oldenburg wurde er wiedergeboren.“ Aber das ist noch längst nicht das Ende vom Lied.

Der Gewinnersong von Leodelest wird am 5. August, 19 Uhr, im Programm des lokalen TV–Senders oldenburg eins in der Sendung „Angekommen?!“ vorgestellt.

Lea Bernsmann
Redakteurin
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2106

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